Login
Recht

EU: Erbrecht wird vereinfacht

© Rainer Sturm
von , am
29.07.2014

Berlin - Das Erbrecht wird in der Europäischen Union neu geregelt. Neue Vorschriften sollen die Abwicklung von Erbfällen erleichtern. Die neue Verordnung gilt ab August 2015.

In der neuen Förderperiode stehen rund 177 Mio Euro für das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) in Thüringen bereit. © chocolat01/pixelio
Im kommenden Jahr wird die Abwicklung von Erbfällen innerhalb der EU vereinfacht. Darauf weist die Bundesregierung in einer Pressemitteilung hin. Ab August 2015 gilt die neue Europäische Erbrechtsverordnung. Diese regelt, welches nationale Erbrecht anzuwenden ist, wenn Vermögen in mehreren EU-Staaten zu vererben ist. Die neue Verordnung biete vor allem größere Rechtssicherheit, von der jährlich gut 450.000 Familien profitieren werden.
 
Die neuen Vorschriften sehen außerdem ein Europäisches Nachlasszeugnis vor. Damit können Erben und Nachlassverwalter überall in der EU ohne weitere Formalitäten ihre Rechtsstellung nachweisen. Das bedeutet vor allem schnellere und kostengünstigere Verfahren.  

Bisherige Schwierigkeiten werden vereinfacht

Das neue Recht gilt ab dem 17. August 2015. Es folgt einem einfachen Prinzip: dem Recht des "gewöhnlichen Aufenthalts". Lebt und stirbt ein Deutscher in Frankreich, unterliegt die Erbschaft dementsprechend französischem Recht. Es sei denn, im Testament wird ausdrücklich die Anwendung deutschen Erbrechts festgelegt. Kommt es zu einem Erbfall stellt sich nach derzeitigem Recht stets die Frage, welches Erbrecht Anwendung findet.
 
Die damit verbundenen Schwierigkeiten werden anhand des nachfolgenden deutsch-französischen Beispiels deutlich: Nach deutschem Recht bestimmt sich das Erbrecht nach der Staatsangehörigkeit des Erblassers. Es folgt dem Staatsangehörigkeitsprinzip. Bei Immobilien hingegen knüpfen Franzosen daran an, in welchem Land diese liegen. Bei sonstigen Nachlasswerten entscheidet der letzte Wohnsitz des Verstorbenen. Stirbt also eine Deutsche oder ein Deutscher mit Hausbesitz in Frankreich wird derzeit das Haus nach französischem Recht vererbt. Die Eigentumswohnung in Deutschland unterliegt dagegen deutschem Erbrecht.

Möglichkeit der Rechtswahl im Erbfall

Ausländische Erbregelungen können stark von deutschem Recht abweichen. Sie können Nachteile, gegebenenfalls aber auch Vorteile für die Erben mit sich bringen. Jeder Betroffene sollte also jetzt schon prüfen, welches Erbrecht für ihn günstiger ist und sich rechtlich beraten lassen. Wer möchte, dass das Erbrecht des Landes angewandt wird, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, muss dies ausdrücklich im Testament festlegen.
 
Lebt also beispielsweise eine Deutsche oder ein Deutscher in Frankreich und möchte, dass deutsches Erbrecht im Erbfall angewendet wird, so muss dies klar aus dem letzten Willen hervorgehen.
Auch interessant