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Bildung

350 Landwirte lassen sich freiwillig auf MRSA testen

von , am
01.06.2015

In der Gesellschaft herrscht der Glaube Landwirte seien Überträger der gefährlichen multiresistenen Keime. Nun wollen 350 Bauern das Gegenteil beweisen. Sie ließen sich freiwillig auf MRSA testen.

355 Tierhalter aus dem Emsland lassen sich auf MRSA testen. © NDR
 
Nach einer Podiumsdiskussion mit der Bürgerinitiative Nordhümmeling hatte Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Hümmling, die Nase voll. Auf dem Forum wurde, so Terhalle, unter anderem über die Übertragung von multiresistenten Keimen diskutiert. Die Vorwürfe haben ihn schockiert:
 
  • Die Landwirtschaft verbreite durch Ställe und Gülle auf Feldern gefährliche MRSA.
  • Spaziergänger könnten sich sogar bei einem Ausflug durch die Feldflur anstecken.
  • Außerdem seien alle Landwirte Überträger der gefährlichen Keime.
 
Das wollte Bernd Terhalle nicht auf sich sitzen lassen. Mit einer Aktion will er der "fehlenden Sachkenntnis der Verbraucher" entgegen treten. Er rief die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft auf an einem freiwilligen Test auf MRSA teilzunehmen. 355 Tierhalter beteiligen sich an der Untersuchung.

MRSA-Test

Bei dem Test werden die Teilnehmer zunächst allgemein auf eine MRSA-Kontamination untersucht. Bei einem positiven Ergebnis wird die Probe auf den gefährlichen HA-MRSA (Hospital aquired) getestet. "Wir möchten mit dieser Aktion aufzeigen, dass unsere Landwirte keine höhere HA-MRSA Belastung haben als der Rest der Bevölkerung im Landkreis Emsland." Das Ergebnis wird voraussichtlich am 10. Juni veröffentlicht.

Nutztier-MRSA oder Krankenhaus-MRSA?

In der öffentlichen Diskussion findet laut Terhalle keine Differenzierung der verschiedenen MRSA-Typen statt, obwohl ihr Gefahrenpotential unterschiedlich ist. Die LA-MRSA Stämme kommen sowohl in der Nutztierhaltung als auch bei den Haustieren vor und sind auf den Menschen übertragbar.
 
Einer Untersuchung des Robert-Koch-Institutes zufolge führen landesweit aber nur 2,4 % aller LA-MRSA Keime zu einer Antibiotikaresistenz. Problematischer ist die Besiedelung mit dem HA-MRSA Keim aus dem Humanbereich, dieser wird nicht vom Tier, sondern vom Menschen übertragen.
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