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Baden-Württemberg

Gerichtsverfahren beendet: Landwirt zahlt Erntehelfern Lohn nach

Ein Rechtsstreit zwischen einem Landwirt und 18 georgischen Erntehelfern endete mit gerichtlichen Vergleichen.
am Montag, 23.01.2023 - 13:02 (Jetzt kommentieren)

Im Bodenseekreis ist ein längerer Rechtsstreit durch einen Vergleich zum Ende gekommen: 18 Erntehelfer aus Georgien hatten geklagt, weil der Landwirt ihnen nur einen Teil des vereinbarten Lohns gezahlt haben soll.

Begonnen haben die Gerichtsverfahren im Sommer 2021, als die 18 georgischen Erntehelfer für ihre Arbeit in einem Obstbaubetrieb mehr Lohn forderten und Mängel an ihrer Unterbringung beklagten. Vor dem Arbeitsgericht Ravensburg bekamen die Saisonarbeiter Recht. Im Schnitt sollte der Landwirt den Erntehelfern nach SWR-Informationen jeweils etwa 1.000 Euro nachzahlen. Er legte jedoch Berufung ein und zog vor die zweite Instanz, dem Landesarbeitsgericht in Stuttgart.

Dort hätten die Verfahren nach Angaben der Schwäbischen Zeitung im Dezember 2022 in die zweite Runde gehen sollen. Wie das Landesarbeitsgericht gegenüber agrarheute bestätigt, sind die Verfahren nunmehr beendet worden. Es hat gerichtliche Vergleiche gegeben, die am 13. Januar 2023 bestandkräftig geworden sind, so der Pressesprecher.

70.000 Euro Schaden wegen nicht geernteter Erdbeeren?

Während der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Ravensburg soll der Landwirt laut SWR erklärt haben, dass die Erntehelfer teilweise nicht zur Arbeit erschienen und oft betrunken gewesen seien. Viele Erdbeeren seien nicht geerntet worden, wodurch ein Schaden von etwa 70.000 Euro entstanden sei. Die Saisonarbeiter haben dagegen ausgesagt, dass es auf dem Obstbaubetrieb nicht genug Arbeit für sie gegeben habe. Sie seien an bestimmten Tagen wieder weggeschickt worden. Mit dem Obstbauern hätten die georgischen Saisonarbeiter einen viel höheren Lohn vereinbart. Der ausgezahlte Lohn habe außerdem deutlich unter dem Mindestlohn gelegen.

Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung habe das Landesarbeitsgericht in Stuttgart eine umfangreiche Beweisaufnahme angekündigt. Die Erntehelfer hätten ihre Arbeitszeiten genau nachweisen müssen – obwohl eigentlich der Arbeitgeber für die Zeiterfassung zuständig ist. Die Kosten des Verfahrens hätte der Verlierer tragen müssen, weshalb sowohl die Erntehelfer als auch der Landwirt schließlich auf den Vergleich eingegangen sind. Die Saisonarbeitskräfte verzichten damit auf einen Teil des fehlenden Lohns.

Mängel an Unterkünften mussten behoben werden

Bei den Unterkünften der Erntehelfer soll es sich laut SWR um verschmutzte, nicht coronakonforme Wohncontainer gehandelt haben. Das zuständige Landratsamt habe Verstöße festgestellt, die der Landwirt habe beseitigen müssen. Von den Unterkünften habe einer der Erntehelfer zuvor Videos gedreht und sie in sozialen Medien geteilt.

Auch die georgische Botschaft forderte Aufklärung.

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