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Steuertipp

Wie Sie für das Finanzamt eine marktübliche Stallpacht ermitteln

Ein Kuhstall und Kühe auf der Weide
am Donnerstag, 04.03.2021 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Wer eine zu niedrige Stallpacht vereinbart, riskiert Ärger mit dem Finanzamt. Ein Urteil gibt jetzt Orientierung.

Schließen sich nahestehende Personen, wie zum Beispiel Ehegatten oder Eltern und ihre Kinder, einen Pachtvertrag, besteht das Finanzamt darauf, dass marktübliche Entgelte nicht unterschritten werden. Aber was ist marktüblich? Auf diese Frage gibt ein Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts wichtige Antworten. Darauf hat jetzt die Steuerberatung Ecovis hingewiesen.

Im vorliegenden Rechtsstreit hatte ein Landwirt geklagt, der seinen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb an eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) verpachtete. An dieser GbR ist der Landwirt mehrheitlich beteiligt.

Im Jahr 2014 hatte der Kläger auf seinem Grundstück einen Stall mit 65 Milchviehplätzen errichtet. Diesen Stall verpachtete er für jährlich 45.000 Euro netto an die GbR. Die in den Rechnungen über die Anschaffungskosten ausgewiesene Umsatzsteuer machte der Landwirt als Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend.

Der Blick in die Region vor Ort genügt nicht

Nach einer Betriebsprüfung war das Finanzamt der Meinung, dass die Pacht zu niedrig sei. Deshalb sei das vereinbarte Entgelt anhand der Mindestbemessungsgrundlage zu überprüfen. Da in der Region kein Pachtzins für vergleichbare Stallanlagen ermittelt werden konnte, orientierte sich das Finanzamt an den Baukosten des Stalls.

Das Niedersächsische Finanzgericht kam jedoch zu einer anderen Einschätzung. Nach Auffassung der Richter sind nicht immer die Verhältnisse vor Ort ausschlaggebend. Wenn in der Region keine vergleichbaren Stallanlagen vorhanden sind, ist vielmehr zu prüfen, welcher Pachtzins in Regionen maßgeblich ist, in denen es vergleichbare Rinderställe gibt (Urteil vom 26.11.2020, Az. 11 K 12/20). Im Fall des Klägers kam ein Gutachten zu dem Schluss, dass das vereinbarte Pachtentgelt sogar über dem marktüblichen Wert lag.

Das Gericht entschied, die Begrenzung der Mindestbemessungsgrundlage könne nicht pauschal mit dem Hinweis abgelehnt werden, es gebe vor Ort keine vergleichbaren Anlagen. Unter Berücksichtigung der Vorgaben der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie sei für die Ermittlung vergleichbarer Objekte auf die Regionen abzustellen, in denen die für die Preisfindung relevanten Faktoren gleich seien.

Eine Revision zu dem Urteil ist zugelassen.

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