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Wolfmanagement

Land haftet nicht für alle Folgen von Wolfsangriffen

Wolf mit gerissenem Schaf
am Sonntag, 10.01.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Nach einem Wolfsangriff muss das Land einem Schäfer nicht alle Schäden ersetzen, so ein Urteil aus Schleswig-Holstein.

In der Regel werden Schäfern die Schäden für von Wölfen gerissene Schafe ersetzt. Das Land muss aber nicht für alle Folgen eines Wolfangriffes haften. Das hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht entschieden (AZ: 11 U 61/20).

Kommt es nach einer Wolfsattacke zu Fehlgeburten bei trächtigen Schafen, haben die Schafhalter keinen Anspruch auf Schadensersatz. Die Bundesländer sind auch nicht verpflichtet, Wölfe von Schafzuchtgebieten fernzuhalten.

Der fragliche Wolf war ein Serientäter

Wie das Rechtsportal anwaltauskunft.de erläuterte, haben im vorliegenden Fall landwirtschaftliche Schafhalter und -züchter gegen das Land geklagt. Im Spätherbst 2018 hatte ein Wolf mehrfach eine Schafherde der Kläger angegriffen. Insgesamt wurden zwölf Schafe gerissen. Bei 140 weiteren trächtigen Schafen soll es durch die Wolfsangriffe zum Verlammen gekommen sein.

Ende November 2018 überwand derselbe Wolf bei einem anderen Schafhalter eine als wolfsicher eingestufte Einzäunung. Daraufhin erteilte das Land Schleswig-Holstein im Januar 2019 eine Genehmigung zum Abschuss des Wolfes. Dazu kam es aber nicht mehr, weil das Tier im Januar 2020 in Niedersachsen überfahren wurde.

Kläger verlangen absoluten Schutz ihrer Schafherden

Für die gerissenen Schafe bekamen die Kläger Zuwendungen nach der sogenannten Wolfsrichtlinie. Die Kläger verlangten darüber hinaus aber Schadensersatz wegen der Aborte von 140 trächtigen Schafen.

Außerdem verlangten sie die Feststellung, dass das beklagte Land zum Ersatz von Schäden durch Wolfsangriffe auf ihre Herden verpflichtet ist. Das Land müsse einen absoluten Schutz vor Übergriffen durch Wölfe in Schafherden sicherstellen. Dafür müsse das Land entsprechende Maßnahmen ergreifen, beispielsweise einen Zaun an der dänischen Grenze errichten. Ein Eindringen von Wölfen nach Schleswig-Holstein sei zu unterbinden, und Wölfe seien sofort einzufangen.

Kein Anspruch auf wolffreie Gebiete

Die Klage der Schäfer blieb jedoch erfolglos. Neben dem Schadensersatz für die gerissenen Schafe haben sie keine weiteren Ansprüche gegen das Land, entschied das Gericht in Schleswig. Das Land habe keine Pflichten verletzt. Es gebe kein Gesetz, wonach das Land Schleswig-Holstein verpflichtet sei, die Anwesenheit von Wölfen in Schafzuchtgebieten zu verhindern.

Auch habe das Land die nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorgesehene Genehmigung zum Abschuss des Wolfes erteilt, nachdem der Wolf die als wolfsicher geltenden Schutzmaßnahmen überwunden hatte.

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