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Kartoffelverwendung 2017/18 lässt großen Rest

Kartoffelverwendung 2017/18 lässt großen Rest
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
15.11.2017

(AMI) – Die große Ernte 2017 wird nicht vollständig zu vermarkten sein. Überschüsse wandern ins Futter oder in die Biogasanlage. 2018 sollten etwas weniger Kartoffeln angebaut werden, wobei der Megatrend Regionalität die Regionen dafür bestimmt.

Die beiden Vorjahre habe gezeigt, dass der Kartoffelbedarf in Deutschland irgendwo zwischen 11,5 und knapp 12 Mio. t liegt. Neben der eigenen Ernte wird er durch Importe von frischen Kartoffeln und durch Produktimporte gedeckt. Im aktuellen Wirtschaftsjahr ist angesichts der niedrigen Preise vor allem ein Rückgang bei den Frischimporten zu erwarten. Dagegen sind die Liefermengen von Produkten zum Teil längerfristig vereinbart. Vermutlich wird der Produktimport diese Saison ähnlich groß wie 2016/17 ausfallen.

Weniger Export

Der Kartoffelexport könnte theoretisch einen Teil der diesjährigen Übermenge aufnehmen. Vermutlich wird das aber nur in Ausnahmefällen gelingen. So kann sich der steigende Absatz von Pommes frites am Weltmarkt wohl fortsetzen. Bei frischen Kartoffeln wird es viel schwieriger. Im Vorjahr flossen 200.000 t mehr als 2015/16 ins Ausland, weil dort vor allem Verarbeitungsrohstoff aus recht kleinen Ernten nicht zur Verfügung stand. Das ist dieses Jahr anders. Die Kunden sind teils so umfangreich mit Vertragsware von vor Ort eingedeckt, dass sie vielleicht sogar weniger als vor 2 Jahren benötigen. Speisekartoffeln, die vor allem nach Italien und Südosteuropa fließen, stehen 2017/18 in kräftigem Wettbewerb mit Frankreich.

Steigender Frischkartoffelverbrauch

In der Verwendungsbilanz der Kartoffelernte 2017/18 kann wohl ein höherer Anteil an frischen Speisekartoffeln verbucht werden. Diese Saison wird davon geprägt sein, dass mit frischen Speisekartoffeln sehr großzügig umgegangen wird und auch einige Qualitätsbürden zu tragen sind. Der von der BLE ausgewiesen Pro-Kopf-Verbrauch entstammt einer Hoftor-Bilanz. Alles, was auf dem Vermarktungsweg noch verloren geht, ist mit enthalten. Zusätzlich scheint aber auch der Einkauf der privaten Haushalte in dieser Saison zu steigen.

Der Verbrauch von Kartoffelprodukten schwankt von Jahr zu Jahr, da er nur über die Herstellung von Kartoffelprodukten und das Saldo vom Außenhandel annäherungsweise bestimmt werden kann. Fest steht aber, dass er seinen Höhepunkt in der Summe schon im vergangenen Jahrzehnt erreicht hatte. Einige Produkte, wie Kartoffelchips, legten aber auch in den vergangenen Jahren noch zu, auch beim Pro-Kopf-Verbrauch. Dem Gesamtbedarf kommt eine gewisse Bevölkerungszunahme noch zu Gute.

Mehr Stärkekartoffeln

Der Verkauf von Kartoffelstärke lief vor allem am Weltmarkt im Vorjahr und auch zuletzt gut. Die Industrie hat nach einem jahrelangen Schrumpfungsprozess dieses Jahr etwas mehr Rohstoff anbauen lassen. Darüber hinaus sind Kartoffeln aus anderen Bestimmungen günstig und überschüssig, so dass man sich dies zu Nutze macht. Vermutlich werden aber auch hier nicht so viele Kartoffeln kurzfristig verwertet, dass der Markt nachhaltig entlastet wird.

Zu guter Letzt müssen ein paar Kartoffeln übrigbleiben, um sie 2018 wieder in die Ernte zu stecken. Es sollten weniger als 2017 sein.

Anbaueinschränkung tut Not

Wenn Ernte und Importe 2017/18 auf alle möglichen Verwendungen aufgeteilt sind, verbleibt noch ein ziemlich großer Rest. Einiges geht immer aus Qualitätsgründen in den Futtersektor oder wird Biogasanlagen zugeführt. 400.000 t dürften dafür ausreichen. In dieser Saison bleiben aber wohl 900.000 t übrig. 500.000 t Kartoffeln wurden 2017 also völlig umsonst geerntet. Das schadet allen Beteiligten, die sich für 2018 auf eine Anbaueinschränkung vor allem in den Überschussgebieten verständigen sollten. Da der Markt im Frischesegment Regionalität verlangt, müssen darüber hinaus vielleicht sogar einige Kartoffeln woanders produziert werden als bisher.

Eine etwas ausführlichere Darstellung der Verwendungsbilanzen wurde in Markt aktuell Kartoffeln veröffentlicht. Alle zu Grund liegenden Daten werden ausführlich in der Markt Bilanz Kartoffeln 2017/18 veröffentlicht, die für den Bezug ab Mitte Dezember nun bestellt werden kann.

Marktexperten

Christoph Hambloch

Christoph Hambloch

Marktanalyst Kartoffeln


Tel.: (0228) 33805-352
Kontakt: AMI Expertenseite

Autor von Fachbeiträgen und Produktstudien, langjährige intensive Kontakte zu nationalen und internationalen Unternehmen der Kartoffelbranche. Mitglied von Fachgremien und Institutionen im Bereich Kartoffelanbau.