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Steuerrecht

Endlich Klarheit bei Biogas-Steuerfragen zu Transport und Abschreibung

Lieferung von Biomasse an Biogasanlage
am Freitag, 09.12.2022 - 11:27 (Jetzt kommentieren)

Welche Nutzungsdauer hat eine Biogasanlage? Wie ist die Anlieferung des Substrats zu versteuern? Über beide Fragen herrscht seit Jahren Unklarheit. Jetzt gibt die Finanzverwaltung Vorschriften zur steuerlichen Behandlung von Biogasanlagen bekannt, berichtet das Beratungsunternehmen Ecovis.

In einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 11.04.22 werden offene Fragen zum Transport von Biomasse und zur Abschreibung der Biogasanlage geklärt. Bisher gab es deutliche Diskrepanzen in der Handhabung im Einzelfall und zwischen den Finanzverwaltungen der Länder. Unter anderem in Bayern wurde die gewerbliche Biogasanlage steuerlich in mehrere Wirtschaftsgüter mit unterschiedlichen Nutzungsdauern zerlegt.

Abschreibung: Diese Nutzungsdauer gilt für Biogasanlagen

Die Biogasanlage wird ab sofort als einheitliches Wirtschaftsgut mit einer Nutzungsdauer von 16 Jahren betrachtet, legt das BMF fest. Zu der Biogasanlage gehören auch Gärbehälter/Fermenter mit dem Nachgärer, die dazugehörige Einbringungs-, Mess- und Steuerungstechnik, die Elektroinstallation, das Rührwerk, die Separierung, die Gasfackeln, der Gasspeicher und die Pumpstation. Zusammen mit der Biogasanlage sind diese Bestandteile als einheitliches Wirtschaftsgut mit einer Nutzungsdauer von 16 Jahren abzuschreiben.

Gesondert betrachtet werden weiterhin Blockheizkraftwerke (10 Jahre Nutzungsdauer) sowie im Zusammenhang mit der Biogasanlage genutzte Wirtschaftsgüter, die aber auch allein nutzbar wären. Dazu zählen beispielsweise Gebäude, Hof- und Platzbefestigung, Zuwege, Grünanlagen mit Umzäunung, Transformator, Gas- und Wärmeleitungen, Fahrsilo, Siloplatten und die Fuhrwerkswaage. Die Nutzungsdauer dieser selbständigen Wirtschaftsgüter kann den amtlichen Afa-Tabellen entnommen werden.

Die Regelung zur Abschreibungsdauer gilt allerdings nur für Neuanlagen.

Anlieferung von Biomasse – wer zahlt Steuern?

Beim Transport von Biomasse ist oft nicht klar, ob dieser landwirtschaftlich oder gewerblich ist und ob folglich Umsatzsteuer anfällt. Hier gelten die vereinbarten Lieferkonditionen. Verkauft der Landwirt „frei Biogasanlage“, ist der Transport Teil der Biomasselieferung. Der Landwirt muss für den Transport des Substrats sorgen und dieser wird nicht einzeln versteuert.

Wird „frei Hof“ verkauft, ist die Biogasanlage verantwortlich für den Transport. Liefert der Landwirt die Biomasse, so erbringt er in diesem Fall eine gewerbliche Dienstleistung, wenn er damit die Ein-Drittel-Umsatzgrenze überschreitet.

Anders sieht das aus, wenn der Landwirt die Biogasanlage als Personengesellschaft betreibt, also an ihr beteiligt ist. Hier wird die Lieferung nicht als gewerbliche Tätigkeit des Landwirts betrachtet, sondern als Vorwegvergütung im Rahmen der Gewinnverteilung der Biogasanlage.

Steuern sparen mittels Gehaltslieferung der Biomasse

Neuerdings akzeptiert die Finanzverwaltung auch Gehaltslieferungen. Das ist besonders für den Rücktransport von Gärsubstraten interessant. Die Lieferung beschränkt sich dabei nur auf einen bestimmten Inhalt, den „Gehalt“ des übergebenen Gegenstandes – in dem Falle auf den Energiegehalt der Biomasse. Umsatzsteuerlich bleiben Nebenerzeugnisse wie Gärreste die ganze Zeit dem Landwirt zugerechnet.

Folglich entstehen durch die Rückführung von Gärsubstraten keine neuen zu versteuernden Umsätze.

„Gehaltslieferungen sind jedoch zu vereinbaren“, sagt Ecovis-Steuerberater Mauritz von Wersebe, „und sie sind nur dann möglich, wenn sich der Anlieferer der Biomasse auch zur Rücknahme seiner Gärreste verpflichtet.“ Liefern etwa mehrere Landwirte Biomasse an, aber nur einer nimmt die Gärreste ab, scheidet diese Lösung aus.

Mit Material von ecovis

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