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Recht

Kennzahl 2 bei Antibiotika überschritten: Das können sie tun

von , am
24.07.2015

Mastbetriebe müssen ihre Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit mit Antibiotika mit den bundesweiten Zahlen vergleichen. Liegt die Therapiehäufigkeit über der Kennzahl 2, muss der Betrieb einen Plan erstellen.

Was ist den Deutschen ihr Schwein wert? Dieser Frage wird auch beim Veredlungstag in Essenbach nachgegangen werden. © Mühlhausen/landpixel
Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind Mastbetriebe verpflichtet, ihre betriebliche Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit mit Antibiotika mit den bundesweiten Therapiehäufigkeitszahlen zu vergleichen. Das BVL veröffentlichte im März zum ersten Mal die bundesweiten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit. Die Zahlen werden halbjährlich veröffentlicht für:

  • Mastkälber
  • Mastrinder
  • Ferkel
  • Mastschweine
  • Masthühner
  • und Mastputen.
Kennzahl 1 ist der Median, also der mittlere Wert, zwischen den 50 Prozent Betrieben mit geringerer und den 50 Prozent Betrieben mit einer höheren Therapiehäufigkeit. Die Betriebe der höheren Gruppe müssen danach prüfen, ob sie eine Verbesserung erreichen können.
 
Kennzahl 2 ist ein Schwellenwert zwischen den 75 Prozent Betrieben mit geringerer und den 25 Prozent Betrieben mit höherer Therapiehäufigkeit. Die Betriebe, die über diesem Wert liegen, müssen innerhalb von zwei Monaten mit dem Tierarzt einen Maßnahmenplan erarbeiten und bei den Behörden einreichen. Bei der nächsten Berechnung (im nächsten Halbjahr) müssen sie zu einem geringeren Wert gelangen.
 

Tierhalter müssen halbjährlich Daten melden

Betriebe, deren betriebsindividuelle Kennzahl einen Wert überschreitet, unter dem 75 Prozent aller erfassten halbjährlichen betrieblichen Therapiehäufigkeiten liegen, müssen dem BVL zufolge Maßnahmen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes  ergreifen. 
 
Laut Arzneimittelgesetz müssen Tierhalter seit letztem Jahr halbjährlich bei der Überwachungsbehörde
  • die Bezeichnung der verwendeten Antibiotika
  • Anzahl und Art der gehaltenen und behandelten Masttiere
  • Anzahl der Behandlungstage
  • sowie die gesamte angewendete Menge von Antibiotika melden.
Landwirte melden die Daten an das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere. Aus diesen Meldungen wird über eine Formel die Anzahl behandelter Tiere multipliziert mit der Anzahl Behandlungstage. Dies wird durch die durchschnittliche Anzahl gehaltener Tiere pro Halbjahr dividiert. Auf diese Weise wird der betriebsindividuelle halbjährliche Therapiehäufigkeitsindex ermittelt.

Betriebskennzahlen werden verglichen

Laut Arzneimittelgesetze ist der Tierhalter verpflichtet, seine betriebsindividuelle Kennzahl, die ihm von seiner Überwachungsbehörde mitgeteilt wurde, mit den  bundesweiten Kennzahlen zu vergleichen.
 
Die Werte zur Therapiehäufigkeit, die dieses Jahr im März vom BVL im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden finden Sie hier ...

Maßnahmenpläne bis zum 31. Juli vorlegen

Sollte der Tierhalter mit seiner ursprunglich berechneten Therapiehäufigkeit über der Kennzahl 2 liegen, soll er einen Maßnahmenplan erstellen. Dieser ist nur bis zum Kapitel "Gründe für die Überschreitung der Kennzahl 2" auszufüllen.
 
Tierhalter, die bei den Antibiotikagaben die Kennzahl 2 überschreiten, müssen dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge (LAVES) bis zum 31. Juli Maßnahmenpläne vorlegen, wie sie den Antibiotikaeinsatz verringern werden.
 
Als Gründe für die Überschreitung der Kennzahl 2 sollen Landwirte darstellen, welche Fehleingaben vorliegen, wie es dazu kam, und wie diese zukünftig verhindert werden sollen. Für Betriebe, die im zweiten Kalenderhalbjahr 2014 die Kennzahl 2 überschritten haben, soll der Plan spätestens bis zum 31.Juli 2015 LAVES erreichen. 
 
Der Maßnahmenplan umfasst:
  • Angaben zum Betrieb
  • Gründe für die Überschreitung der Kennzahl 2
  • Ergebnis der tierärztlichen Beratungen
  • Beabsichtigte Maßnahmen zur Verringerung des Antibiotikaeinsatzes
  • Zeitplan

Maßnahmen konkret beschreiben

Landwirte sollten die Maßnahmen so konkret wie möglich beschreiben - zum Beispiel bei Impfungen das Impfschema anzugeben. Bei Optimierung der Wasserversorgung ist das geplante Vorgehen zu beschreiben. Auch der Zeitraum zur Umsetzung jeder einzelnen Maßnahme soll angeben  werden.

Das sollen sie tun, wenn die Therapiehäufigkeit nicht zutrifft

Die Berechnung der Therapiehäufigkeit läuft automatisiert ab und basiert auf den vom Tierhalter oder Dritten eingegebenen Daten. Trifft die berechnete betriebliche Therapiehäufigkeit nicht zu, soll der Tierhalter die Ursache klären. Die korrekten Daten werden dann im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HI-Tier) korrigiert.
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