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Direktvermarktung

So setzen Landwirte Verkaufsautomaten ein

Verkaufsautomat
Dagmar Deutsch, dlz agrarmagazin
am
01.06.2017

Immer öfter bieten Landwirte neben Milch auch Käse, Wurst und Gemüse in Verkaufsautomaten an. Mit agri EXPERTS haben wir Praktiker gefragt, wie sie diese einsetzen.

Sogenannte Vending-Maschinen werden immer wieder als eine Lösung für die schlechten Erzeugerpreise angepriesen. Die Vorteile von Verkaufsautomaten für den Landwirt liegen dabei auf der Hand: Er kann den Preis selbst bestimmen, kommt dem Verbrauchertrend nach regionalen Produkten entgegen und erfüllt den Kundenwunsch, rund um die Uhr einkaufen zu können.

Doch welche Rolle spielen Verkaufsautomaten für Landwirte wirklich? Und wie setzen sie Vending-Maschinen ein? Das und mehr wollten wir gemeinsam mit agri EXPERTS in einer Befragung herausfinden.

Standort ist Kriterium Nummer 1

Eines geht aus den Befragungsergebnissen klar hervor: Der Standort spielt für den Erfolg des Verkaufsautomaten eine – wenn nicht die – entscheidende Rolle. Fast jeder vierte der 124 befragten Landwirte hat schon einmal darüber nachgedacht, Verkaufsautomaten einzusetzen, und sich letztendlich dagegen entschieden.

Ein häufig genannter Grund: Der passende Standort fehlt. Bei der Frage, unter welchen Umständen sie sich doch vorstellen könnten, einen Automaten aufzustellen, ist die Antwort ähnlich: wenn der Standort der richtige wäre.

Standort Supermarkt

Über den richtigen Standort ihres Milchautomaten hat sich auch Familie Hartmann aus Bergenstetten in Bayern Gedanken gemacht. Da zu erwarten war, dass die Kundenfrequenz auf ihrem Hof im Ortsteil des 5.000-Seelen-Orts Altenstadt zu niedrig sein würde, um genug Milch zu verkaufen, hat Familie Hartmann ihre drei Automaten der Firma Milchconcept im vergangenen Jahr vor Supermärkten in den nahegelegenen Städten Illertissen, Dietenheim und Vöhringen aufgestellt.

Dass der optimale Standort für Verkaufsautomaten nicht unbedingt der eigene Hof ist, das sehen auch viele der anderen Landwirte unseres Expertenkreises so. Nur bei 8 der 14 erfahrenen Automatenbetreiber steht die Vending-Maschine auf dem eigenen Betrieb. Sieben haben ihre Automaten auch oder ausschließlich außerhalb ihres Hofs aufgestellt.

Sortiment: Rund 6 Produkte pro Automat

Durchschnittlich bieten unsere Automatenbetreiber 5,5 verschiedene Produkte pro Gerät an. Mehr als der Hälfte dieser Landwirte war es beim Kauf des Automaten wichtig, ihn mit möglichst vielen unterschiedlichen Produkten befüllen zu können. Das war auch ein Kriterium für Lukas Balg aus Weilerswist in Nordrhein-Westfalen. Einen Hofladen gab es auf dem Ackerbau- und Milchviehbetrieb seiner Eltern schon lange. „Doch aufgrund der Arbeitsbelastung im Stall und auf dem Acker wurde dieser Betriebszweig langsam zurückgefahren“, berichtet der 29-Jährige.

Investitionskosten: Rund 12.000 Euro

Neben dem passenden Standort und Sortiment spielen natürlich auch die Kosten des automatischen Verkäufers eine wichtige Rolle. Durchschnittlich haben unsere 14 Experten 12.270 Euro je Vending-Maschine investiert, wobei die Bandbreite zwischen 14.000 und 30.000 Euro variiert. Hinzu kommen die täglichen Betriebskosten, die unsere Landwirte mit durchschnittlich 7,70 Euro pro Tag und Automat angeben und die zwischen 15 und 2 Euro liegen.

Zeitaufwand für den Betrieb eines Verkaufsautomaten

Wer Verkaufsautomaten einsetzt, muss jedoch nicht nur Geld, sondern auch Zeit investieren. Im Vergleich mit der Vermarktung ihrer Produkte ohne Automaten haben sechs unserer Experten angegeben, dass der zeitliche Aufwand mit dem Aufstellen der Vending-Maschinen gleichgeblieben ist.

Ebenso viele sagen sogar, dass der Zeitaufwand gestiegen ist. Passend dazu geben acht der erfahrenen Automatenbetreiber an, ebenso viel externes Personal wie vor dem Aufstellen der Geräte zu beschäftigen; drei Landwirte haben zusätzlich noch jemanden eingestellt.

Arbeitsaufwand: Tägliche Befüllung

Bezüglich des Arbeitsaufwands sollte man die Automaten nicht unterschätzen. Elf unserer 14 Experten befüllen ihre Maschinen täglich. Hinzu kommen Vor- und Nachbereitungen wie das Verpacken und Etikettieren der Produkte sowie die Buchhaltung. „Die täglichen Arbeiten am Milchautomaten schlucken am meisten Zeit“, lautet die Erfahrung von Lukas Balg. „Spülen, Reinigen und Auffüllen kosten mich täglich etwa 30 Minuten.“ Für die 70 Fächer seines Klappenautomaten braucht er für die gleiche Arbeit 1,5 Stunden. „

Einen einzelnen Milchautomaten auf dem Hof aufzustellen, lohnt sich bezüglich Investitionssumme, laufender Kosten und Arbeitsaufwand nur, wenn man mindestens 30 bis 40 l pro Tag verkauft“, ist er überzeugt und ergänzt: „Ich würde keinen Milchautomaten mehr bei mir aufstellen.“

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