Login
Kommentar

Niedersachsen: Verheerende Lage der Betriebe mit Zahlen belegt

Thumbnail
Ralf Stephan, LAND & Forst
am
05.12.2016

Die Betriebsergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2015/16 sprechen eine deutliche Sprache. Doch auch im laufenden Jahr sieht es nicht viel besser aus, sagt Chefredakteur Ralf Stephan.

Schon die Ankündigung des Verbandes der Landwirtschaftskammern in der vorigen Woche bestätigte, was praktisch alle erwartet hatten: Die ersten tieferen Einblicke in die bundesweiten Buchführungsergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2015/16 ließen die Betriebswirtschaftler von einer „verheerenden“ Lage sprechen.

Nun liegen die Zahlen für Niedersachsen vor. Sie mögen manchen irritieren. Denn unterm Strich steht für den durchschnittlichen Betrieb ein leichtes Plus gegenüber dem vorherigen Wirtschaftsjahr. Bei den Futterbaubetrieben ist überraschenderweise sogar ein Zuwachs von acht Prozent zu verzeichnen! Geht es den Milchviehhaltern also gar nicht so schlecht?

Betriebe haben 10.000 Euro Eigenkapital verloren

Mitnichten. Die Tabellen zeigen lediglich, dass eine einzige Zahl längst nicht alles erklären kann. Dazu muss man sich das Niveau ansehen, auf dem sich die Unternehmensergebnisse bewegen: Das einprozentige „Plus“ beim durchschnittlichen niedersächsischen Betrieb steht für ganze 300 Euro. Das sind keine „Peanuts“, nicht mal Krümel davon. Im Durchschnitt verlor jeder Betrieb in diesem Wirtschaftsjahr fast 10.000 Euro Eigenkapital.

Die Jahresergebnisse der Milchviehhalter schwanken um die 30.000 Euro. Davon sind noch Versicherungen und Steuern, private Abgaben und Nettoinvestitionen zu finanzieren. Was dann übrig bleibt, reicht einer Familie kaum zum Leben - obwohl die Entlastung von den Quotenkosten, leicht sinkende Ausgaben für Betriebsmittel und das Hochfahren der Menge trotz niedriger Preise ein wenig Puder auf die Jahresbilanz brachten.

Unternehmensergebnisse brechen ein

Aussagekräftiger ist der Gesamttrend, der sich über mehrere Jahre abzeichnet. Und der gibt das eigentlich verheerende Signal: Im Vergleich zum Mittelwert der letzten fünf Jahre brachen die Unternehmensergebnisse der niedersächsischen Betriebe um mehr als ein Drittel ein. Kein Betriebszweig blieb verschont. Kamen die Ackerbauern (minus 19 %) relativ glimpflich davon, verloren die Veredlungsbetriebe 33 %. An der Misere der Milchbauern lässt der Trendvergleich keinen Zweifel: Ihr Jahresabschluss halbierte sich.

So hilfreich für etliche Betriebe die jetzt vorbereitete Möglichkeit der Steuerglättung über mehrere Jahre sein kann – an der Gesamtsituation ändert sie wenig. Auch die spürbare Erholung auf einigen Märkten wird nicht reichen, um die aufgelaufenen Verluste auszugleichen. Gebraucht wird eine längere Phase guter Preise. Die ist nicht in Sicht. Vom Ende der Krise kann also trotz einiger Pluszeichen längst keine Rede sein.

Auch interessant