Login

Milchpreise: Wende eingeleitet

Milchpreise: Wende eingeleitet
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
01.09.2016

Nach einer langen Phase des Abschwungs sind die Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch in Deutschland im Juli wieder gestiegen. Damit hat sich die Erholung an den Märkten für Milch und Molkereiprodukte auf der Erzeugerebene niedergeschlagen. Auch in den kommenden Monaten ist mit weiteren Aufschlägen zu rechnen.

Nach ersten Berechnungen der AMI lag das Bundesmittel für konventionell erzeugte Kuhmilch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß im Juli bei 23,2 Ct/kg. Das waren knapp 0,4 Ct mehr als im Monat zuvor. Nach wie vor bewegten sich die Preise jedoch deutlich unterhalb der Vorjahreslinie, auch wenn sich der Rückstand in den vergangenen zwei Monaten verkürzt hat. Mit einem Minus von 5,0 Ct fiel dieser im Juli jedoch beträchtlich aus, zumal das Niveau bereits im Jahr 2015 ausgesprochen niedrig war.

Stabilere Ausgangsbasis

Mit dem leichten Plus im Juli sind die Erzeugerpreise erstmals wieder gestiegen, nachdem sie zuvor über zwei Jahre hinweg nahezu ungebremst gefallen waren. Zwar konnten die Milchviehhalter auch im vergangenen Jahr zeitweilig leichte Anstiege verzeichnen, allerdings waren diese Phasen jeweils von kurzer Dauer. Zudem waren die Ausgangsbedingungen damals völlig anders. Hier sind zum einen die Bremsmanöver der Milcherzeuger unmittelbar vor dem Auslaufen der Quote im Frühjahr 2015 zu nennen. Diese hatten dazu geführt, dass die Milchanlieferung kurzfristig hinter den Erwartungen zurückblieb und im Zuge dessen die Preise leicht zulegen konnten. Zum anderen hatte es auch gegen Jahresende nochmals einen temporären Anstieg gegeben. Ausschlaggebend hierfür waren die im Herbst 2015 vorübergehend leicht festeren Tendenzen an den Produktmärkten sowie die höheren Abschlüsse zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel bei abgepackter Butter und Trinkmilch. Im Zuge dessen hatten einige Molkereien ihre Auszahlungsleistungen angehoben. In beiden Fällen war es jedoch zu keiner wesentlichen Änderung der Fundamentaldaten am Milchmarkt gekommen. Weltweit blieb das Angebot hoch und die Preise am Spotmarkt sowie für Industrieprodukte lagen weiter im Keller.

Demgegenüber stellt sich die Situation derzeit anders dar. Das globale Rohstoffangebot hat sich zur Jahresmitte 2016 reduziert. Auch in Deutschland sind die Milchmengen rückläufig. In den vergangenen Wochen sind diese sogar überproportional gesunken, sodass sich die Milchanlieferung mittlerweile nicht nur unter dem Niveau von 2015, sondern auch unter dem des Jahres 2014 bewegt. Vor diesem Hintergrund haben zunächst die Preise an den Spotmärkten zugelegt. Mit zeitlicher Verzögerung folgten dann die Industrieprodukte Pulver und Blockbutter, wobei der Anstieg auf der Fettseite stärker ausfiel als auf der Eiweißseite. Hingegen können die Preise bei Milchfrischprodukten mit dieser Entwicklung derzeit nicht mithalten. Trinkmilch und andere Produkte der weißen Linie sind oftmals in längerfristigen Kontrakten gebunden. So gelten die aktuellen Trinkmilchpreise noch bis Ende Oktober. Erst für die Zeit ab November werden im Herbst neue Preise verhandelt. Daher haben Molkereien mit starker Ausrichtung auf Frischprodukte derzeit das Nachsehen.

Eine ausführliche Analysezu den Preisen für konventionell erzeugte Milch einschließlich einer regionalen Betrachtung finden Sie in unserem Onlinedienst Markt aktuell Milchwirtschaft. Daneben stellen wir Ihnen folgende Excel-Tabellen zum Download zur Verfügung:

  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis Juli
  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit natürlichen Inhaltsstoffen bis Juni
  • Preise für ökologisch/biologisch erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis Juli

Sie sind noch kein Kunde und möchten vom Expertenwissen der AMI profitieren? Dann nutzen Sie die Bestellmöglichkeiten in unserem Shop, und sichern Sie sich noch heute Ihren persönlichen Zugang zum Markt aktuell Milchwirtschaft.

Marktexperten

Dr. Kerstin Keunecke - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Dr. Kerstin Keunecke

Marktanalystin Milch und Milchprodukte


Tel.: (0228) 33805-101
Kontakt: AMI Expertenseite

Autorin von Fachbeiträgen und Produktstudien zum Milchmarkt, Analystin für den Milchpreisvergleich, vielfältige Kontakte zu Molkereien und Unternehmen der Milchbranche.