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Anhörung des Düngegesetzes: Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft

Landwirt pumpt Gülle
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Katharina Krenn, agrarheute
am
16.01.2017

Bei der öffentlichen Anhörung der Novelle zum Düngegesetz gab es viel Zustimmung. Die Aussagen im Überblick.

Während die wissenschaftlichen Sachverständigen der geplanten Novelle zum Düngegesetz ein wohlwollendes Urteil ausstellten und einen Paradigmenwechsel aufgrund der Gleichstellung von Umweltzielen mit denen der Lebensmittelproduktion erkannten, äußerten Vertreter der Landwirtschaft die Befürchtung, dass die Düngung der Pflanzen ausschließlich dem Wasserrecht untergeordnet werden könnte.

"Der Schutz des Grundwassers hat hohe Priorität für die Landwirte, aber es braucht auch Augenmaß, um einen fairen Wettbewerb zu erhalten", erläuterte der Ausschussvorsitzende Alois Gerig (CDU) zu Beginn der Anhörung die Problemstellung.

DBV: 'Landwirtschaft vor Wasserrecht'

Steffen Pingen vom Deutschen Bauernverband kritisierte, dass in bestimmten Fällen in der Praxis der Landwirt nicht mehr die bedarfsgerechte Düngung der Pflanzen im Auge haben könne, sondern sich die Düngung dem Wasserrecht aufgrund immer schärferer Grenzwerte unterordnen werde. Pingen sah das Prinzip der Kreislaufwirtschaft gefährdet, wenn die Bilanzsalden in Zukunft Schritt für Schritt strenger gefasst werden.

Thünen-Institut: 'Stoffstrombilanz verbessert Effizienz'

Bernhard Osterburg vom Johann Heinrich von Thünen-Institut Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei begrüßte die Einführung der Stoffstrombilanz, weil diese belegorientiert sei und über Rechnungen und weitere Kennwerte nachvollzogen werden könne. Zudem könnten auch die Betriebe profitieren, weil die Bilanzierung mögliche Effizienzsteigerungen offenbare. Aber es müsse auch auf Seiten der Behörden die Effizienz verbessert werden, betonte der Wissenschaftler. Der Datenaustausch zwischen Behörden und Landwirten muss automatisiert erfolgen, um bei den Prüfbehörden die Arbeitsgeschwindigkeit zu erhöhen.

LWK NRW: 'Strukturwandel nicht verstärken'

Eine höhere Effizienz beim Einsatz von Nährstoffen auf den Feldern erwartet auch Birgit Apel aus dem Fachbereich Landbau, Nachwachsende Rohstoffe der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen durch die Novelle. Allerdings um den Preis, dass die Betriebe mehr dokumentieren müssen. Auch könne nicht jedes Unternehmen in teure bodennahe Technik zum Ausbringen von Nährstoffen investieren. "Das kann sich nicht jeder leisten", sagte Apel. Auf die viehhaltenden Betriebe würden Kosten zukommen, die den Strukturwandel in einigen Regionen verstärken werden.

Professor Uni Kiel: 'Stoffstrombilanz ist notwendig'

Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel begrüßte, dass der Staat durch Zugriff auf entsprechende Daten erstmals feststellen könne, wo die Gesetze nicht eingehalten werden. Das System der Stoffstrombilanz bezeichnete der Professor als notwendig, denn viele Landwirte hätten in ihren Betrieben in Wirklichkeit keinen Überblick darüber.

LUFA: Gleichstellung von Umwelt und Landwirtschaft

Auch Franz Wiesler von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Speyer stellte fest, dass Verbesserungen im Umgang mit Düngern dringend erforderlich seien. Auch er betonte die Bedeutung der Gleichstellung von Umweltzielen mit den Zielen der Lebensmittelproduktion. Doch mahnte er an, dass in Zukunft beide Ziele miteinander ausgeglichen verfolgt werden müssen und nicht die Umweltziele zu stark gewichtet werden dürfen. Jetzt sei es aber in jedem Fall wichtig, dass die Landwirtschaft die umweltgerechte Landbewirtschaftung als Herausforderung annimmt.

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