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Wie geht es ab 2019 mit der Ferkelkastration weiter?

© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
14.06.2016

Ab 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten, dies wurde 2013 gesetzlich verankert. Bereits 2008 hatten die Wirtschaftsbeteiligten mit der Düsseldorfer Erklärung das gemeinsame Ziel formuliert, in Zukunft auf die betäubungslose Ferkelkastration zu verzichten. Die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth betont eingangs auf der Fachtagung am 09. Juni 2016 in Berlin, dass jeder einzelne Betroffene sich der Herausforderung stellen und die Umsetzung angehen muss.

Seit über 8 Jahren laufen wissenschaftliche Forschungen und konkrete Umstellungsprozesse in der Wirtschaft. Die Forschungen und praktischen Erfahrungen haben zu wichtigen Erkenntnissen in der Züchtung, Tierhaltung, Schlachtung, Geruchsfeststellung, Verarbeitung und Vermarktung geführt. Allein das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat bisher über 8,3 Millionen Euro an Forschungsmitteln für die Förderung der Umstellung auf alternative Verfahren zur betäubungslosen Ferkelkastration aufgewendet.

Bis zum Inkrafttreten des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration verbleiben noch zweieinhalb Jahre. Es wird nicht klappen, den Schalter erst am 31. Dezember 2018 umzulegen. Die Umstellung muss sich vielmehr über den gesamten noch verbleibenden Zeitraum vollziehen! Jeder einzelne Betroffene, ob Landwirt, Schlachter, Metzger, Verarbeiter oder Einzelhändler muss sich jetzt Gedanken machen, wie er selbst diese Herausforderung annimmt und die Umstellung umsetzt. Ich hoffe, dass diese Veranstaltung dabei Hilfestellung geben kann, so die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth.

Dennoch gibt es noch weiteren Forschungs- und Klärungsbedarf, der bei der Veranstaltung am 9. Juni in Berlin thematisiert wurde. Dabei geht es unter anderem um Verbraucherakzeptanz, Tierschutz sowie rechtliche und marktrelevante Themen.

Fazit: Alle drei bisher bekannten Alternativen, die Kastration mit Betäubung, die Immunokastration (Jungebermast mit zweimaliger Impfung) sowie die Ebermast haben ihre Vorteile und Nachteile. Es gibt keinen Königsweg. Jeder Sauenhalter muss selbst das für ihn passende Konzept finden und umsetzen. Letztlich kann selbst das Wegbrechen der kleinstrukturieren Tierhalter und Vermarkter im süddeutschen Raum nicht ausgeschlossen werden. Gerade hier gibt es noch eine beträchtliche Anzahl Metzger, die Schweinefleisch von männlichen Tieren ohne Kastration strikt ablehnen. Auch in Italien lehnen Käufer von deutschem Schweinefleisch Ware von männlichen, nicht kastrierten Tieren rigoros ab.

Wird es Markverwerfungen geben? Was passiert mit den vielen Ferkeln (über 11 Mio. Stück) die aus den Niederlanden und aus Dänemark zur Mast nach Deutschland eingeführt werden? Was geschieht mit dem nicht unerheblichen Anteil von Schlachtschweinen, hauptsächlich aus den Niederlanden, die zur Vermarktung in Deutschland geordert werden? Wer schultert die zusätzlichen Kosten?

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Marktexperten

Herr Matthias Kohlmüller - AMI Experte für Fleischwirtschaft

Matthias Kohlmüller

Marktanalyst Fleischwirtschaft


Tel.: (030) 8109597-12
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu europäischen Organisationen (IMPA Meeting) und Mitglied im EU-Prognoseausschuss, Mitarbeit in Fachgremien und im Bundesmarktverband. Referent auf nationalen und internationalen Veranstaltungen.