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Bildung

ErlebnisBauernhof: Was der Landwirt schafft

© Messe Berlin
von , am
25.01.2015

Eine Grüne Woche dauert länger als sieben Tage. Nach zehn Tagen macht der Laden auf der Messe Berlin am Sonntag dicht. Hunderttausende kamen, schlemmten und besuchten auch den ErlebnisBauernhof in Halle 3.2.

Der ErlebnisBauernhof lud 2015 die Berliner zum 17. Mal im Rahmen der Internationalen Grünen Wocheein, sich die Landwirtschaft und ihre vor- und nachgelagerten Bereiche genauer anzusehen. Getreu dem Motto des diesjährigen Grüne Woche-Partnerlandes Lettland "Nimm dir Zeit" schauten auch diesmal Besucher aller Altersstufen in Halle 3.2 vorbei. Kinder konnten ihre Nasen in frischen Kompost drücken, Kühe streicheln, Milch schlürfen oder per Schnitzeljagd durch die Halle jagen und dabei mehr zum Thema Boden erfahren. Währenddessen konnte Papa auf dem Traktorsitz des 700er Fendt Probe sitzen und sich einmal wie der König der Furche fühlen. Unter der Woche lernten hunderte Schüler am Wissensstand der information medien.agrar (i.m.a) mehr über Ei, Milch und Getreide. Ausgeruht wurde dann gemeinsam bei einer leckeren Spargelsuppe auf dem ?Marktplatz? in der Mitte des Bauernhofs.

ErlebnisBauernhof: Wissen realitätsnah vermittelt

Wissen lebensnah vermitteln. Keine einfache Aufgabe in Zeiten, in denen der Verbraucher oft nicht mehr weiß, was der Landwirt denn da in seinem Stall oder auf dem Acker alles so treibt. Eigentlich sollte die Landwirtschaft als Branche, die für den unmittelbaren Lebenserhalt der Menschen arbeitet, auch Teil der Realität dieser Menschen sein. Doch das ist sie heute nur noch bedingt - teils aus Desinteresse, teils aus fehlenden Angeboten. Wenn dann Bilder und Berichte über totgeschlagene Ferkel oder vergiftete Bienen ins tägliche Leben einschlagen, gerät eine gesamte Branche unter Generalverdacht. Zuletzt gesehen an der Debatte um den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Emotionen lenken die Debatte, der Sachinhalt verschwindet.

Ängste der Verbraucher ernst nehmen

Doch egal ob es 25.000 oder 50.000 Demonstranten bei der traditionellen "Wir haben es satt!"-Demonstration zum Bundeskanzleramt waren, es waren nicht nur Menschen, die für Lichtnahrung plädieren. Ängste sollten ernst genommen werden. Dabei signalisiert die Branche, dass durch Aktionen wie der Initiative Tierwohl oder dem Aktionsprogramm Tierschutz des Landwirtschaftsministeriums auf Forderungen reagiert wird. Auch das Antibiotikaminimierungsgesetz läuft an - die Branche nimmt die Rufe an.

Mündiger Verbraucher macht sich Meinung selbst

Nichtsdestotrotz gibt es keinen Grund, nur in die Selbstverteidigung oder Opferrolle zu verfallen. Nachhaltigkeit fußt auf den Säulen ökonomisch, ökologisch, sozial und ressourcenschonend, ohne funktionierende Ökonomie kann der Bauer nicht überleben.
 
Die Initiative "Frag doch mal den Landwirt" ist deshalb nicht nur als Antwort der Branche auf ungerechte Vorwürfe zu sehen, sondern als Aufruf an den mündigen Verbraucher, der sich seine Meinung selber macht. Denn egal ob es 500 oder 1.000 Demonstranten bei der "Wir machen Euch satt"-Demo vor dem Hauptbahnhof in Berlin waren - ein Landwirt in Deutschland ernährt heute rund 140 Menschen. Sich über die Art und Weise der Produktion Gedanken zu machen, ist sinnvoll. Doch etwas Respekt für die Leistung der Branche schadet auch nicht.

ErlebnisBauernhof: Anstoß zur Diskussion mit dem Landwirt

Landwirtschaft läuft heute anders, als noch vor zwanzig oder fünfzig Jahren. Auf dem ErlebnisBauernhof der Grünen Woche in Berlin konnte sich Groß und Klein einen Eindruck davon machen. Der schönste Erfolg wäre wohl, wenn der Besucher nun einfach mal aufs Land fährt und das Gespräch mit dem Bauern über eine offene Stalltür hinweg führt.
 

Fakten zur Grünen Woche 2015

Erste Schätzungen ergeben, dass dieses Jahr über 410.000 Gäste den Weg auf das Messegelände zur Internationalen Grünen Woche gefunden haben. Auf den ErlebnisBauernhof in Halle 3.2. zog es über 300.000 Besucher. Pro-Kopf gaben die Besucher durchschnittlich 117 Euro aus. Dies liegt leicht über dem Vorjahresniveau (2014:114 €). Die Aussteller freuten sich über rund 48 Millionen Euro Umsatz.
 
Auch Prominenz besuchte die Grüne Woche, allein die Eröffnungsfeier konnte auf rund 3.500 Ehrengäste verweisen, unter denen auch viele Politiker waren. Insgesamt statteten im Laufe der Tage 200 Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland der Grünen Woche einen Besuch ab. Auffällig war dieses Jahr die hohe Anzahl an Schülern. Insgesamt 20.000 Schüler aus Berlin/Brandenburg und anderen Bundesländern informierten sich auf der Grünen Woche über Lebensmittel aus aller Welt und die heimische Landwirtschaft. Das Angebotsspektrum der Grünen Woche bewerteten 98 Prozent der Privat- und 94 Prozent der Fachbesucher mit sehr gut bis zufriedenstellend.
Die nächste Grüne Woche findet vom 15. Bis 24. Januar 2016 statt.
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