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Bildung

MRSA-Keime: Verbraucher geben Tierhaltung die Schuld

© Mühlhausen/landpixel
von , am
26.01.2015

Die Mehrheit der Deutschen macht laut BfR-Umfrage Antibiotikagaben in der Nutztierhaltung für Resistenzbildungen verantwortlich. Das Keime auch im eigenen Haushalt auftreten halten nur wenige für möglich.

Rund 1.619 Tonnen Antibiotika wurden 2012 an Tierärzte in Deutschland abgegeben. © Michael Tieck/fotolia.de
Die Problematik der Antibiotikaresistenzen hat für die Verbraucher in Deutschland eine hohe Priorität, doch nicht immer decken sich die Risikoeinschätzungen der Bevölkerung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Demnach gaben 82 Prozent (%) der Befragten an, bereits von Antibiotikaresistenzen gehört zu haben.
 
 
 
Fast zwei Drittel zeigten sich angesichts der Problematik beunruhigt. Als Ursache für die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen nannte eine Mehrheit von 53 % der Teilnehmer den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung als Grund.

Antibiotikaeinsatz muss auch in der Humanmedizin reduziert werden

Lediglich ein Viertel sah die Humanmedizin als Quelle. "Antibiotikaresistenzen betreffen aber die Humanmedizin ebenso wie die Tiermedizin und die Landwirtschaft. Die Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden", stellte BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel klar. Ziel müsse sein, den Antibiotikaeinsatz sowohl in der Klinik und der Allgemeinbevölkerung als auch in der Tierhaltung auf das therapeutisch unbedingt notwendige Maß zu beschränken.

MRSA aus der Nutztierpopulation spielen bei Menschen untergeordnete Rolle

Nach Angaben des Bundesinstituts ist die Bedeutung der Antibiotikaresistenzen, die in den Tierställen auftreten, für die Resistenzen in der Humanmedizin, je nach Keim unterschiedlich zu werten. Beispielsweise spielten Methicillin resistente Staphylococcus aureus (MRSA) aus der Nutztierpopulation nur eine untergeordnete Rolle als Erreger schwer behandelbarer Infektionen beim Menschen. Größer als bei MRSA sei das von Human- und Veterinärmedizin geteilte Resistenzproblem durch Bakterien, die die Enzyme Exten- ded Spectrum-ß-Lactamase (ESBL) bildeten.

Verbrauchen glauben nicht an Keime in den eigenen vier Wänden

Größeren Aufklärungsbedarf zum Schutz der Verbraucher sieht Hensel auch, "weil krankmachende Bakterien seitens der Bevölkerung generell weniger im eigenen Haushalt, sondern im öffentlichen Raum und in Krankenhäusern sowie in Tierställen vermutet werden". Der BfR-Umfrage zufolge hält es nur eine Minderheit von knapp 20 % für wahrscheinlich, im eigenen Haushalt mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen. Ein Großteil der Befragten erwarte somit auch keine resistenten Bakterien in den eigenen vier Wänden. Deutlich wahrscheinlicher sei es für 59 % der Bevölkerung, in der Öffentlichkeit  wie dem öffentlichen Personenverkehr - mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen.
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