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30-Cent-Marke in Reichweite

30-Cent-Marke in Reichweite
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
09.12.2016

Die Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch haben im Oktober des laufenden Jahres so stark zugelegt wie seit neun Jahren nicht mehr. Dabei dürfte sich der Preisanstieg bis zum Jahresende fortsetzen, wenn auch mit abnehmenden Zuwächsen. In Schleswig-Holstein wurde die Marke von 30-Cent bereits überschritten, weitere Bundesländer werden voraussichtlich in den kommenden Monaten folgen.

Nach Hochrechnung der AMI erhielten die Milchviehbetriebe für ihren konventionell erzeugten Rohstoff mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß im Oktober im bundesweiten Mittel rund 28,8 Ct/kg und damit 3,1 Ct mehr als im September dieses Jahres. Gleichzeitig hat sich der Anstieg der Milcherzeugerpreise nicht nur fortgesetzt, sondern fiel im langfristigen Vergleich überdurchschnittlich hoch aus. Seit der Jahrtausendwende hat es einen Zuwachs in ähnlicher Höhe lediglich im Sommer des Jahres 2007 gegeben. Zwar waren die Erzeugerpreise für Milch auch gegen Ende des Krisenjahres 2009 überproportional gestiegen, allerdings beliefen sich die stärksten Zuwächse innerhalb eines Monates damals auf knapp 2,0 Ct.

Bundesmittel überschreitet erstmals Vorjahreslinie

Im Vergleich zum Jahr 2015 sind die Milcherzeugerpreise im Oktober im Bundesdurchschnitt erstmals über die Vorjahreslinie geklettert. Als erstes hatte Schleswig-Holstein diese Schwelle im September überschritten, nun folgten sieben weitere Bundesländer. Lediglich in drei Regionen wurde das Vorjahresniveau noch verfehlt. Dabei fiel der Rückstand in Bayern und Nordrhein-Westfalen vergleichsweise gering aus, in der Region Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland ist man hingegen noch ein gutes Stück von den Ergebnissen des Vorjahres entfernt.

Allerdings werden die noch ausstehenden zwei Monate kaum ausreichen, um deutschlandweit das Jahresmittel von 2015 noch zu übertreffen, auch wenn die in 2016 geleisteten Nachzahlungen deutlich höher ausfallen sollten als im Vorjahr. Zu groß war der Rückstand in den ersten drei Quartalen dieses Jahres. So errechnet sich von Januar bis Oktober 2016 im Bundesmittel ein Preis von 25,2 Ct/kg, das waren 3,7 Ct weniger als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.

Weitere Preissteigerungen zu erwarten

An den Märkten für Milch und Molkereiprodukte haben sich die Preise mittlerweile auf dem deutlich erhöhten Niveau stabilisiert. Da die Milchmengen derzeit merklich unter dem Vorjahresniveau liegen, dürfte das, saisonal bedingt wieder steigende, Angebot bis zum Jahresende vom Markt aufgenommen werden können. Zumal die reduzierten Bestände sowie das zeitlich verzögerte Ansprechen der Milchkühe auf zusätzliche Kraftfuttergaben gegen einen allzu raschen Anstieg des Rohstoffaufkommens sprechen. Allerdings lassen sich die Auswirkungen des Hilfsprogramms der EU zur Mengenreduzierung schwer einschätzen. Möglicherweise führen die europaweit anziehenden Preise dazu, dass die Milcherzeugung in einem geringeren Grad eingeschränkt wird, als sich nach dem Stand der Anmeldungen erwarten ließe.

Alles in allem dürften in den letzten zwei Monaten des laufenden Jahres auch auf der Erzeugerebene überwiegend stabile bis steigende Tendenzen bei den Preisen vorherrschen. Damit ergäbe sich aus derzeitiger Sicht bundesweit ein Jahresschnitt, einschließlich Nachzahlung, zwischen 26,5 bis 26,7 Ct/kg.

Eine ausführliche Analysezu den Preisen für konventionell erzeugte Milch einschließlich einer regionalen Betrachtung finden Sie in unserem Online-Dienst Markt aktuell Milchwirtschaft. Dort stellen wir Ihnen folgende Excel-Tabellen zum Download zur Verfügung:

  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis Oktober
  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit natürlichen Inhaltsstoffen bis September
  • Preise für ökologisch/biologisch erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis Oktober

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Marktexperten

Dr. Kerstin Keunecke - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Dr. Kerstin Keunecke

Marktanalystin Milch und Milchprodukte


Tel.: (0228) 33805-101
Kontakt: AMI Expertenseite

Autorin von Fachbeiträgen und Produktstudien zum Milchmarkt, Analystin für den Milchpreisvergleich, vielfältige Kontakte zu Molkereien und Unternehmen der Milchbranche.