Login

EU-Weizenexporte laufen flott

EU-Weizenexporte laufen flott
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
09.09.2016

Die Weizenkurse an der Terminbörse in Paris stehen unter Druck. Der feste Euro und starke Konkurrenz am Exportmarkt bremsen die Notierungen. Da konnte die feste Tendenz in Chicago nicht stützen. Der Fronttermin September läuft in ein paar Tagen aus, so dass der Fokus auf dem Dezember-Kontrakt liegt. Dieser rutschte jüngst unter die Marke von 160 EUR/t und damit auf das Kurstief von Anfang Juli 2016. Damit bleiben die Preise am Weltmarkt konkurrenzfähig. Bis zum 09.09.2016 waren für knapp 5,1 Mio. t Weichweizen Ausfuhrlizenzen von Brüssel vergeben worden. Damit ist das Volumen 52 % größer als im Vorjahreszeitraum.

Dabei gibt es ein Novum: Deutschland führt erstmals die Liste der EU-Weichweizenexporteure an. Für rund 1,1 Mio. t hat Deutschland Ausfuhrlizenzen erhalten und damit gut einem Drittel mehr als 2015. Damit hat Deutschland und auch Rumänien den üblichen Exportführer Frankreich auf Platz 3 verdrängt. Grund ist das schwache Angebot aus Frankreich. Dort ist die Weizenernte 12 Mio. t kleiner ausgefallen als im Vorjahr und das limitiert das Exportpotenzial spürbar. Bislang lieferte Frankreich rund 940.000 t in Drittländer und davon war ein beachtlicher Teil ohnehin schon aus anderen EU-Ländern, vor allem dem Balkan bereitgestellt worden. Rumänien, mit einer möglicherweise 10 % größeren Weizenernte als 2015, wird in diesem Jahr einen großen Teil der EU-Exporte bedienen. Bislang sind von dort 1,07 Mio. t in den Drittlandsexport gegangen. Im Vorjahreszeitraum waren es gerade einmal 450.000 t.

Die Weizennotierungen konnten ihren Aufwärtstrend der Vorwoche nicht beibehalten und verloren zuletzt wieder. Vor allem der Fronttermin September, der am 12.09.2016 seinen letzten Tag hat, ist von viel Börsentechnik belastet und verlor in nur 4 Handelstagen rund 8 % an Wert. Auch wenn dies am Kassamarkt nicht übernommen wird, die Schwäche der Folgetermine zeigt schon Wirkung. Immerhin rutschte der Dezember-Kontrakt unter die Linie von 160 EUR/t und damit auf das Tiefpreisniveau von Anfang Juli 2016. Am Kassamarkt liegen die Prämien der Verkäufer 2 EUR/t darüber, die Kaufideen 1 EUR/t. Damit wurde die Prämie um 0,50 EUR/t zurückgenommen. Das reichliche und darüber hinaus qualitativ unerwartet höhere Weizenangebot stößt auf verhaltene Nachfrage. Mühlen haben ihren Fokus auf Lieferungen ab Januar 2017 geschoben. Es scheint, das Mehlgeschäft hat auf diesen Terminen an Fahrt aufgenommen. Neben dem festen Euro belastet die restriktive Haltung der Ägypter den Weizenmarkt. Erneut wurde eine Lieferung abgelehnt, dieses Mal aus Rumänien. Ägyptische Kontrolleure hatten im Verladehafen Mutterkorn entdeckt und die Einfuhr verweigert. Am 5.9.2016 hatte Ägypten die Null-Toleranz für Mutterkorn in Weizenlieferungen aus dem Ausland verhängt und damit die gültigen internationalen Standards verschärft. Ebenfalls für Schwäche sorgt das lebehafte Exportgeschäft der US-Amerikaner und der Schwarzmeerregion. Während in der EU-28 mit Spannung der Ausgang der Ausschreibung aus Algerien erwartet wird, laufen an den anderen Exporthäfen die Verschiffungen unerwartet lebhaft. In Russland wurde die Exportsteuer bis Juni 2018 vorerst ausgesetzt. Zudem haben dort die Weizenpreise nachgegeben und damit die Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessert. Die Ukraine hat ein Geschäft über 145.000 t Weichweizen Richtung Indien abgeschlossen. Die USA hat seit dem 01.07.2016 schon 30 % mehr Weizen verschifft als im Vorjahreszeitraum.

Wie sich die Exporte in Deutschland, aber auch in anderen wichtigen Lieferländern weiterentwickeln, lesen Sie in unserem Onlinedienst Markt aktuell Getreide. Dort finden Sie auch die tagesaktuellen Notierungen der Terminbörsen und eine Zusammenfassung kurssteuernden Faktoren.

Marktexperten

Frau Wienke von Schenck - AMI Expertin für Getreide und Ölsaaten

Wienke von Schenck

Marktanalystin Getreide und Ölsaaten


Tel.: (0228) 33805-351
Kontakt: AMI Expertenseite

Autorin von Fachbeiträgen und Analysen zum Getreide-, Futtermittel- und Ölsaatenmarkt, Referentin auf Veranstaltungen des Agribusiness, Mitarbeit in Fachgremien

Verwandte Analysen
Zahlen und Fakten zum Milchmarkt
Welt | Milch & Milchprodukte | Marktprognose

Zahlen und Fakten zum Milchmarkt

(AMI) – Der Milchmarkt entwickelte sich 2018 auf allen Marktstufen fester als erwartet. Die Preisspitzen des Vorjahres wurden allerdings zumeist nicht wieder erreicht, auch weil die Auswirkungen der Dürre moderater blieben als zunächst befürchtet. Wie geht es 2019 weiter? Wie entwickelt sich das Milchaufkommen? Bleibt europäische Ware am Weltmarkt wettbewerbsfähig? Welche Bedeutung hat die Ausgestaltung des Brexits für den Milchmarkt? Die neue AMI Markt Bilanz Milch 2019 liefert hierzu ausführliche Zahlen und Fakten.

Milchanlieferung weitgehend stabil
Deutschland | Rohmilch | Anlieferung

Milchanlieferung weitgehend stabil

(AMI) – In den zurückliegenden Wochen hat es kaum Veränderungen beim Milchaufkommen in den deutschen Molkereien gegeben. Seit Ende Februar zeigt sich ein recht stabiler Verlauf, wobei das Vorjahresniveau zuletzt wieder unterschritten wurde.

Schlachtschweinepreis unverändert auf 1,73 EUR/kg
Deutschland | Schweine | Erzeugerpreise

Schlachtschweinepreis unverändert auf 1,73 EUR/kg

(AMI) – Nachdem die Preisempfehlung in den vergangenen Wochen stetig angehoben wurde, präsentiert sich der deutsche Schlachtschweinemarkt nun ausgeglichen. Die angebotenen Mengen bleiben dabei überschaubar, durch den Wegfall zweier Schlachttage durch Ostern hat sich die Nachfrage etwas beruhigt.

Knappes Angebot an Rapsschrot
Deutschland | Schrote | Handel

Knappes Angebot an Rapsschrot

(AMI) – Ölmühlen bieten kaum noch Rapsschrot auf vorderen Positionen an, am Sojaschrotmarkt belastet die Aussicht auf eine gute Ernte in Argentinien.

Auch interessant