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Erneuerbare Energien

Kleine Photovoltaikanlagen: Diese Steuerhindernisse sind zu überwinden

Um die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung bei den erneuerbaren Energien zu erreichen, müssen aus Sicht des Deutschen Steuerberaterverbands für Privathaushalte, die sich kleine Photovoltaikanlagen anschaffen wollen, Hürden abgebaut werden.
am Dienstag, 16.08.2022 - 13:32 (Jetzt kommentieren)

Obwohl beim Ausbau der Erneuerbaren die Zeit knapp wird, stoßen Privathaushalte bei der Installation kleiner Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern auf steuerliche Hindernisse. Welche das im Moment noch sind, erklärt der Deutsche Steuerberaterverband.

Durch die Stromerzeugung für den Eigenbedarf über kleine Photovoltaikanlagen tragen Privathaushalte zur Energiewende bei. Allerdings könnten sie noch eine wichtigere Rolle spielen, denn nicht jeder Haushalt will sich den bürokratischen Herausforderungen stellen.

Der Deutsche Steuerberaterverband hat sich deshalb in einem Schreiben an den Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) gewandt. Darin erklärt der Verband, wo steuerlich noch Verbesserungspotenzial liegt.

Liebhaberei für kleine Photovoltaikanlagen bis 30 kW/kWp

Logo des Deutschen Steuerberaterverbands

Zum einen will der Deutsche Steuerberaterverband die im letzten Jahr von Christian Lindner durchgesetzte Anerkennung kleiner Photovoltaikanlagen als Liebhaberei ausweiten. Seit letztem Jahr fallen Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 10 kW/kWp auf Antrag aus der Ertragsteuer. Durch eine Anhebung dieser Leistungsgrenze auf 30 kW/kWp will der Verband den Fall der Liebhaberei für mehr Privathaushalte möglich machen.

Aktuell führe die Grenze von 10 kW/kWp dazu, dass über eine größere Photovoltaikanlage gar nicht erst nachgedacht werde. Um die Erstellung einer Einnahmenüberschussrechnung zu vermeiden, orientierten sich die interessierten Haushalte an dieser Vorgabe. Die bereits von ihm in Erwägung gezogene weitere Anhebung der Leistungsgrenze solle der Bundesfinanzminister deshalb umsetzen und dabei Bürokratie vermeiden.

Auch die Gewerbesteuer stelle für Anlagen über 10 kW/kWp noch ein Hindernis dar. Wenn ohne die Behandlung als Liebhaberei der Tatbestand eines stehenden Gewerbebetriebs erfüllt werde, erfordere das automatisch eine Mitgliedschaft in den Industrie- und Handelskammern und es falle Gewerbesteuer an. Im Einklang mit der Ertragsteuer fordert der Verband für die Gewerbesteuer ebenfalls eine Leistungsgrenze von 30 kW/kWp.

Darüber hinaus solle der Bund klarstellen, dass Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen ohne weitere gewerbliche Einkünfte auch keine Gewerbesteuererklärung abgeben müssten.

Anschaffung kleiner PV-Anlagen erleichtern

In Deutschland unterliegt die Anschaffung kleiner Photovoltaikanlagen der umsatzsteuerlichen Regelbesteuerung von 19 Prozent. Die Anschaffung wäre noch attraktiver, wenn die Anschaffungskosten durch Sinken oder Abschaffen des Umsatzsteuersatzes sinken würden, so der Verband. So würden zusätzliche Kaufanreize gesetzt und bürokratische Hürden abgebaut. Denn wegen der entfallenden Vorsteuerabzugsmöglichkeit müssten sich die Haushalte direkt für die Besteuerung nach der Kleinunternehmerregelung entscheiden und könnten dadurch von geringeren Nachweispflichten profitieren.

Nach EU-Recht sei nach Angaben der Steuerberater ein ermäßigter Steuersatz von unter 5 Prozent oder die Steuerbefreiung mit Recht auf Vorsteuerabzug möglich.

Umsatzsteuererklärung für kleine PV-Anlagen abschaffen

Die Umsatzsteuerjahreserklärung will der Steuerberaterverband für Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen abschaffen. Deutschland solle sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass Privathaushalte mit nur geringen Einnahmen aus der Stromerzeugung auf die Umsatzsteuererklärung sowie auf die Ermittlungs- und Aufzeichnungspflichten verzichten können.

Um die komplizierte Änderung der europäischen Mehrwertsteuersystemrichtlinie zu überbrücken, schlägt der Verband vor, dass solange die Kleinunternehmerregelung für Anlagenbetreiber mit nur geringen Umsätzen gelten kann. Der jährliche Nachweis darüber, dass die Umsatzgrenzen eingehalten wurden, entfalle auf diese Weise.

Aus Sicht des Steuerberaterverbands bestehe wegen der aktuellen Einspeisevergütung keine Gefahr, dass die Privathaushalte die Umsatzgrenzen von 22.000 Euro im Vorjahr und 50.000 Euro im laufenden Jahr sprengen. Eine durchschnittliche Anlage mit einer Leistung von 10 kWp erzeuge etwa 10.000 kWh. Die Einspeisevergütung von 6,23 Cent pro kWh ergibt dann Einnahmen von 623 Euro, die deutlich unter den Umsatzgrenzen liegen, so der Verband.

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