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Steuerrecht

Bundesfinanzhof: Finanzämter benachteiligen 13a-Landwirte

Ist ein Wirtschaftsjahr kürzer als zwölf Monate, sollten Landwirte künftig genau darauf achten, wie das Finanzamt den Grundbetrag bei der Einkommensteuererklärung berechnet.
am Donnerstag, 20.10.2022 - 13:12 (Jetzt kommentieren)

Die Finanzämter haben Landwirte, die ihren Gewinn nach Durchschnittssätzen ermitteln, aus Sicht des Bundesfinanzhofs (BFH) bisher benachteiligt. Auch wenn diese Landwirte nicht das ganze Jahr über Betriebsleiter waren, mussten sie eine Steuerlast für zwölf Monate tragen.

Bisher hatten die sogenannten 13a-Landwirte in ihrer Einkommensteuererklärung oft das Nachsehen, wenn es zwischen dem Kalender- und Wirtschaftsjahr Abweichungen gab. Denn auch in verkürzten Wirtschaftsjahren mit weniger als zwölf Monaten mussten sie den vollen Grundbetrag und den kompletten Zuschlag für Tierzucht und Tierhaltung für das ganze Jahr zahlen. Eine oft wesentlich höhere Steuerlast war die Folge.

Zu verkürzten Wirtschaftsjahren kommt es insbesondere bei Hofübernahmen, wenn der Generationenwechsel mitten im Wirtschaftsjahr vom 1. Juli bis zum 30. Juni stattfindet.

Grundbetrag muss zeitanteilig berechnet werden

Für diese Fälle hat der Bundesfinanzhof (BFH) jetzt Klarheit geschaffen und damit die Situation für Landwirte verbessert (Az. VI R 30/20): Bei der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen in verkürzten Wirtschaftsjahren müssen die Finanzämter jetzt den Grundbetrag und den Zuschlag für Tierzucht und Tierhaltung zeitanteilig anrechnen.

Zum 01.06.2016 hatte ein Landwirt den Betrieb seiner Eltern übernommen. Als 13a-Landwirt setzte er für das am 30. Juni endende Wirtschaftsjahr 1/12 des vollen Grundbetrages an. Das zuständige Finanzamt rechnete jedoch mit dem vollen Jahresbetrag, wogegen der Landwirt klagte.

Der BFH teilte die Sicht des Landwirts, die auch das Finanzgericht München vertritt.

BFH-Urteil kann sich für Landwirte auch nachteilig auswirken

Das Beratungsunternehmen Ecovis begrüßt die Entscheidung des BFH grundsätzlich. „Wir hoffen, dass die Finanzämter dem BFH folgen und in Zukunft einem zeitanteiligen Ansatz keine Steine in den Weg werfen“, sagt Ecovis-Berater Ludwig Brummer.

Allerdings müsse die zeitanteilige Berechnung auch für verlängerte Wirtschaftsjahre gelten. „Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Landwirt das abweichende Wirtschaftsjahr vom 1. Juli auf das mit dem Kalenderjahr übereinstimmende Wirtschaftsjahr umstellen möchte. Dann haben wir ein Wirtschaftsjahr mit 18 Monaten, bei dem Landwirte das 1,5-fache der Grundbeträge ansetzen müssen“, so Steuerberater Brummer.

Allerdings müsse sich die Finanzverwaltung erst zum Umgang mit verlängerten Wirtschaftsjahren äußern. Bis dahin sei der Grundbetrag nur einmal anzusetzen, was für die Landwirte ein Vorteil bedeutet.

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