Login
Nährstoffmanagement

So rechnet sich der Gülletransport

Thumbnail
Werner Raupert, LAND & Forst
am
26.02.2016

Der Transport und Einsatz von Gülle und Mist aus Überschuss-Regionen zu Biogasanlagen kann sich auch über hohe Entfernungen rechnen. Die Bioenergie Ambergau macht es vor.

Er wird zurzeit als „Königsweg“ bezeichnet, der das Problem mit den hohen Nährstoffüberhängen im Westen Niedersachsens lösen soll: Der Transport von Gülle und Mist in Ackerbauregionen, die vor Ort in Biogasanlagen veredelt und anschließend in Form von Gärresten ausgebracht werden. Unter dem Strich können alle profitieren: Die Tierhalter können ihre Tierbestände halten und ihre Böden schonen, die Biogasanlage kann z.B. Mais als Substrat zur Energiegewinnung ersetzen. Solch eine Verfahrenskette muss aber von A bis Z gut durchorganisiert sein.

Biogasanlage läift mit 40 Prozent Dünger

Professionell aufgezogen haben  neun Gesellschafter die Bioenergie Ambergau. Die Gruppe setzt sich aus sieben Landwirten und zwei „landlosen“ Gesellschaftern zusammen. Sie haben auf rund 3 ha Fläche im Industriegebiet am Ortsrand von Bockenem in zwei Schritten in 2010 und 2013 für rund 8,3 Mio. Euro eine knapp 2 MW große Biogasanlage gebaut. Bei der Planung hatte von Beginn an ein hoher Grad der Wärmenutzung, die Beschaffung von Wirtschaftsdüngern, sowie ein minimierter Einsatz von Mais Priorität. Aus diesem Grund wird das Biokraftwerk mit einem energiereichen Rohstoffmix gefüttert. 40 % sind Wirtschaftsdünger wie Schweinegülle und -mist sowie Geflügelmist. Aktuell werden pro Jahr rund 3.000 m3 Gülle und 500 t Schweinemist von Landwirten aus dem direkten Umfeld bezogen. Jeder bekommt die Menge an Nährstoffen zurück, die er mit dem Substrat in Form von Mais/Rübe oder Gülle/Mist geliefert hat.

Handel mit klaren Vorgaben

Der Kontakt und der Bezug der Mengen läuft nicht direkt mit den Bauern, sondern über einen Händler aus der Region Vechta mit den notwendigen direkten regionalen Kontakten zum produzierenden Landwirt und dem Transporteur. Im Vertrag mit dem Händler aus der Weser-Ems-Region sind klare Vorgaben zur Qualität der Gülle (z.B. Reinheit der Ware, zu Inhaltsstoffen (TS-Gehalt, Nährstoffe, etc.), und zur Lieferzeit der Wirtschaftsdünger (jede Woche 3,5 LKW mit Hähnchenmist und 5,5 LKW mit Schweinegülle) vereinbart. Weiterhin gibt es eine Vereinbarung mit den Ursprungsbetrieben z.B. hinsichtlich Hygieneanforderungen, Reinheit der Ware und Informationspflichten.

Soviel zahlt der Abnehmer

Die Anlieferung ist rundum die Uhr möglich.  Diese Flexibilität hat man dem Händler eingeräumt, weil der so in der Lage ist, auch immer eine Rückfracht für die Kombiliner mit Getreide, Raps oder Kalk zu organisieren und dadurch die Frachtkosten zu senken. Der Händler erhält vom Abgeber der Wirtschaftsdünger laut Lindenberg etwa zwischen 7 bis 10 Euro/t. Die Biogasanlage Ambergau zahlt je nach Düngerart 1 bis 5 Euro/t an ihn. Davon muss dann der Transport bezahlt werden. Die Rechnung geht nur auf, wenn auch eine Rückfracht organisiert ist. Auch für den Abgeber rechnet sich das Ganze, weil er weniger Lagerraum vorhalten muss und überschüssige Nährstoffe den Landkreis Vechta entlasten.

Retour gibt es Gärreste

Pro Jahr fallen in der Anlage etwa 36.000 t Gärreste an, welche die Landwirte im Frühjahr und Sommer/Herbst in allen Kulturen zur Düngung einsetzen. Die Gärreste werden durch das Lohnunternehmen Heinrich Aue aus Harsum nach der Getreideernte zur Folgefrucht Raps/Greening-Zwischenfrucht im August (etwa 12.000 m3) und im Frühjahr im Weizen oder zur Maisausaat ab Februar (24.000 m3) auf den Feldern der Gesellschafter und Rohstofflieferanten ausgebracht. Auch hier haben Lindenberg und seine Mitstreiter gut vorgedacht und beim Bau zwei Abtankplätze auf dem Areal installiert, um reibungslose Abläufe bei gleichzeitiger Ausbringung von zwei Ausbringketten auf dem Hof zu gewährleisten.

Die Gärreste, die im Mittel 2 kg P2O5, 6 bis 7 kg K2O und rund 6 kg N/m3 enthalten, werden, wenn möglich, rund um die Uhr ausgebracht. Welche der vereinbarten Technik vom Lohnunternehmer eingesetzt wird – direkte Einbringung in den Boden und Einarbeitung mit Grubber oder nur die Gärrest-Ausbringung mit Schleppschlauch – bestimmen die abnehmenden Landwirte selbst.

Mit dem Strom fließt das Geld

Trotz dieser positiven Umweltaspekte, Geld verdienen wollen die Gesellschafter natürlich auch und sich ihr unternehmerisches Risiko honorieren lassen. Auch hier haben sie bereits vor dem ersten Spatenstich die wichtigsten Vorkehrungen mit der Entwicklung eines Wärmekonzeptes getroffen. Der produzierte Strom wird ins öffentliche Netz geliefert. Zusätzlich wurde in drei Wärmenetze investiert. Damit werden fossile Energieträger in einer Vergleichsmenge von rund 800.000 Liter ersetzt.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 1, 2016 in der Land&Forst.

Gülletechnik: Praktische Möglichkeiten zum einfachen Nachrüsten

Auch interessant