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Ratgeber

In die Weihnachtsbaum-Erzeugung einsteigen

Nordmanntannen
© Dieter Pregizer/Fotolia
von , am
07.12.2016

Anders als andere Nationen bleiben die Deutschen dem natürlichen Weihnachtsbaum treu. Der Trend geht zum Tannenbaum aus der Region. Wer in den Anbau einsteigt, sollte den Aufwand nicht unterschätzen.

In keinem anderen Land ist die Tradition für den Naturbaum zum Fest so ausgeprägt wie in Deutschland, stellt der Bundesverband für Weihnachtsbaumerzeuger fest. Viele Verbraucher legen zudem immer mehr Wert auf Tannen aus regionaler Produktion. Die Produzenten registrieren auch eine steigende Nachfrage eines zusätzlichen Baums für Garten oder Balkon. 

Der Aufwand für die Produktion eines markttauglichen Baums ist jedoch nicht zu unterschätzen. Der Anbau erfordert viel Handarbeit und Geduld. Was Sie sonst noch über die Weihnachtsbaumproduktion wissen müssen, lesen Sie hier:

Aufwand: 80 Stunden pro Jahr und Hektar

"Der Aufwand ist vergleichbar mit dem Weinbau. Die Bäume müssen jeder einzeln gepflegt werden", so der Erzeuger Stefan Spennesberger vom Tannenhof Oberweilbach. In den 9 bis 10 Jahren Wachstum muss der Baum immer wieder in Form gebracht werden. Durch regelmäßiges manuelles Herauszwicken der äußersten Triebe wird beispielsweise der Wuchs der Seitentriebe reguliert, wodurch eine regelmäßige Rundung des Baumes erzielt wird. Der Arbeitsaufwand für einen Hektar beträgt jährlich zirka 80 Stunden. Aber auch das Risiko der Kultur ist recht hoch, denn je nach Witterungsverlauf beträgt die Ausfallquote 20 bis 30 Prozent, so der Erzeugerverband.

Nordmanntanne aus Georgien

Der mit Abstand beliebteste Baum ist die Nordmanntanne mit einem bundesweiten Marktanteil von knapp 80 Prozent. Das Saatgut für den Anbau von Nordmanntannen wird vorzugsweise aus Georgien importiert. "Die Herkünfte aus Georgien zeichnen sich durch ein besonders schönes Wuchsbild aus, sowie durch einen späten Austrieb, was das Frostrisiko vermindert.", erklärt der Erzeugerverband. Zur Ernte werden die Zapfen für die Saatgutgewinnung von Bäumen bis zu 60 Meter Höhe von Hand gepflückt. Nach der Aussaat stehen die Sämlinge zwei Jahre im sogenannten Saatbeet in der Baumschule.

Formschnitt und Triebkürzung

In den ersten Jahren wachsen die Bäume langsam. Ab dem 6. Jahr beginnen die Arbeiten zur Terminalverkürzung und zum Formschnitt.

  • Um das Spitzenwachstum zu verlangsamen und damit die Abstände zwischen den Astreihen gleichmäßig zu halten, wird mit einer Spezialzange der Saftstrom gehemmt.
  • Durch manuelles Herauszwicken der äußersten Triebe wird der Wuchs der Seitentriebe reguliert, wodurch eine regelmäßige Rundung des Baumes und schmalere Baumformen erzielt werden.
  • Damit Vögel sich nicht auf die wertvolle Spitze eines Baumes setzen und sie abbrechen, werden als Sitzmöglichkeit für die Vögel an die Spitze Stäbe angeklemmt. Denn mit abgebrochener Spitze sind Weihnachtsbäume minderwertig.

Pflanzenschutz ist kaum nötig

Pflanzenschutzmittel sind häufig nicht erforderlich oder werden nur punktuell angewandt. Zur Unkrautbekämpfung werden immer häufiger Shropshire Schafe eingesetzt. Bedingt durch diese extensive Nutzung der Flächen und die lange Produktionsdauer von 9 bis 10 Jahren auf einem Quartier, entstehen für viele Lebewesen und Pflanzen sehr günstige Bedingungen. Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeigen, dass Weihnachtsbaumkulturen das Vorkommen von seltenen und vom Aussterben bedrohten Vogelarten, wie z.B. Heidelerchen und Kiebitzen, fördern.

Preise für Weihnachtsbäume halten sich stabil

Auch bei Weihnachtsbäumen achten immer mehr Verbraucher auf die Herkunft. Für gut 50 Prozent der Verbraucher spielt es eine entscheidende Rolle, dass der Baum aus der Region kommt. Beim Kauf suchen Kunden nach Qualität in gutem Preis-/ Leistungsverhältnis. Gutes Aussehen ist dabei für mehr als 70 Prozent der Käufer das ausschlaggebende Kriterium.

Die Preise halten sich seit Jahren recht stabil. In der Saison 2016 liegen die Preise bei Nordmanntannen zwischen 20 und 24 Euro pro laufenden Meter (lfm). Für Blaufichten bewegen sich die Preise sich zwischen 11 und 14 Euro/lfm.

Diese Bäume eignen sich für den Christbaumanbau

Die Nordmanntanne gilt als beliebtester Weihnachtsbaum in Deutschland. Sie zeichnet sich durch einen gleichmäßigen Wuchs und weiche Nadeln mit besonders langer Festigkeit aus. In wärmeren Räumlichkeiten versprüht die Nordmanntanne ihren eigenen unverkennbaren Harzduft. © landpixel/Mühlhausen
Die Blaufichte belegt Platz 2 auf der Skala der beliebtesten Weihnachtsbäume. Bevor die Blaufichte von der Nordmanntanne als beliebtester Weihnachtsbaum abgelöst wurde, galt sie als der am meisten verwendete und kultivierte Weihnachtsbaum. Da die Äste der Blaufichte relativ stark und gleichmäßig gewachsen sind, lässt sich an ihnen auch Weihnachtsbaumschmuck aufhängen, der schwerer ist. Auch echte Kerzen lassen sich aufgrund der Stabilität der Blaufichte an den Ästen befestigen. © Karduelis/fotolia
Die Nobilistanne auch Edeltanne genannt, gehört aufgrund ihrer langen Wachstumszeit zu den teuersten Weihnachtsbäumen. Für die Edeltanne spricht ihr dichtes, weiches Nadelkleid und der intensive Orangengeruch. © Cacophony/istock
Die Weißtanne gilt als traditionellste Weihnachtsbaum und als Königin unter den Nadelbäumen. Vor der kommerziellen Tannenbaumproduktion schlugen die Deutschen gerne eine junge Weißtanne für die heimische Weihnachtsstube. Der Baum ist in den Wäldern jedoch selten geworden. © DanBu/fotolia
Die Korktanne ist auch unter dem Namen Felsengebirgstanne bekannt. Aufgrund ihres schmalen Wuchses ist die Korktanne sehr gut für kleine Räume geeignet. Da ihre Äste und Zweige relativ steif sind, lässt sich Christbaumschmuck sehr gut daran befestigen. Ein weiterer Vorteil ist die Hitzebeständigkeit der Korktanne. © H. Ketteler
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