Login
Bildung

Pflanzenschutz in der Sackgasse?

© Werkbild
von , am
07.06.2014

Berlin - Novellierung der Düngeverordnung und die Auswirkungen der aktuellen europäischen Gesetzgebungsverfahren im Pflanzenschutz dazu äußerten sich Experten auf der DBV-Ackerbautagung.

Die Deutschen sollen ihre Ammoniak-Emmissionen reduzieren. © landpixel
 "Ackerbau vor Herausforderungen" - unter die Titel veranstaltete der Deutsche Bauernverband (DBV) am 4. und 5. Juni die zweite Ackerbautagung. Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Düngung waren die beherrschenden Themen der zweitätigen Veranstaltung in Berlin. Es ging sowohl um Alternativen beim Wegfall der Sortenzulassung, die Novellierung der Düngeverordnung als auch um das gesellschaftlich immer mehr in den Fokus rückende Thema Pflanzenschutz. Hier galt ein wichtiger Aspekt den Problemen mit dem aktuellen europäischen Gesetzgebungsverfahren.

'Regulierung ohne Augenmaß'

Zu Pflanzenschutz und Düngung referierte Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverband Agrar. Er beschrieb die derzeitige gesellschaftliche Debatte um den Pflanzenschutz und die Auswirkungen der aktuellen europäischen Gesetzgebungsverfahren im Pflanzenschutz. Die Realität sehe seiner Meinung nach so aus, dass weniger Harmonisierung herrscht, als angedacht, und dass es einen hohen Verlust von Zulassungen geben wird. Zudem finde seiner Meinung nach Regulierung ohne Augenmaß mit ungeeigneten Maßnahmen wie vergleichende Bewertung und Substitution statt.
 
Die "Cut Off"-Kriterien würden dazu führen, dass wichtige Ackerbaukulturen zukünftig kaum noch behandelt werden können. Insgesamt, so schlussfolgert Koch-Achelpöhler, wächst der Druck auf die Landwirtschaft weiter. Ab 2017 droht seinen Worten nach ein Verlust von Wirkstoffen in allen Segmenten, bestimmte Krankheiten in wichtigen Kulturen könnten nicht mehr bekämpfbar sein. Die Pilzbekämpfung werde schwieriger, die Insektenbekämpfung sei seiner Ansicht nach nahezu unmöglich. Die Bürokratie sei eine zusätzliche Belastung für Industrie und Landwirtschaft und fehlende Planungssicherheit sorgt für Unsicherheit.

Novelle der Düngeverordnung

Im Anschluss wendete sich die Tagung der Novellierung der Düngeverordnung zu. Dr. Hermann Stürmer vom Referat Pflanzenbau des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) sprach in seinem Vortrag mehrere Punkte an, die zu Kontroversen mit den EU-Kommissionsvorstellungen führten.
 
Zum Punkt Sperrzeiten erklärte er: Die EU fordert ein Ausbringungsverbot von vier Monaten für Acker- und Grünland. Das versucht die BMEL-Arbeitsgruppe zu umgehen. Auch bei Ausbringung von Dünger auf stark geneigten Flächen gingen nach Aussage des Referenten die Vorstellungen von Kommission und deutschen Verantwortlichen weit auseinander. Keine Veränderungen gebe es zu den Vorgaben zu Ausbringung auf wassergesättigte, schneebedeckte, gefrorene Böden. Hingegen für Vorgaben zur Einarbeitung sei mit Änderungen zu rechnen. Einen Termin für das Inkrafttreten der Novelle nannte Stürmer nicht, er hoffe aber, dass der Zeitplan bis Ende dieses Jahres einzuhalten ist.

Wegfall der Sortenprüfungen

Dr. Kay Roether von der Sortenförderungsgesellschaft SFG mbH beschrieb Alternativen für einen Wegfall der Sortenprüfungen, wie sie in anderen Ländern üblich sind. Darunter das Beispiel des amerikanischen Zulassungssystems. Hier werden Sorten ohne Wertprüfung zugelassen. Einen offiziellen Vergleichsanbau gebe es nicht. Eine Sorte ist mithin genauso erfolgreich wie ihr Werbeetat groß ist, berichtete der Referent.

Vegetationsreport: Ährenmaßnahme im Weizen

Auch interessant