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Bildung

Ausbilden - für die Landwirtschaft und das Leben

von , am
01.01.2013

Bakum/Lohne - Das Landvolk Niedersachsen ehrt in diesem Jahr einen engagierten Ausbilder in der Landwirtschaft: Schweinehalter Franz Hölscher erhält den Titel "Ausbildungsbetrieb des Jahres 2012".

Die Ausbildung junger Menschen für ein Leben mit der Landwirtschaft liegt Franz Hölscher am Herzen. 41 Auszubildende hat er seit 1980 bis zur Abschlussprüfung zum Landwirt begleitet: "Mein Fachwissen und meine Lebenserfahrung gebe ich unseren Azubis gerne weiter. Und ich freue mich immer wieder sehr, wenn ich sehe, dass die jungen Leute davon in der Praxis profitieren und auch gerne bei uns auf dem Hof sind", erzählt der Betriebsleiter. Mit den meisten haben er und seine Frau Monika auch nach der Ausbildung noch eine gute Verbindung.
 

Ferkel selbst züchten

Viel Fachwissen hat Franz Hölscher zu bieten. Seinen Betrieb hat er 1976 von seinem Vater gepachtet, mit damals 20 Hektar Land. Sein Vater hatte den Betrieb im Nebenerwerb geführt, mit zwölf Milchkühen und 20 Zuchtsauen. Franz Hölscher war es von Anfang an wichtig, die Schweinehaltung weiter auszubauen. Mit der Milchquotenregelung 1984 verkaufte er die Kühe. Im Jahre 2001 entschloss er sich, gemeinsam mit einem Partner eine größere Zuchtsauenanlage zu errichten. Die betriebseigene Sauenhaltung gab er auf. Bis auf eine kleine Restmenge mästet der jetzt 59-Jährige Landwirtschaftsmeister zurzeit zusammen mit Sohn Andreas als Hofnachfolger alle anfallenden Ferkel selbst - mit 1.650 Schweinemast- und 1.500 Ferkelaufzuchtplätzen. Die Sauenhaltung in Kooperation umfasst 700 Tiere. Außerdem bewirtschaftet die Familie ca. 100 Hektar Ackerfläche.

Ausbilden als Geben und Nehmen

Seine Auszubildenden bezieht Franz Hölscher in alle Arbeitsabläufe mit ein. Neben der regelmäßigen Teilnahme an den Lehrgängen in Wehnen und Echem ermöglicht er ihnen Besuche von Fachausstellungen, Tierschauen sowie Arbeitskreisen. Bei Bedarf findet er aber auch eigene kreative Lösungen: Als der Lehrgang „Rinderhaltung“ in Echem noch nicht in den Ausbildungsplan der Azubis gehörte, tauschte er seine Auszubildenden für zwei Wochen mit denen eines nahe gelegenen Milchviehbetriebes. So konnten sie auch Erfahrungen in der Rinderhaltung sammeln.
 
Er sieht die Ausbildung aber nicht nur als ein Geben. Der Schweinehalter freut sich besonders, wenn auch er von den Azubis etwas lernen kann. So gab ihm ein ehemaliger Auszubildender einen Tipp zum Reinigen der Schweinetröge, den Franz Hölscher bis heute gerne umsetzt: "Unser Azubi erzählte, dass sie im elterlichen Betrieb nach der Reinigung die Tröge mit einem Laubsauger ausblasen. Das geht schnell und ist sehr hygienisch. Wir machen das jetzt hier auch immer so."

Familienleben erleben

Wichtig ist für Franz und Monika Hölscher, dass die Auszubildenden auch "dicht am Familienleben dran sind". Aus diesem Grund wohnen die Jugendlichen mit im Wohnhaus der Familie. Sie haben dort eigene Zimmer, sind aber bei Mahlzeiten und Familienfesten immer dabei. "So ergibt sich außerdem regelmäßig die Gelegenheit, dass wir gemeinsam am Berichtsheft arbeiten oder ich bei den Prüfungsvorbereitungen helfe", erzählt Ausbilder Hölscher. Wenn er einen Azubi im dritten Ausbildungsjahr hat, bietet er eine spezielle Vorbereitung auf die Abschlussprüfung an: die Auszubildenden lernen an zwei Abenden in Gruppen von fünf bis sechs Teilnehmern betriebsübergreifend zusammen mit Franz Hölscher für den Praxisteil.
 
Die gelernte Hauswirtschafterin Monika Hölscher arbeitet teilweise im Betrieb mit. Vorrangig ist sie für die Haushaltsführung zuständig. Sie kocht für die Azubis und versorgt sogar ihre Wäsche: „Natürlich ist es auch für die Betriebshygiene gut, wenn unsere Mitarbeiter ihre Arbeitskleidung nur hier auf dem Hof benutzen. Aber die Auszubildenden gehören eben auch fest zu uns. Und so wasche ich gerne für sie.“ Die Jugendlichen seien ein bisschen so wie eigene Kinder. Denen habe sie die Wäsche auch immer sauber ins Zimmer gelegt. Auch in Zukunft wird das Landvolk Niedersachsen den Titel "Ausbildungsbetrieb des Jahres" einmal jährlich vergeben.
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