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Bildung

Agrarwissenschaft: Studium und Praxis eng verzahnen

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von , am
18.09.2014

Berlin - Das Studium der Agrarwissenschaft erfordert landwirtschaftlichen Praxisbezug. In einem Positionspapier fordert der DBV, Studium und Praxis eng zu verzahnen. Das sei wichtig für das Berufsleben.

Für das Studium Agrarwissenschaft fordert der DBV, Studium und Praxis eng zu verzahnen. Das sei wichtig für den Einstieg in den Job. © Mühlhausen/landpixel
Für eine erfolgreiche Zukunft der Agrarwissenschaft ist es nach Auffassung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) erforderlich, dass das Studium der Agrarwissenschaft möglichst eng mit der landwirtschaftlichen Praxis verzahnt wird. Der Praxisbezug des agrarwissenschaftlichen Studiums sei besonders wichtig für den Lernerfolg der Studierenden und deren Berufsstart nach Studienabschluss.
 
Dies betont der DBV in einem Positionspapier zur agrarwissenschaftlichen Ausbildung. Das Positionspapier hat das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes am Dienstag (16. September 2014) beschlossen.

Agrarwissenschaft: Aus der Forschung in die Praxis und zurück

Aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes bleibt ein aktueller, kontinuierlicher Wissen- und Innovationstransfer aus der Agrarforschung über die agrarwissenschaftliche Lehre in die Praxis und auch umgekehrt aus der Praxis in die Lehre und Forschung oberstes Gebot.
Für eine erfolgreiche Zukunft der agrarwissenschaftlichen Ausbildung ist nach Auffassung des Deutschen Bauernverbandes folgendes, Punkte 1 bis 9, erforderlich:

1. Agrarwissenschaftler sind gefragt - aber brauchen Praxis

Die Agrarwissenschaften muss möglichst eng mit der landwirtschaftlichen Praxis verzahnt sein. Nicht nur die Land- und Agrarwirtschaft selbst, sondern auch das agrarische Beratungs- und Bildungswesen und die vielfältigen landwirtschaftlichen Dienstleistungszweige sind mehr denn je auf qualifizierte Fach- und Führungskräfte mit einer soliden, wissenschaftlich fundierten Ausbildung angewiesen.

2. Soft Skills - wichtig für den beruflichen Alltag

Der wissenschaftlich geschulte Nachwuchs für die Agrar- und Ernährungsbranche ist im beruflichen Alltag nicht nur auf solide Fachkompetenzen angewiesen, sondern zunehmend auch auf methodische und persönlich-soziale Kompetenzen ("soft skills").

3. Praxiserfahrungen vor dem Studium

Studenten der Agrarwissenschaften sollten bereits vor beziehungsweise zu Beginn ihres Studiums vertiefte Einblicke in die betriebliche Praxis gewinnen und diese im Verlauf ihres Studiums systematisch weiter ausbauen. Diese Praxisbezüge sollten systematisch mit den Studieninhalten verknüpft werden.

4. Zusammenarbeit von Unis und Einrichtungen in der Landwirtschaft

Um einen möglichst engen Informations- und Kompetenzverbund innerhalb der gesamten Produktions-, Verarbeitungs- und Handelskette herzustellen, ist eine stärkere Verknüpfung der agrarwissenschaftlichen Hochschulen mit wissenschaftlichen und beratenden Einrichtungen in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen erforderlich.

5. Unis sollen Arbeitsmarktrelevanz prüfen

Die Hochschulen sind gefordert, die Praxis- und Arbeitsmarktrelevanz der vielen neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kritisch zu prüfen sowie diese transparent zu machen. In den kommenden Jahren erscheint es notwendig, verstärkt auf die Transparenz und Kommunikation der Ausbildungsziele und -inhalte gegenüber den Studieninteressierten und den Unternehmen/Arbeitgebern zu achten.

6. Vorteilhaft - Duale Studiengänge

Duale Studiengänge mit verzahntem Erwerb von dualen Berufsabschlüssen und hochschulischen Bachelor-Abschlüssen werden ausdrücklich begrüßt. Die inhaltlichen Schwerpunkte und die Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen müssen mit Blick auf den Arbeitsmarkt jedoch noch wesentlich verbessert werden.

7. Anerkennung beruflicher Qualifikationen

Die Möglichkeiten zur Anerkennung und Anrechnung beruflicher Qualifikationen, insbesondere Fachschulabschlüsse/Meisterprüfung, hinsichtlich akademischer Bildungsgänge sind noch nicht ausreichend geklärt. Überschneidungen und Konkurrenzeffekte sind zu vermeiden und Synergieeffekte zu erschließen. Aktivitäten zur Qualitätssicherung und Akkreditierung akademischer Studiengänge befürwortet der Berufsstand.

8. Studium der Agrarwissenschaft muss international sein

Eine stärkere internationale Ausrichtung des deutschen Hochschulsystems ist auch im Bereich der Agrarwissenschaften erforderlich. In dieser Hinsicht sind in den kommenden Jahren noch vielfältige Bürokratisierungen und Überregulierungen zu überwinden.

9. Gute Lehre hat Vorrang vor Publikationstätigkeit

 In den hochschulinternen Anreizsystemen, zum Beispiel bei der Besetzung von Lehrstühlen, sollte eine "gute Lehre" gegenüber den Forschungsleistungen und der Publikationstätigkeit stärker gewichtet werden. Ergänzend sollten wissenschaftlich basierte Fachpublikationen in landwirtschaftlichen Fachzeitschriften im Vergleich zu einschlägigen (zumeist in englischer Sprache verfassten) Veröffentlichungen wissenschaftlicher Fachjournale einen höheren Stellenwert erhalten.

Die einflussreichsten Agrarökonomen 2014

Professor Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts. Platz 44 © Thünen-Institut
Dr. Hiltrud Nieberg ist Direktorin des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft. Platz 63 © Thünen Institut
Thünenwissenschaflter, Diplom Agraringenieur Bernhard Osterburg. Platz 78 © Thünen-Institut
Harald von Witzke, Professor an der Humbold-Universität. Platz 79 © Humboldt-Universität zu Berlin
Hans-Werner Sinn, Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Platz 1 des Gesamtrankings. © ifo Institut
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