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Update vom 5. Januar 2022

Aldi stellt Zertifizierung für nicht entwaldungsfreies Sojafutter ein

Das Zertifizierungssystem, mit dem Aldi für den Einsatz von nicht entwaldungsfreien Sojafuttermitteln den Lieferanten zusätzliche Kosten auferlegt hat, musste der Discounter aufgeben.
am Mittwoch, 04.01.2023 - 15:01 (Jetzt kommentieren)

Aldi Nord und Aldi Süd geben ihr bisheriges Zertifizierungssystem auf, durch das Lieferanten die Verfütterung von nicht entwaldungsfreiem Soja kompensieren konnten. Was das für betroffene Tierhalter bedeutet, wird von Aldis angekündigter Sojafuttermittelstrategie abhängen.

Wie die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) heute (04.01.) mitteilte, hatte die Behörde Aldis Zertifizierungssystem für den Einsatz von nicht entwaldungsfreien Sojafuttermitteln geprüft. Grund waren Bedenken der BLE zur Einhaltung des Agrarorganisationen- und Lieferkettengesetzes (AgrarOLkG).

Aldi Nord und Aldi Süd hätten erklärt, auf die Anforderungen an die betroffenen Lieferanten zu verzichten. Daraufhin das Verfahren am 23. Dezember 2022 eingestellt worden.

Das AgrarOLkG setzt in Deutschland die europäische UTP-Richtline um, die unlautere Handelspraktiken in der Lebensmittelkette bekämpfen soll.

Können Tierhalter weiterhin nicht entwaldungsfreies Soja einsetzen?

Bisher hatte Aldi klare Ziele bis zur Herstellung von komplett entwaldungsfreien Lieferketten gesetzt: Aldi Nord wollte bis 2030 vorrangige, entwaldungsfreie Lieferketten erreichen; bereits ab Sommer 2021 sollte nur noch nachhaltiges Sojafutter für die Produktion von Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch sowie von Schaleneiern verwendet werden. Aldi Süd wollte bei Fleisch und Schaleneiern bis Ende 2025 auf Soja aus abgeholzten Flächen verzichten.

In der Übergangszeit konnten Tierhalter, die nicht entwaldungsfreies Soja bezogen haben, zur Kompensation Credits auf ihre Kosten erwerben. Mit dieser Praxis war die BLE nicht einverstanden und startete ein Prüfverfahren. Inzwischen sollen Aldi Nord und Aldi Süd das Zertifizierungssystem beendet haben.

Beide Unternehmen haben gegenüber agrarheute mitgeteilt, an den bestehenden hohen Anforderungen an Sojafuttermittel festhalten zu wollen. Die Anforderungen würden in eine Branchenlösung überführt, die 2023 in Kraft treten solle. Ziel sei es, bis 2030 einen entscheidenden Schritt weiterzugehen, indem die Entwaldung entlang der Lieferketten mit hoher Priorität ausgeschlossen wird. Vor dem Hintergrund des geplanten EU-Gesetzes gegen Entwaldung habe Aldi sich zu diesem Ziel verpflichtet. Es werde ein gemeinsamer Weg aller Akteure zu transparenten und entwaldungsfreien Sojalieferketten unterstützt.

Was ist das Problem an Aldis Zertifizierung von nicht entwaldungsfreiem Soja?

Nach dem AgrarOLkG kann ein Käufer dem Lieferanten keine Kosten übertragen, die aus unternehmerischen Entscheidungen des Käufers resultieren. So muss beispielsweise für das Ziel von Aldi Süd – „Bis 2025 möchten wir in unseren Lieferketten nur noch nachhaltige Sojafuttermittel bei tierischen Produkten einsetzen.“ – nicht der Landwirt zahlen, da es sich um unspezifische Kosten handelt. Aus Sicht der BLE hätte Aldi für die Lieferanten, die Credits für Soja aus Abholzungsgebieten erworben haben, eine Gegenleistung erbringen müssen.

Das Fleisch und die Eier aus den Aldi-Eigenmarken seien auch nicht auch nicht entsprechend gekennzeichnet worden, erklärt die BLE. Verbraucher konnten nicht erkennen, ob die Tiere mit entwaldungsfreiem Soja gefüttert wurden oder ob die Tierhalter Credits zur Kompensation erworben hatten. Die BLE ging deshalb davon aus, dass die Landwirte in der Regel nicht von einem höheren Verkaufspreis profitierten.

Auch sonst sei kein verkaufsfördernder Effekt zu erwarten gewesen, weil die Produkte nicht besonders beworben wurden. Für die Lieferanten waren die Preise und die Anzahl der benötigten Credits zudem nicht sicher zu kalkulieren gewesen.

Somit befürchtete die BLE, dass die Lieferanten die Kosten zur Erfüllung von Aldis Sojafuttermittelanforderungen an Landwirte weitergeben, die Sojafuttermittel verwenden.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßt die Einstufung als unlautere Handelspraxis. Udo Hemmerling, stellvertretender DBV-Generalsekretär erklärt: "Es ist gut, dass die BLE Einkaufspraktiken von Aldi kritisch unter die Lupe genommen hat. Jetzt ist klar: Kompensationszahlungen für Sojafuttermittel ohne Nachhaltigkeitsnachweis sind unlauter. Wir erwarten, dass sich auch die anderen Handelshäuser an dieser Entscheidung orientieren". An einer praktikablen Branchenlösung für nachhaltige Importfuttermittel arbeite der Verband konstruktiv mit.

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