Login
Recht

QS-Prüfsystem zieht Konsequenzen aus Dioxinfunden

von , am
09.02.2011

Bonn - Der Dioxin-Skandal wird Folgen haben: Das QS-Prüfsystem verschärft die Anforderungen an die Futtermittelwirtschaft.

Erstmals müssen sich Manager eines Futtermittelherstellers im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal vor zwei Jahren vor Gericht verantworten. © Mühlhausen/landpixel
Das private Qualitätssicherungssystem mit Sitz in Bonn zieht damit Konsequenzen aus dem jüngsten Dioxin-Skandal, den Mischfettsäuren aus dem QS-geprüften Unternehmen Harles und Jentzsch ausgelöst hatten.
Zum 1. März 2011 verbietet das QS-System den teilnehmenden Betrieben die Verarbeitung von Sekundär- und Recyclingfetten sowie Sammelfetten. Futtermittelhersteller müssen die Warenströme zwischen Futtermitteln und anderen Materialien trennen. Die Kontrollen werden intensiviert.
Ab dem 1. Juli 2011 dürfen nur noch Mischfette, Fettsäuren und Mischfettsäuren eingesetzt werden, die auf ihre Unbedenklichkeit hin untersucht worden sind. Mischfette und Fettsäuren für Lebens- und Futtermittel dürfen nur in Anlagen hergestellt, verarbeitet oder gelagert werden, in denen ausschließlich Lebens- und Futtermittel hergestellt werden. Waren für die industrielle Verwendung dürfen in diesen Anlagen nicht verarbeitet werden.

landlive-Debatte: Hat QS versagt?

Auch auf landlive.de hat die Tatsache, dass Harles und Jentzsch eine QS-geprüftes Unternehmen war, für Debatten gesorgt. Campesino eröffnete den Thread "Dioxin - Hat QS versagt" und schreibt: "Es ist einfach, Bauern sehr scharf zu kontrollieren. Eine Flasche eines abgelaufenen Vitamin E Präparats im Schrank - ein ko (Blattschuss). Mischfutterhersteller werden noch schärfer kontrolliert. Sowie so gut. Was nützt alles, wenn vermutlich eine einzige Person bei der Fettherstellung so ein Fiasko verursachen kann?? Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben!"
Auch landlive-User Notil fordert Konsequenzen und beschwerte sich kürzlich: "Was ich nicht begreife, wie es Die Futtermittelfirmen geschafft haben, dass diese ganze Diskussion an ihnen vorbei geht... Wir Landwirte sind deutlich stärker in der Kritik als diese Firmen..." Außerdem schreibt er: "Eine Positivliste wie von den linken Parteien gefordert halt ich nicht für Zweckmäßig, da Futterfett ja wieder draufstehen müsste und Industriefette auch bisher nicht verwendet werden durften. Das Problem ist die Deklaration, wenn ein Hersteller beides darf... Wenn er allerdings als Futtermittelbetrieb Registriert ist, und seine Kontrollen sauber gemacht werden, wäre für mich auch das vorstellbar. Was wir aber bei der ganzen Sache nicht vergessen dürfen!

Maßnahmen im Überblick

Ab dem 1. März 2011 gelten folgende, zusätzliche Anforderungen im QS-System:
  • Für Futterfette wird ein spezieller Kontrollplan eingeführt, der besonders Dioxin im Fokus hat.
  • Alle Futtermittelunternehmer müssen die Warenströme für Futtermittel und anderes Material in ihren Produktionsanlagen strikt trennen.
  • Sekundär- und Recyclingfette sowie Sammelfette (z.B. Altspeisefette) dürfen im QS-System nicht verarbeitet werden.
  • Mischfette/-öle und Mischfettsäuren dürfen nur in Anlagen be- und ver-arbeitet werden, in denen ausschließlich Lebens- und Futtermittel hergestellt werden. Stoffe, die nicht für den Lebens- und Futtermittelbe-reich bestimmt oder tauglich sind, dürfen nicht in denselben Anlagen verarbeitet werden.
  • Innerbetrieblich müssen sämtliche Informationen zur Rückverfolgbarkeit innerhalb von vier Stunden verfügbar sein. Außerdem müssen die Informationen zur Rückverfolgbarkeit elektronisch aufbereitet und übermittelt werden.
Zum 1. Juli 2011 tritt zusätzlich folgende Änderung in Kraft:
  • Hersteller von Mischfetten und -ölen, die Fettsäuren und Mischfettsäuren verarbeiten, dürfen ihre Waren nur in den Verkehr bringen, wenn die Unbedenklichkeit hinsichtlich gesundheitsrelevanter Parameter durch Untersuchungsergebnisse nachgewiesen ist. Das bedeutet, dass diese speziellen Futtermittel vor ihrer Verwendung freigeprobt werden müssen, unter anderem auf Dioxine, Schwermetalle und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Verschärfte Sanktionsmöglichkeiten

Das QS-System beschloss auch eine Verschärfung der Sanktionsmöglichkeiten. Futtermittelbetriebe können künftig bei schwerwiegenden Verstößen sofort für bis zu vier Wochen gesperrt werden. Einsprüche gegen Sanktionsentscheidungen werden erstmals auf 30 Tage befristet. QS-Systempartner müssen außerdem künftig in der Lage sein, alle relevanten Informationen zur Rückverfolgbarkeit innerhalb von vier Stunden elektronisch aufbereitet an QS zu übermitteln.
Im Mai 2011 will ein Fachbeirat des Qualitätssicherungssystems über weitere Anpassungen entscheiden:
  • Optimierung der Rückverfolgbarkeit durch Zuordnung der Futtermittellieferungen zu VVVO-Nummern der landwirtschaftlichen Betriebe,
  • risikoorientierte Betrachtung weiterer kritischer Prozesse und Produkte einschließlich der Prüfung der jeweiligen Kontrollpläne,
  • unabhängige Probenahme sowie
  • Optimierung der Auditqualität.zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit, der risikoorientierten Prozessbewertung, zur Probennahme und Auditqualität. (pd/ez/aiz)
Möchten Sie mitdiskutieren? Hier gehts es zum QS-Thread auf landlive.de. zum Thread ...
Auch interessant