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Versicherungsfall

Lies verdammt noch mal die Bedienungsanleitung!

Bedienung Seilwinde
am Dienstag, 27.10.2020 - 09:15 (Jetzt kommentieren)

Ein Unfall bei der Waldarbeit zeigt: Wer mit einer Seilwinde arbeitet, sollte unbedingt die Herstellerangabe beachten. So mahnt aktuell die SVLFG: Read the fucking manual!

Der Fall

Einsatz im Wald. Beim Aufräumen einer Windwurffläche kommt die Seilwinde zum Einsatz. Der Bediener des Geräts will das Seil freilegen, das sich um einen Wurzelstock geschlagen hatte. Er entspannt es mit der Funkfernbedienung und steckt diese  dann - leider - in die Hosentasche. Er fasst ans Seil, um es freizulegen. Beim Bücken schaltet der Druckknopf in der Hosentasche auf aktiv: Einziehen! Die Seilwinde beginnt zu arbeiten, das Seil spannt sich. Die Finger zwischen Seil und Wurzelstock werden gequetscht.

Ein Waldnachbar hört die Hilferufe und eilt herbei. Er holt die Fernbedienung aus der Hosentasche des Verletzten und setzt sie auf: Lösen!

Ergebnis:

Mehrere Finger gebrochen, Fingerkuppen werden amputiert.

Der Rechtsstreit

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) berichtet über den nun folgenden Rechtsstreit. Der Kläger/Verletzte ist der Meinung: Funkfernbedienungen dürfen nicht unbeabsichtigt den Befehl zum Einziehen geben. Der Hersteller ist der Meinung: Die Fernbedienung (mit Druckknöpfen) gehört nicht in die Hosentasche. Das steht auch ausdrücklich in der Bedienungsanleitung.

Das Kleingedruckte

In Punkt 1.2.2. "Stellteile" schließt der Anhang I der Maschinenrichtlinie "Anforderungen an die Sicherheit und den Gesundheitsschutz von Maschinen" die mögliche Fehlbedienung von Stellteilen kategorisch aus. Hierzu gehören auch Druckknöpfe. Und hierzu gehören auch Druckknöpfe an Fernbedienungen, die aufgrund ihrer Größe in der Hosentasche Platz haben.

Der Tipp

Die SVLFG weist darauf hin: Bedienpersonen müssen Betriebsanweisungen lesen und beachten. Hersteller müssen den Anhang I der Maschinenrichtlinie in Gänze einhalten und umsetzen.

Wenn beide Hersteller/Händler und Betreiber alles richtig machen, passieren keine Unfälle. 

Unfallgefahr Wald

2019 verzeichnete die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft mehr als 30 Tote bei der Waldarbeit, berichtet die SVLFG. Die hohe Zahl der tödlichen Unfälle ist alarmierend. Drei Viertel dieser Unfälle ereigneten sich bei Fällarbeiten. Schadholz stellt dabei eine besondere Gefahr dar.

Zwar hat es schon immer Baumerkrankungen mit hohem Schadholzanteil gegeben. Die Besonderheit der derzeitigen Situation ist jedoch, dass europaweit praktisch alle Hauptbaumarten betroffen sind. Befallene Bäume haben ein hohes Gefahrenpotenzial durch Totholz in der Krone, das sich schon bei leichter Erschütterung lösen und zu schwersten Unfällen führen kann. Besonders problematisch sind Buchen. Im belaubten Zustand sind Trockenschäden zwar relativ gut erkennbar, jedoch ist eine sichere Baumansprache derzeit nach dem Laubabfall faktisch nicht mehr möglich.

Mit Material von SVLFG

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