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Milchanlieferungen in der EU zunehmend rückläufig

Milchanlieferungen in der EU zunehmend rückläufig
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
15.11.2016

Seit Juni zeigen sich beim Milchaufkommen in der EU im Vorjahresvergleich rückläufige Tendenzen. Diese Entwicklung hat sich in Richtung Herbst spürbar verstärkt. In der Summe war die Milchanlieferung in der Gemeinschaft in den ersten neun Monaten dieses Jahres dennoch umfangreicher als im Jahr zuvor. Ausschlaggebend hierfür waren die deutlichen Produktionsanstiege, die noch im ersten Quartal zu verzeichnen waren. Der Mengenvorsprung nimmt aber seit der Jahresmitte schrittweise ab und dürfte bis zum Jahresende nahezu vollständig abgeschmolzen sein.

Ab Mitte 2016, und damit deutlich später als bei den anderen bedeutenden Exporteuren von Milchprodukten, ist es in der EU zu einer Mengenreaktion auf die niedrigen Milcherzeugerpreise gekommen. Seither bewegt sich das Milchaufkommen auch hier unter der Vorjahreslinie. Zum Ende des dritten Quartals hat sich der Produktionsrückgang in der Gemeinschaft spürbar verstärkt. Nach Berechnungen der AMI haben die von den Molkereien in der EU erfassten Milchmengen im September um 2,8 % unter dem Vorjahresniveau gelegen. Das war der bislang stärkste Rückgang in diesem Jahr. In den Monaten Juni bis August betrug die Abnahme zwischen 0,7 % und 1,7 %. Mit dem deutlicheren Rückgang sank das Milchaufkommen nicht nur zunehmend unter das Vorjahresergebnis, im September wurde zudem erstmals auch das Niveau von 2014 leicht unterschritten.

Insgesamt wurden von Januar bis September EU-weit rund 117 Mio. t Milch erfasst. Damit fiel das Rohstoffaufkommen um knapp 2,0 Mio. t umfangreicher aus als im entsprechenden Zeitraum von 2015. Im Tagesschnitt entspricht dies einem Anstieg um 1,4 %. In Folge der seit der Jahresmitte rückläufigen Milchmengen hat sich der Vorsprung vom Jahresbeginn mittlerweile wieder deutlich verringert. In den ersten fünf Monaten lag der Zuwachs noch bei 3,8 %.

Wie geht es bis zum Jahresende weiter?

Zum Ende des dritten Quartals war das Wachstum der Milchmengen in den meisten Mitgliedstaaten unterbrochen. Dadurch lag das Rohstoffaufkommen dort zumeist unterhalb der Vorjahreslinie. Hinsichtlich der weiteren Entwicklungen bleibt abzuwarten, ob und wenn ja in welchem Umfang die wieder anziehenden Milchpreise die Milchproduktion im letzten Viertel des Jahres stimulieren werden. Teils sind die Erzeugerpreise wieder deutlich gestiegen und in den kommenden Monaten werden weitere Aufschläge folgen. Dem stehen derzeit jedoch die im bisherigen Jahresverlauf erhöhten Kuhschlachtungen und in Folge dessen EU-weit rückläufigen Milchkuhbestände entgegen. In der Summe der Gemeinschaft wurden im Mai mit rund 23,5 Mio. Milchkühen rund 0,7 % mehr Tiere gehalten als vor Jahresfrist. Nach dem zuvor nahezu flächendeckenden Bestandsaufbau waren zuletzt steigende Bestandszahlen wieder eher die Ausnahme.

Da sich die rückläufigen Tendenzen bei der Milchanlieferung in den mengenmäßig bedeutenden Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich im Oktober weiter verstärkt haben und auch in Irland zuletzt kein Wachstum mehr zu verzeichnen war, ist zu erwarten, dass sich die Milchanlieferung in der EU im Verlauf des vierten Quartals zunächst weiterhin unterhalb des Vorjahresniveaus bewegen wird. Damit wird der Mengenvorsprung aus dem ersten Halbjahr bis zum Jahresende voraussichtlich sukzessive aufgezehrt werden.

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Marktexperten

Herr Andreas Gorn - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Andreas Gorn

Marktanalyst Milch und Milchprodukte


Tel.: (0228) 33805-100
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu Milcherzeugern, Molkereien und dem Handel. Mitarbeit in Fachgremien, Referent auf Fachveranstaltungen.