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Offener Brief an BVL und Schmidt

PSM/Ferntransport: Biofirmen sehen 'dringenden Handlungsbedarf'

Eva Ziegler/agrarheute
am
07.06.2016

Weleda, Herbaria, Salus und Sonnentor fordern Schutz vor weit verfrachteten Pflanzenschutzmitteln. Aktuell könne Ware nicht oder nicht wie geplant vermarktet werden.

Via Ferntransport verunreinigt: Betriebe müssen Schaden selbst schultern

Ein Bündnis von namhaften Unternehmen aus der Bio-Branche (Weleda, Herbaria, Salus, Sonnentor) wendet sich in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Sie fordern darin "wirksame Sofortmaßnahmen" gegen den Ferntransport der Herbizid-Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb, die von den Herstellern ADAMA, BASF und Syngenta vertrieben werden. Die beiden Wirkstoffe würden über weite Strecken verfrachtet und die Ernten von Bio-Bauern und konventionellen Landwirten verunreinigen, die diese selbst nicht ausbringen.

Dadurch könnten Waren nicht mehr wie geplant oder gar nicht vermarktet werden. Da beim Ferntransport von Pflanzenschutzmitteln kein Verursacher zu ermitteln ist, müssten die Betriebe den Schaden selbst schultern, kritisieren die Unternehmen.

Untersuchung: Pendimethalin und Prosulfocarb 'systematisch thermisch' verfrachtet

Die Unternehmen nehmen in ihrem offenen Brief Bezug auf eine Untersuchung im Auftrag des Landesamtes für Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg, bei der eine "weiträumige thermische Verfrachtung der Herbizid-Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb systematisch" nachgewiesen werden konnte.

In bestimmten Kulturen wie Grünkohl, Dill, Petersilie und Körnerfenchel komme es regelmäßig zu hohen Belastungen mit diesen beiden Wirkstoffen, die über dem Grenzwert der Diätverordnung für Babynahrung liegen (maximal 0,01 mg/kg für jeden Wirkstoff). Davon seien nicht nur ökologische landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturen, sondern auch konventionelle Kräuter- und Arzneipflanzen betroffen.

Spezialkulturen nicht über alternative Absatzwege vermarktbar

Die Biounternehmen sehen durch den Ferntransport von Pflanzenschutzmitteln ihre Existenz gefährdet. Sie könnten vertragliche Vereinbarungen aufgrund von Grenzwertüberschreitungen nicht erfüllen. Da es sich meist um Spezialkulturen handelt, seien diese auch nicht mehr über andere Absatzwege (beispielsweise konventionell) vermarktbar.

Die Schäden lägen pro Erzeugerbetrieb bei bis zu 100.000 Euro. Deutsche Erzeuger würden deswegen bereits aus der Produktion bestimmter Kulturen wie Körnerfenchel oder Dill aussteigen.

Neubewertung von Pendimethalin steht an

Die Unternehmen wollen von BVL und BMEL wissen, wie die Erkenntnisse zu Fernverfrachtungen auf europäischer Ebene bei der anstehenden Neubewertung des Wirkstoffes Pendimethalin einbezogen werden. Insbesondere fragen sie, ob bezüglich der Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb:

  • eine Anwendung in Flächenkulturen wie Getreide verboten wird, wenn alternative Herbizide mit geringerer Neigung zum Ferntransport zur Verfügung stehen
  • eine Kapselformulierung den Zulassungsinhabern vorgeschrieben wird. Sollte diese Frage bejaht werden, ab wann wird diese Vorgabe gelten.
  • weitergehende Anwendungsbestimmungen erlassen werden , um die Abdrift zu vermindern.

Außerdem wollen die Biofirmen wissen, welche Anwendungsbestimmungen geplant sind.

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