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Fristverlängerung

Ferkelkastration: Klöckner muss jetzt Gas geben

am Montag, 03.12.2018 - 12:33 (Jetzt kommentieren)

Zu lange hat das Bundesagrarministerium praxisreife Lösungen für die betäubungslose Ferkelkastration schleifen lassen. Jetzt ist aber Eile geboten. Ein Kommentar von agrarheute-Redakteur Josef Koch.

Josef Koch agrarheute Redakteur

Es ist schon bemerkenswert, wie stur sich die Verantwortlichen im Bundeslandwirtschaftsministerium verhalten, wenn es um die Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration geht. Meines Erachtens macht es sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner zu einfach, wenn sie behauptet, es lägen keine Studien vor, die eine wirksame Schmerzausschaltung belegten. So sei der 4. Weg keine Alternative.  

Dabei hatte der Bund seit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Ferkelkastration in 2013 genügend Zeit, entsprechende Studien in die Wege zu leiten. Doch zu lange haben die Zuständigen wohl gezielt in die falsche Richtung forschen lassen, statt wirklich praxisnahe Lösungen für die Schweinehalter bis Ende 2018 finden zu wollen. Wie zu hören ist, wehe in den entsprechenden Referaten noch der ideologische Geist der früheren Bundesagrarministerin Renate Künast.

Will Klöckner 2020 zurücktreten?

Verwunderlich ist, dass es die folgenden CDU- und CSU-Agrarminister wie Seehofer, Schmidt und auch Klöckner bislang nicht geschafft haben, diese Geister zu vertreiben. Oder wollten sie es gar nicht?

Zwar hat das BMEL endlich eine Studie zur Lokalanästhesie angestoßen, doch diese Ergebnisse werden wohl erst Mitte bis Ende 2020 vorliegen. Meines Erachtens ist das viel zu spät, um dann noch einen 4. Weg umzusetzen, falls die Ergebnisse der Studie positiv ausfallen. So schließt ja Klöckner eine nochmalige Verlängerung der Frist für die betäubungslose Ferkelkastration rigoros aus. Vielleicht war das auch nur eine versteckte Rücktrittserklärung der Agrarministerin, wenn sie meint, mit ihr sei das nicht mehr zu machen?

Aber warum haben Sie, Frau Klöckner, sechs Monate verschenkt, obwohl die Zeit für praxisnahe Lösungen drängt? Bereits im März 2018 war der Beschluss zur Studie gefällt, erst im Oktober wurde die Studie initiiert.

BMEL muss regelmäßig Rechenschaft ablegen

Die Befürworter der Fristverlängerung wie CDU/CSU, SPD und AfD im Bundestag haben ebenfalls den Eindruck, dass das BMEL seit 2013 in Sachen Ferkelkastration die Zügel hat schleifen lassen. So muss es nun alle sechs Monate Rechenschaft vor dem Parlament ablegen, welche Fortschritte es bei den Alternativen erreicht hat. Der erste Bericht ist bis 30. Juni 2019 fällig.  

Hilfreich ist, einen Blick über Landesgrenzen zu werfen. In Dänemark, Schweden und Norwegen ist die Lokalanästhesie erlaubt. In Norwegen heißt es, gewährleiste die lokale Betäubung eine wirksame Schmerzausschaltung. Und das schon seit zehn Jahren! Ich kann mir nicht vorstellen, dass deutsche Ferkel schmerzempfindlicher sind als jene in den skandinavischen Ländern. Deutsche Tierschützer sind es offenbar. 

Keine Zeit mehr zu verlieren

Immerhin fordert der Bundestag im Entschließungsantrag Klöckner auf, alternative Verfahren zur betäubungslosen Ferkelkastration auf deren Praxisreife zu überprüfen und in den kommenden zwei Jahren alles zu tun, diese Praxisreife herzustellen. Dies schließt auch die rechtlichen Voraussetzungen für weitere tierschutz- und praxisgerechte Alternativen mit ein.

Diesen Auftrag sollten alle Verantwortlichen im Bundesagrarministerium jetzt ernst nehmen. Gebt endlich Gas und baut nicht nur auf die bisherigen Varianten. Selbst die Vollnarkose mit Isofluran ist noch lange nicht praxisreif. Und die Ebermast ist keine Lösung für alle Sauenhalter.

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