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Hoffnung schwindet mit jedem Regentag

© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
10.08.2016

Die deutsche Getreide- und Rapsernte 2016 startete flott, aber mit schwachen Ergebnissen. Dann kam auch noch Regen dazu, der die Feldarbeiten verzögerte und die Qualität beeinträchtigte. Noch ist der Drusch nicht abgeschlossen und nicht alle Qualitäten sind ermittelt, aber bereits jetzt zeichnet sich ein sehr heterogenes und – nicht selten – enttäuschendes Ergebnis ab.

Schleswig-Holstein: Erste Weizenpartien lassen darauf schließen, dass es wieder Probleme mit dem Eiweißgehalt geben könnte, obgleich die Fallzahlen bislang noch in Ordnung waren. Die Erträge liegen bislang etwa 10-15 dt/ha unter dem Mittel der Vorjahre. Beim Roggen wird von bislang guten Qualitäten berichtet. Es ist kaum Befall mit Mutterkorn vorhanden. Die Rapserträge liegen rund 35 % unter Vorjahr.

Niedersachsen: Regenfälle unterbrechen ständig die Raps- und Getreideernte. Die Erträge fallen sehr heterogen aus und bleiben spürbar hinter den sehr guten Ergebnissen des Vorjahres zurück. Anfang August waren Wintergerste und Raps, außer in Höhenlagen und der Küstenregion, geräumt.

Die Weizenernte läuft stockend, allenfalls ein Drittel ist gedroschen. Bislang sind die gemessenen Fallzahlen noch stabil. Da weitere Niederschläge und steigende Temperaturen angekündigt sind, steigt die Gefahr von Auswuchs. Daher wird jetzt zunehmend auch bei Feuchtgehalten über 16 % gedroschen, so dass Nachtrocknung erforderlich wird. Proteingehalt und Hektolitergewicht liegen etwas niedriger als üblich, die Erträge verfehlen das Vorjahresergebnis um rund 10 %.

Die Roggenflächen sind erst zu etwa einem Viertel geräumt. Bislang wird aber von durchweg guten Brotgetreidequalitäten und normalen Erträgen berichtet. Sommergerste ist zu etwa 30 % gedroschen. Der Vollgerstenanteil von 90 % wird für Braugerste nicht immer erreicht. Der Proteingehalt ist oft überraschend niedrig, die Erträge 5-10 % unter Vorjahr.

Die Rapsernte brachte nicht einmal durchschnittliche Erträge, so dass auf einer leicht ausgedehnten Anbaufläche, das Vorjahresergebnis deutlich verfehlt wird.

Westfalen: Anfang August stand im östlichen Westfalen noch immer Raps auf den Feldern und es wurde zuletzt unter nassen Bedingungen gedroschen. Zum 4. August waren rund 10 % der Weizenbestände geräumt, die Partien weisen extrem unterschiedliche Fallzeilen auf, beginnend mit 80s. Die Naturalgewichte haben seit Beginn des Weizendrusches vor allem im Westen verloren und lagen zuletzt bei 72-75 kg/hl, so dass sich die anfänglichen Erwartungen von einem landesweiten durchschnittlichen Ergebnis, das wären 85,4 dt/ha, wohl letztendlich nicht erfüllen werden. Im Münsterland verfehlen die Qualitäten wohl häufiger die Backweizenstandards. In Ostwestfalen zeigen sich demgegenüber durchaus auch ansprechende Weizenpartien.

Roggen spielt in Nordrhein-Westfalen eine untergeordnete Rolle, auch hier schwächeln die Fallzahlen. Sommerbraugerste wurde bisher ohne Qualitätseinbußen gedroschen, die Proteinwerte passen, der Vollgerstenanteil liegt unter dem Durchschnitt. Triticale wurde vor den Regenfällen mit durchschnittlichen Erträgen und Qualitäten gedroschen.

Thüringen: Die Weizenernte läuft in den sonnigen Abschnitten auf Hochtouren. Die Ergebnisse im Norden des Landes sind durchweg gut. Auch wenn die Proteingehalte schwächeln, werden die Qualitätsstandards erreicht. Die Fallzahlen geben keinen Grund zur Besorgnis. Die Erträge schwanken stark, dürften sich im Mittel aber auf gutem Durchschnitt einpendeln. Es werden noch 5-6 trockene Tage benötigt, dann ist das Gros geräumt. Die Ende Juli getroffene Einschätzung des Bauernverbandes hinsichtlich der Menge dürfte sich nicht bestätigen. Vor allem Raps drosch deutlich schwächer als die genannten 37 dt/ha.

Saarland: Regenfälle sorgen für Unterbrechung der Ernte. In den vorangegangenen Tagen konnten erste Weizen- und Roggenpartien sowie erste Sommerbraugerste gedroschen werden. Beim Weizen zeichnen sich gegenüber Vorjahr geringere Hektolitergewichte im Bereich von 74-75 kg/hl ab. Die Proteingehalte werden vom Erfassungshandel jedoch als gut bezeichnet. Die befürchtete Belastung mit Fusarien beschränkt sich bisher nur auf Einzelpartien. Roggen ist nur sehr selten mit Mutterkorn belastet.

Baden-Württemberg: Der Drusch von Wintergerste geht in den späten Gebieten dem Ende entgegen, der Drusch von Weizen und Sommergerste läuft auf Hochtouren. Erträge und Qualität werden durchweg als miserabel bezeichnet. Im Norden verfehlte die Sommergerstenernte mit 50-55 dt/ha um ein Drittel das Vorjahresergebnis. Der Vollgerstenanteil ist mit 90 % zufriedenstellend, der Eiweißgehalt mit 9,5-11 % in Ordnung. Der Erfassungshandel rechnet insgesamt mit einer 25 % kleineren Getreideernte.

Wintergerste erreichte 40-75 t/ha, das Hektolitergewicht war mit 55-65 mäßig. Die Weizenernte am Oberrhein ist mit durchschnittlich 60 dt/ha und mit einem Ertragsdefizit von 20-40 % gegenüber Vorjahr enttäuschend. Die Naturalgewichte streuen sehr stark und erreichen im Schnitt gerade mal 73 kg. In einigen Partien zeigt sich Fusariumbefall. Roggen ist mit durchschnittlich 50 dt/ha eingefahren worden, die Qualitäten sind in Ordnung. Die Rapsernte fiel mit 41 dt/ha überraschend gut aus.

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Marktexperten

Frau Wienke von Schenck - AMI Expertin für Getreide und Ölsaaten

Wienke von Schenck

Marktanalystin Getreide und Ölsaaten


Tel.: (0228) 33805-351
Kontakt: AMI Expertenseite

Autorin von Fachbeiträgen und Analysen zum Getreide-, Futtermittel- und Ölsaatenmarkt, Referentin auf Veranstaltungen des Agribusiness, Mitarbeit in Fachgremien