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Kapitalmarkt

Glyphosat-Prozesse: Bayer-Investoren fühlen sich getäuscht und klagen

Kapitalmarkt-Symbolbild mit Bayer-Logo
am Mittwoch, 05.01.2022 - 11:25 (Jetzt kommentieren)

Etwa 320 Investoren klagen gegen die Bayer AG, weil der Chemiekonzern nach der Monsanto-Übernahme den Kapitalmarkt nicht ausreichend über die Risiken informiert haben soll. Insgesamt wird ein Schadenersatz von 2,2 Milliarden Euro gefordert.

Eingang des Landgerichts in Köln

Die Tübinger Kanzleien TILP Rechtsanwaltsgesellschaft und TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft teilten gestern (04.01.) mit, dass sie für rund 320 Investoren zum Ende des vergangenen Jahres Klagen vor dem Landgericht Köln eingereicht haben. Es handle sich um 288 institutionelle Investoren und „zahlreiche weitere Privatanleger“, so die Kanzleien. Zu den institutionellen Investoren gehörten Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, (Rück-)Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds aus der EU, Nordamerika, Asien und Australien.

Nach Bayers Übernahme des Monsanto-Konzerns, der das glyphosathaltige Herbizid Roundup herstellt, kam es in den USA zu Gerichtsprozessen, weil drei Personen Krebserkrankungen auf die Anwendung des Pflanzenschutzmittels zurückführten. Bayer musste hohe Schadenersatzzahlungen leisten. 2018 und 2019 kam es deshalb zu hohen Verlusten des Bayer-Aktienkurses. Über dieses Risiko des Monsanto-Kaufs soll Bayer seine Investoren nach Ansicht der Kanzleien nicht „unverzüglich und vollumfänglich in Kenntnis“ gesetzt haben. Weder in den Finanzberichten noch in den Ad-hoc-Mitteilungen von Bayer habe es entsprechende Informationen gegeben. Das habe letztlich dazu geführt, dass die Bayer-Aktien zu teuer erworben worden sind.

Verfahren gegen Bayer könnte noch 2022 eröffnet werden

Die Tagesschau weist auf die Verjährungsfrist für die Klageeinreichung hin, die am 31. Dezember 2021 abgelaufen ist. Mitte Dezember gaben die Kanzleien noch an, dass sich das Gesamtvolumen der Klagen, die bis dahin anhängig gewesen sind, auf „weit über eine Milliarde Euro“ belaufe. Bis zum Ablauf der Frist sei der Gesamtbetrag laut aktueller Mittelung auf 2,2 Milliarden Euro gewachsen.

Am 15. Dezember 2021 hat das zuständige Landgericht Köln bekannt gegeben, dass das von den Kanzleien beantragte Kapitalanleger-Musterverfahren als zulässig erachtet werde. Das Musterverfahren, in dem der Prozess anhand eines vom Landgericht ausgewählten Musterklägers stellvertretend für die gleichgelagerten Fälle geführt wird, könnte nach Einschätzung des TILP-Rechtsanwalts Christian Herrmann möglicherweise noch in diesem Jahr beginnen. Im nächsten Schritt müsse das Landgericht Köln einen Vorlagebeschluss erlassen. Mit diesem rechnet Herrmann in den nächsten Monaten.

Bayer streitet den Vorwurf fehlerhafter Kommunikation ab

Vor dem Ablauf der Verjährungsfrist teilte ein Bayer-Sprecher mit, dass der Konzern die „Klagen wegen angeblich fehlerhafter Kapitalmarkt-Kommunikation im Zusammenhang mit der Monsanto-Akquisition für unbegründet“ hält. Die Gesetze und Veröffentlichungspflichten seien eingehalten worden. Unabhängige Experten hätten bestätigt, dass der Konzernvorstand bei der Akquisition rechtmäßig gehandelt habe.

Die „Desinformationsphase“ erstreckt sich nach TILP-Angaben über den Zeitraum von September 2016 bis März 2019. Im Mai 2016 wurde die Monsanto-Übernahme angekündigt.

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