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Agrarmärkte und Agrarhandel

Coronavirus: Panik lässt globale Agrarmärkte abstürzen

Corona-Virus
am Freitag, 28.02.2020 - 11:15 (Jetzt kommentieren)

Das Cornavirus hat mittlerweile sämtliche Agrar- und Rohstoffmärkte infiziert. Panik macht sich breit, denn die möglichen Auswirkungen einer globalen Pandemie auf Wirtschaft und Handel sind nicht abzuschätzen.

„Die Agrarmärkte werden aufgrund der raschen Verbreitung des Coronavirus ausschließlich von der negativen Marktstimmung getrieben und nicht von den fundamentalen Daten von Angebot und Nachfrage", sagt ein US-Marktanalyst.

Für die globalen Aktien- und Rohstoffmärkte war es die schlimmste Woche seit der Finanzkrise 2008. Die Hoffnungen, dass die Coronavirus-Epidemie in wenigen Monaten vorbei sein würde und sich das Wirtschaftsleben rasch wieder normalisiert, wurden zunichte gemacht, hieß es weiter.

Mittlerweile übertreffen die weltweit gemeldeten Neuinfektionen die Neuerkrankungen in China wobei Südkorea, Italien und der Iran als neue Epizentren zu nennen sind. Das Ende 2019 erstmals entdeckte Virus hat inzwischen weltweit rund 80.000 Menschen infiziert und mehr als 2.700 getötet, die überwiegende Mehrheit davon in China.

Fälle außerhalb Chinas haben diese Woche jedoch rasant zugenommen. Besonders betroffen sind neben dem für den deutschen Agrarhandel wichtigen Italien, unter anderem auch die großen Getreide- und Fleischimporteure Japan und Südkorea.

Corona-Alarm: Ausverkauf auch bei Agrarprodukten

asiatische Frau mit Mundschutz

Bereits am Donnerstag fielen die Preise für Getreide und Ölsaaten an den Terminmärkten deutlich. In den USA ging es auch für Schweinefleisch kräftig nach unten. Die Agrarpreise folgen damit den weiter abstürzenden Rohöl- und Energiepreisen. Und auch am heutigen Freitag zeigen die Getreide- und Ölsaatenmärkte  in den USA im vorbörslichen Handel tiefrote Vorzeichen. Das wird am heutigen Handelstag auch die Kurse in Europa mit nach unten reißen. Diese hatten ebenfalls schon am Donnerstag Federn lassen müssen.

Außerdem nehmen die Agrarmärkte positive oder fundamental gute Nachrichten gar nicht mehr wahr: Etwa dass der Container-Handel in China allmählich wieder in Gang kommt und die weltweiten Handelsströme langsam wieder Fahrt aufnehmen können. An den US-Börsen fielen Getreide-Preise am Donnerstag jedenfalls auf neue Tiefststände. Der US-Weizen stürzte zusammen mit den Aktien- und Energiemärkten auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Monaten. Der vordere Weizenkontrakt in Chicago ist in diesem Monat bis Donnerstag um 5,4 Prozent abgestürzt.

"Investoren, die die Rohstoffmärkte verlassen sowie Investoren, die Long-Wheat-Positionen verlassen (also Wetten auf steigende Kurse), drücken massiv auf die Preise", kommentiert die Commonwealth Bank of Australia das Geschehen. Und der Preisrutsch an den Terminmärkten geht am Freitag bereits im vorbörslichen Handel weiter. „Angst kennt keinen Grund. Dies ist eine panikartige Reaktion", sagt Jim Gerlach, Präsident der Analystenfirma A/C Trading.

Agrar- und Rohstoffpreise: Ein Wettrennen nach unten?

Mann desinfiziert einen Bus

"Es ist derzeit ein Wettrennen nach unten", schreibt der Analyst Jingyi Pan in einem aktuellen Markt-Bericht. "Angesichts der Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus ist es möglicherweise noch zu früh, von einem Tiefpunkt zu sprechen" schreibt Pan weiter. Die Märkte waren bsi vor kurzem sehr zuversichtlich, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China beendet ist und sich der Welthandel sich auch im Agrarbereich belebt. Daraus scheint nun so schnell nichts zu werden. Die Auswirkungen könnten ziemlich langfristig sein, befürchten immer mehr Analysten.

Das Risiko einer schrumpfenden Nachfrage verstärkte auch die Ängste an den Getreidemärkten."Die Entwicklung der Nachfrage wirft Fragen auf, deren wirtschaftliche Auswirkungen möglicherweise stark auf die globalen Märkte wirken", schreibt das Beratungsunternehmen Agritel. Eine wachsende Anzahl großer Unternehmen gibt mittlerweile Gewinnwarnungen heraus und lässt vermelden, dass Fabrikstillstände in China die globale Lieferkette massiv stören. Sie berichten zudem, dass die Reise- und Transportverbote und andere Maßnahmen gegen das Virus auch den Umsatz in China, einem der wichtigsten Verbrauchermärkte weltweit, erheblich beeinträchtigen.

Die japanische Mizuho-Bank stellte sogar fest, dass der Preisrutsch an den globalen Rohstoff- und Aktienmärkten „die schnellste Korrektur seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren war“. Die Ölpreise gaben angesichts der zunehmenden Sorgen um die Weltwirtschaft weiter kräftig nach und erreichten neue Tiefstände. Das US-Leichtöl WTI kostet nur noch 46,7 USD je Bushel und das Nordseeöl Brent bewegte sich noch mit 51,6 USD nur noch knapp über der 50-USD-Marke.

Immer mehr Analysten warnen deshalb vor einer Panik. Auch der US-Dollar gab deutlich nach, während der Euro wieder auf 1,10 USD nach oben kletterte. Gefragt war außerdem Gold. In unsicheren Zeiten gelten Währungen wie Yen, Franken oder Euro sowie Staatsanleihen und Gold als relativ sichere Häfen.

Betriebe in China bleiben länger zu

Frau mit Atemmaske im Supermarkt

US-Präsident Donald Trump konnte die Märkte am Donnerstag mit einer offiziellen Ansprache ebenfalls nicht beruhigen. Er hatte angesichts der Befürchtungen der Gesundheitsbehörde CDC über eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in den USA vor Panik gewarnt. Das Risiko für Amerikaner sei "sehr gering", sagte Trump, und die Regierung sei "vollständig vorbereitet". Aktuelle US-Konjunkturdaten, wie etwa die besser als erwartet ausfallenden Auftragseingänge für langlebige Güter im Januar, fanden angesichts der Krisenstimmung kaum Beachtung.

Der chinesische Präsident Xi hatte erst am Sonntag versichert, die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie in China seien beherrschbar und "kurzfristig". Wie sich nun aber herausstellt, bleiben die meisten kleinen und mittleren Unternehmen in China – auch in der Nahrungsmittelindustrie – weiter geschlossen. „Nur etwa drei von zehn dieser Unternehmen würden nach der staatlich verordneten Zwangspause wieder arbeiten“, sagte der Sprecher des chinesischen Industrieministeriums, Tian Yulong.

Chinas Behörden befürchten zudem, dass sechs von zehn Betrieben in Zahlungsschwierigkeiten kommen werden. Die Regierung in Peking kündigte deshalb finanzielle Hilfen für kleine Betriebe an. Das hört sich alles nicht nach einer raschen Erholung an. Die Auswirkungen werden weltweit – auch im Agrarhandel - zu spüren sein.

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