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Holzdiebstahl und Schutzmaßnahmen

Holz-Diebstahl: Waldbesitzer sind oft machtlos – Was tun?

Holz verladen.
am Dienstag, 09.11.2021 - 11:25 (Jetzt kommentieren)

In Zeiten steigender Energiepreise wird mehr Holz geklaut. Die finanziellen Schäden für Waldbesitzer und Landwirte mit Bauernwald sind beträchtlich.

Insgesamt werden die Schäden durch Holzdiebstahl für ganz Deutschland auf mehrere Millionen Euro geschätzt. So hatte der Landforstbetrieb in Sachsen-Anhalt berichtet, dass jährlich allein in diesem Bundesland Schäden von 300.000 bis 500.000 Euro entstehen. Seit Jahren bewege sich die Zahl der Vorfälle zwischen 0,5 und zwei Prozent des Jahreseinschlags, die Tendenz sei jedoch steigend, sagt der Landesforstbetrieb.

Es komme leider oft vor, dass sich Holzdiebe im Wald zu schaffen machen, sagt auch Thomas Querfurth, Stadtförster in Rathenow vor einiger Zeit der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) in Brandenburg. „Viele Leute meinen, dass man sich das Holz einfach klein schneiden und mitnehmen kann, aber das ist falsch, man macht sich damit strafbar.“

Ihm seien immer wieder zwei Arten von Dieben aufgefallen, sagt der Förster. „Die einen klauen ganze Lkw-Ladungen Holz, die anderen sind Privatleute, die sich damit ihren heimischen Kamin befeuern.“

Taten bleiben lange unentdeckt – Schäden sind hoch

Holz.

Dabei werden die Holzdiebe immer dreister, hatte vor einiger Zeit das ZDF berichtet. Die Diebe fahren einfach in den Wald und laden ganze Anhänger voll. Es kommt sogar vor, dass sie ganze Bäume fällen und mitnehmen. Erwischt werden die Diebe aber nur selten.

Die Taten bleiben Tage oder Wochen unentdeckt. Der Grund: Wälder sind meistens große Flächen, die nicht so überschaubar sind und nicht regelmäßig kontrolliert werden. „Gelegenheit macht Diebe“, sagt auch Frank Wilke, Revierförster in Nennhausen gegenüber der MAZ. Es sei „ein latentes Problem“, dass Räuber im Wald ihr Unwesen treiben und sich den Pkw oder auch mal größere Anhänger mit Holz voll laden. Und auch er weiß: „Aufgrund der großen Waldflächen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Diebe auf frischer Tat ertappt werden, sehr gering.“

Das von den Waldbesitzern geschlagene Holz liegt zudem oft längere Zeit im Wald, bevor es abtransportiert wird. Und die Diebe fallen auch deshalb nicht auf, weil sie zunehmend mit Spezialausrüstung anrücken und ihre Taten nicht nur in Nacht- und Nebel-Aktionen durchführen.

Zufällige Beobachter halten das dann für einen ganz normalen Vorgang. Deshalb wird Holzdiebstahl häufig erst nach längerer Zeit entdeckt, etwa bei einer Routinekontrolle durch den Waldbesitzer oder einen Förster. Dann ist es jedoch fast unmöglich das gestohlene Holz wiederzufinden.

Aufspüren der Diebe mit GPS – und Telematik

Holz verladen.

In Zeiten steigender Energiepreise sind Waldbesitzer in wachsendem Umfang mit dieser Art von Kriminalität konfrontiert. Explodierende Energiepreise machen das Heizen mit Holz finanziell attraktiv – auch wenn Energie- und Brennholz ebenfalls teurer geworden ist. Um die Diebstähle zu verhindern, setzen die Landesforstbetriebe  verstärkt auf auf Mikrochips im Holz. Damit lässt sich der Weg des Holzes nachvollziehen und gestohlenes Holz kann später identifiziert werden.

Die Transponder sind sehr wirksam, aber auch sehr aufwendig. Der Vorteil: Falls die Stämme bewegt werden, erhält man sofort eine Alarmmeldung aufs Handy. Anschließend ist schnelles Handeln gefragt: Man sollte so schnell wie möglich die Polizei informieren.

Ein künftige Lösung könnte aber auch in technischen Systemen liegen, glauben manche Experten. Mit Hilfe sogenannter Telematiksysteme lässt sich beispielsweise exakt verfolgen, welcher Lastwagen wie viel Holz transportiert. Unregelmäßige Vorgänge während des Transports ließen sich dadurch auswerten, so das Ministerium. Solche Die Technik müsse allerdings flächendeckend zum Einsatz kommen, weil die Transportunternehmen häufig europaweit unterwegs seien. Zudem könne man nicht ausschließen, dass auch nicht beauftragte Firmen in den Wäldern unterwegs seien und Holz illegal abtransportierten.  

Auch im Privatwald sei Holzdiebstahl ein großes Problem, sagte etwa der stellvertretende Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes Sachsen Anhalt, Ehlert Natzke, gegenüber der Bildzeitung. Allein in seinem Bundesland gehe er von einer Größenordnung zwischen 10.000 und 20.000 Festmetern pro Jahr aus. Es werde aber keine genaue Statistik dazu geführt.

Holzdiebstahl ist ein Straftat – Gericht urteilt

Holz im Wald.

Fakt ist auch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Auch bei Sturmschäden oder  umherliegenden Holz, dürfen Privatpersonen das Holz nicht einfach mitnehmen. „Nein, das darf man nicht", sagt auch Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gegenüber NTV. "Das Holz gehört grundsätzlich dem Besitzer des Grundstücks, auf dem der Baum gestanden hat."

Das kann eine Privatperson sein, die Kommune, das Land oder der Bund. Wenn man ein paar abgefallene Zweige einsammelt, wird das zwar kaum Konsequenzen haben. Rechtlich handelt es sich dabei aber um Diebstahl. Wer einen gefallenen Baum zerkleinert und ins Auto packt oder einen massiven Ast wegzerrt, um damit den heimischen Kamin zu befeuern, muss mit einer Anzeige rechnen.

Für den Diebstahl von Brennholz aus einem Wald  im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist beispielsweise ein Mann zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden, berichtete die Hersfelder Zeitung. Der Wert des bei Nacht gestohlenen Holzes lag laut dem zuständigen Förster bei rund 30 Euro – das Urteil lautet 20 Tagessätze à 50 Euro. 20 Tagessätze entsprechen rund einem Drittel des Nettomonatsgehalts.

„Das begrüße ich ausdrücklich“, sagt der Leiter des Forstamtes Rotenburg dazu. „Das ist eben kein Kavaliersdelikt oder eine unbedeutende Ordnungswidrigkeit.“

Möglich war die Überführung des Diebes, weil das Holz mit einem GPS-Sender ausgestattet war. Holzdiebstähle nehmen immer dann zu, wenn das Holz teurer wird, sagte der Hessenforst-Sprecher André Schulenberg. In Hessen würden mehrere tausend Kubikmeter pro Jahr gestohlen, was einen finanziellen Schaden im mittleren sechsstelligen Bereich verursache.

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