Login
Recht

Ratgeber: So klappt die Betriebsübergabe

© landpixel
von , am
15.01.2015

Jeder Landwirt, der in einer familiären Struktur wirtschaftet ist früher oder später mit dem Thema Hofübergabe konfrontiert. Worauf man bei der Übergabe achten sollte, erklärten Experten auf der DLG Wintertagung.

Insgesamt 17 Milliarden Euro bekommt Deutschland aus öffentlichen Mitteln in den Jahren 2014 bis 2020 für die Förderung der ländlichen Entwicklung. © Gina Sander/fotolia.de
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat auf ihrer Wintertagung in Berlin ein neues Merkblatt zum Thema Hofübergabe vorgestellt. Die Arbeitsgruppe Agrarrecht der DLG hat in Form einer Checkliste, die wichtigsten Vorüberlegungen für eine erfolgreiche Hofübergabe zusammengestellt. Folgende Fragen sollte sich jeder Landwirt vor einer Übergabe bzw. Übernahme stellen.
 
 

1. Wie ist die familiäre Ausgangssituation?

Bei der Vorbereitung der Betriebsübergabe ist es wichtig, sich und dem Berater einen Überblick über die familiären Verhältnisse zu verschaffen. Nur so können die unterschiedlichen Anforderungen der Familienmitglieder berücksichtigt werden. Hilfreich ist es dabei ein Stammbaum der Familie mit den persönlichen Daten aufzustellen. Zudem sollte der Güterstand des Übergebers und des Übernehmers aufgeschlüsselt werden. Bestehende Verfügungen wie Testament, Erbvertrag und so weiter müssen berücksichtigt werden.

2. Wie ist die betriebliche Ausgangssituation?

Die Aufarbeitung der betrieblichen Ausgangssituation dient dazu, sämtliche betrieblich relevante Unternehmensbestandteile zu erfassen und einer ersten Bewertung zu unterziehen, heißt es in dem Merkblatt der DLG. Wichtig sind hier zum Beispiel die Rechtsform des Betriebes und der Nebenbetriebe, Betriebsvorrichtungen, nicht bilanziertes Vermögen, Feldinventar aber auch Verbindlichkeiten, Pachtverträge und die Agrarförderung.

3. Wie ist die rechtliche Ausgangssituation?

Die rechtliche Ausgangssituation zeigt den formalen Handlungsbedarf für einen Generationswechsel auf. Hier schränken vor allem die steuerlichen Vorgaben die Gestaltungsmöglichkeiten ein.

4. Wie ist die Zielvorstellung der Familie und der Unternehmer?

So verschieden wie die Familienmitglieder sind, so verschieden sind auch die Erwartungen jedes Einzelnen. Hier rät Cort Brinkmann, Berater und Landwirt von der LBB Göttingen, über alles wertschätzend miteinander zu sprechen. Die weichenden Erben und die Ehepartner sind unbedingt mit einzubinden. Auch die Versorgung des Altenteilers und des Ehepartners sollte offen besprochen werden. Am Ende darf es keine Verlierer geben.

5. Wie soll der übertragende Betrieb in Zukunft aussehen?

Die Vorstellungen des Übernehmenden müssen nicht immer mit der aktuellen Struktur des Betriebes übereinstimmen. Deshalb sollte beim Generationswechsel überlegt werden, ob der Betrieb an die Marktverhältnisse angepasst werden muss, oder bestehen bleibt wie bisher. Ein Tipp der Experten lautete: "Wer die Verantwortung abgibt, sollte nicht das letzte Wort haben."

6. Wer berät bei der Hofübergabe?

Für die erfolgreiche Betriebsübergabe ist ein Steuerberater zwingend notwendig. Auch ein Unternehmensberater sollte hinzugezogen werden. Laut DLG ist es sinnvoll einen Berater als Projektleiter einzusetzen, damit sämtliche Informationen gebündelt werden. Außerdem empfiehlt die DLG gegebenfalls einen Mediator hinzuzuziehen. Die Bank, der Rechtsanwalt, der Notar und persönliche Berater wie Freunde gehören ebenfalls zu einer gelungenen Übergabe dazu.

7. Wie lange sollte die Hofübergabe dauern?

Eine Hofübergabe muss gründlich vorbeitet werden und braucht daher seine Zeit. Dabei geht es vorragig um die Abstimmung innerhalb der Familie. "Wer mit 55 mit der Planung anfängt, hat mit 65 seinen Betrieb übergeben", sagte Ingo Glas, Fachanwalt für Agrarrecht und für Steuerrecht und Mitglied in der AG Agrarrecht, Rostock auf der DLG Wintertagung. Wer ein Jahr brauche sei flott dabei, betonte Glas weiter. Fest steht: Je später man sich mit der Hofübergabe beschäftigt, umso schwieriger wird es.

8. Was kostet eine Betriebsübergabe?

Hier raten die Experten: Sparen an der falsche Stelle kann teuer werden. Wichtig ist es die Beratungskosten, Beurkundungskosten, die Kostenprivilegierung und die Grundbuchkosten im Blick zu behalten.
 
"Erfolgreich war die Hofübergabe, wenn die Familie Weihnachten noch zusammen sitzt",  sagte Cort Brinkmann, Landwirt und Berater bei der LBB mbH Göttingen zum Abschluss.
Auch interessant