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Frühkartoffelpreise steigen

Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
04.05.2016

Schon im März zeichnete sich ab, dass Lagerkartoffeln in Erzeugerhand dieses Jahr früh geräumt sein werden. Vor allem im Norden, wo die Erträge 2015 hoch waren, haben Lagerhalter im Herbst und Winter jeder Verkaufsmöglichkeit genutzt. Nun erfolgt die Versorgung des LEHs vor allem noch aus Kistenkühllägern der Abpacker.

Damit das möglichst lange funktioniert, werden parallel schon recht viele Frühkartoffeln aus dem Mittelmeerraum eingesetzt. Lagerware aus Frankreich wäre theoretisch eine Alternative. Die ist aber vergleichsweise teuer und wird mittlerweile auch von manchem im Südwesten des Landes grundsätzlich umgangen.

Mit großem Abstand erfolgt die Marktversorgung bei Frühkartoffeln momentan hauptsächlich mit Ware aus Ägypten. Das wird wohl auch noch bis zur zweiten Maidekade so bleiben. Für den hiesigen Markt wurde eine etwas kleinere Menge avisiert als im Vorjahr, als für die EU 150.000 t bereit standen. Schon diese Menge war langfristig betrachtet aber relativ klein. Seit Ostern wird nun zügig aus Vorräten in Hafenlägern abverkauft. Bis Ende April räumten die Importeure eigenen Aussagen zu Folge schon mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Sie taten dies erst zu Preisen von gut 50,00 EUR/dt, dann leicht darunter und in der Vorwoche tauchten ein paar Ladungen von Anbietern ohne feste Vermarktungsprogramme auf, die für 45,00 EUR/dt zu haben waren. Für die nächsten 14 Tage wird aber wieder eher etwas mehr erwartet. Beste Ladungen festkochender Sorten könnten auf bis zu 54,00 EUR/dt ansteigen. Die Kursentwicklung wird auch von der Nachfrage getrieben sein, die bei nun frühlinghafterem Wetter und dem Start der Spargelsaison mehr auf Frühkartoffeln setzt und hinsichtlich der Qualitäten nicht mehr die geeigneten Alternativen aus dem deutschen Anbau findet.

Israel im Anmarsch
Seit Wochen verkaufen Israelis ihre Winterernte in Europa. Allerdings nicht wie Ägypter mit dem Schwerpunkt in Deutschland. Sie bedienten stattdessen eine rege Nachfrage in Italien, Großbritannien, Schweiz oder in Skandinavien. Dort waren stets deutlich höhere Preise zu erzielen. In Deutschand war der Preisaufschlag auf die Forderungen für Frühkartoffeln aus Ägypten deutlich höher als sonst und kam phasenweise auf über 10,00 EUR/dt. Mancher Packer war der Meinung, dass der Qualitätsunterschied das auch rechtfertige. In der Himmelfahrtswoche steigen die Verladungen aus der Frühsommerernte Israels rasant an. Ab dem kommenden Wochenende können dann auch in Deutschland größere Programme rechtzeitig vor dem Pfingstwochenende bedient werden. Die Preisvorstellungen schwanken um die Marke von 60,00 EUR/dt. Festkochende Sorten in kleiner Kalibrierung liegen eher darüber, runde Sorten eher darunter. Auch der russische Markt wird ab sofort umfangreicher bedient. Dorthin gehen gewaschene und fertig abgepackte Kartoffeln, die direkt an die Supermärkte verkauft wurden. Die Hauptsaison Israels startet weitgehend ohne Vorräte aus der Winterernte. Die ist längst am EU-Markt unter gekommen. In 2015 trafen aus Israel 130.000 t in der 28er Gemeinschaft ein, so wenige wie noch nie. Die Prognose für 2016 lautet, dass es nochmals etwas weniger wird. Israels Gesamtexport von Kartoffeln lag 2015 bei 230.000 t, ein Quantum das wohl auch nicht erreicht wird. Als Grund dafür nannten Unternehmen im Februar vor allem die Beeinträchtigung der Winterernte durch schlechtes Wetter.


Erste Spanier sind auch auf dem Weg
Spaniens Frühkartoffeln sind bekanntlich doch nicht so früh, wie erst gedacht. Sie sind womöglich auch nicht so reichlich, wie geplant. Beides findet seine Ursache in einem Kälteeinbruch Mitte Februar, der viele frühe Bestände kräftig zurückgeworfen hat. Es gab zudem einige Ausfälle – Flächen wurden umgebrochen und mit Sorten für die Haupternte erneut bepflanzt. Für eine LEH-Kette hat zum Wochenanfang die Ernte von Agata begonnen. Angesichts der Verfügbarkeit von Alternativen wird die Ware sehnlichst erwartet. Für mehr reicht das derzeitige Angebot in Andalusien nicht. Andere Kunden werden wohl bis nach Pfingsten auf Kartoffeln aus Spanien warten müssen. Es wurde für deren Versorgung in Andalusien noch so gut wie nichts reifegefördert. Da in den nächsten Tagen heftige Niederschläge erwartet werden, sollen die Maßnahmen zur Reifeförderung erst ab kommender Woche in großem Stil stattfinden.

Die Preisvorstellungen der Anbieter in Andalusien gehen teils weit über das hinaus, was derzeit für Ware aus Israel bezahlt wird. Gestützt werden solche Forderungen auch von einem sehr festen Markt auf der Iberischen Halbinsel. Dort kommen nun kaum noch Lagerkartoffeln aus Frankreich an und wenn, dann zu sehr hohen Preisen. Das hat das Augenmerk spanischer Abpacker auf Ware aus der Region um Cartagena gelenkt. Dort werden normalerweise schätzungsweise 80 % der Kartoffeln als Sackware aufbereitet. Und selbst diese Ware ist derzeit immer noch ziemlich teuer. Landwirte bekommen für losschalige Ware aller möglichen runden Sorten mindesten 40,00 EUR/dt. Der Umstand, dass Briten diese Saison wohl nichts dort kaufen werden, ist überhaupt kein Problem – im Gegenteil. Der Frühkartoffelanbau in Spanien hat einerseits einen Schwerpunkt in Andalusien und schrumpft andererseits stetig. In 2009 gab es in Andalusien noch über 8.000 ha. 2014 waren es dann 5.000 ha und dieses Jahr sind es 4.367 ha oder 1,1 % weniger als im Vorjahr. Ursprünglich hatten Beobachter vor Ort wegen der sehr frühen Pflanztermine deutlich mehr Kartoffelfläche für die Frühjahrsernte und dafür weniger für die Sommerernte gesehen. Ein Kälteeinbruch mit Frost in der Nacht auf den 17. Februar hat das aber wieder relativiert. Der könnte sich auch negativ auf das Ertragsniveau ausgewirkt haben. In 2014 und 2015 waren die Erträge mit netto durchschnittlich 34 t/ha für andalusische Verhältnisse sehr hoch. In den Vorjahren wurden in schlechten Jahren 22 t/ha gemessen und in sehr guten maximal 29 t/ha. Bleibt das Aufkommen wieder unter der Marke von 30 t/ha, wird die Ernte ziemlich klein ausfallen.

Andere Herkünfte wie Italien, Zypern oder Marokko sind fast nur für die Vermarktung über städtische Großmärkte relevant und spielen für den LEH nur eine kleine Rolle, wenn in Vollsortimentern Frühware neben den traditionell lange eingesetzten Lagerkartoffeln lose verkauft wird.

Zeitlich günstige Staffelung der deutschen Frühkartoffeln
In den deutschen Anbaugebieten von Speisefrühkartoffeln wurde dieses Jahr im März meistens mit einer Verspätung von 7-10 Tagen gegenüber den frühen Vorjahren gepflanzt. Das kühle Wetter sorgte dann für eine nur langsame Entwicklung der Bestände. Dabei waren die Areale im Südwesten wieder einmal klimatisch bedingt etwas im Vorteil. Einen deutlichen Unterschied für die Entwicklung der Kulturen bedeutet der Einsatz von Folien und Vlies. Freilandware ist meistens deutlich sichtbar zurück. Obwohl es gelegentlich leichten Frost gab, wurden die Bestände in der Regel wenig oder überhaupt nicht geschädigt. Dafür sorgte auch der verbreitete Einsatz von Frostschutzberegnung, wenn es denn doch mal vereinzelt zu kalt wurde. Aus heutiger Sicht brachte der bisherige Vegetationsverlauf für die Saison 2016 eine günstige zeitliche Staffelung der Erntetermine, was in Hinblick auf die Markt- und Preispflege aus Erzeugersicht von Vorteil ist. Festschalige Frühkartoffeln zum Abpacken wird es wohl aus dem Südwesten in der letzten Junidekade geben, was den Anbietern der Importkartoffeln ein relativ langes Vermarktungsfester gewährt. Die Anbauflächen sind weder in der Pfalz, noch im Rheinland oder in Niedersachsen ausgedehnt worden, jedenfalls wenn es um Speisesorten ging. Früher Rohstoff für die Verarbeitung fußt dagegen auf einer teilweise deutlich größeren Fläche. Allerdings wurden die Areale mit Premiere und Co auch verspätete bepflanzt und sind witterungsbedingt auch ein gutes Stück zurück in ihrer Entwicklung. So wird der neue Rohstoff verbreitet erst ab der dritten Julidekade erwartet. Dabei spielt den hiesigen Vermarkter in die Karten, dass die Verspätung in Belgien noch deutlich größer ist, da es im März zum Pflanzen dort viel zu nass war. Auch das frühe Verarbeitungskartoffelsortiment kommt dadurch zeitlich sehr günstig gestaffelt an den Markt. Lagerware muss länger reichen, was beim bisherigen Verarbeitungsumfang sehr schwierig sein dürfte. So könnten Übergrößen geeigneter Speisesorten im Juli einen alternativen Vermarktungsweg bekommen.

Der weitere Verlauf der Frühkartoffelvermarktung scheint spannend zu werden. Um nichts zu verpassen macht ein regelmäßiges Update der Situation und Preisinformation für alle Marktbeteiligten Sinn. Die AMI bietet dazu die Markt Woche Kartoffeln und Markt aktuell Kartoffeln an. Zudem kann ab Anfang Juni die Tagesberichterstattung zur Entwicklung im deutschen Anbau mit Erntefortgang und Preisen abonniert werden: Markt Saison Frühkartoffeln.

Marktexperten

Christoph Hambloch

Christoph Hambloch

Marktanalyst Kartoffeln


Tel.: (0228) 33805-352
Kontakt: AMI Expertenseite

Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelanbau.