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Mit den Milchpreisen geht es wieder vorsichtig aufwärts

Mit den Milchpreisen geht es wieder vorsichtig aufwärts
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
04.10.2016

Im August hat sich die Erholung der Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch in Deutschland fortgesetzt. Ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau war es bereits im Juli zu einer ersten Befestigung gekommen.

Zuvor hatte eine lange Phase des Abschwungs die Auszahlungsleistung der Molkereien von rund 40 Ct/kg Anfang 2014 bis zur Mitte 2016 nahezu halbiert. Seit Juli dieses Jahres schlägt sich aber die Erholung an den Spot- und Produktmärkten für Milch und Molkereiprodukte auch auf der Erzeugerebene nieder. An dieser Entwicklung wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Monaten nichts ändern, vielmehr dürften die Anstiege beim Milchgeld sogar von Monat zu Monat zunehmen.

Nach Schätzung der AMI zahlten die Molkereien im August im bundesweiten Mittel 23,8 Ct/kg für konventionelle Kuhmilch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Damit legte die Auszahlungsleistung gegenüber Juli um rund 0,6 Ct zu, nachdem im Vormonat mit knapp 0,4 Ct noch ein moderaterer Anstieg zu verzeichnen gewesen war. Auch wenn sich der Rückstand gegenüber 2015 seit Mai schrittweise verringert hat, lagen die Preise nach wie vor deutlich unter dem Vorjahresniveau. Selbst bezogen auf das vergleichsweise niedrige Niveau von 2015 fehlten im August gut 4 Ct, vom August 2014 war man im Bundesmittel stolze 13 Ct entfernt. Für die ersten acht Monate dieses Jahres ergibt sich im gesamten Bundesgebiet ein Durchschnittspreis von 24,7 Ct/kg. Damit wurden rund 4,5 Ct weniger ausgezahlt als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Entwicklungen an den Produktmärkten bringen Trendwende bei den Erzeugerpreisen

Der deutsche Milchmarkt hat sich im August produktseitig erstaunlich fest gezeigt. In der tendenziell nachfrageschwachen Ferienzeit, die üblicherweise eher Dellen in den Preisverläufen verursacht, können die Preise an den Produktmärkten weiter zulegen. Ausschlaggebend hierfür war das deutlich unter dem Vorjahresniveau liegende Milchaufkommen, das bei vielen Milcherzeugnissen zu begrenzten Verfügbarkeiten und dadurch zu Preisanstiegen geführt hat. Der Umfang der Preisanstiege fiel dabei jedoch weiter sehr unterschiedlich aus: Industrieprodukte wie Blockbutter, Schnittkäse und Molkenpulver legten kräftig zu. Milchpulver zeigte dagegen einen moderateren Verlauf. Darüber hinaus kam es im Laden bei abgepackter Butter zu einer weiteren Preisanhebung. Ab Anfang August kostete ein 250 Gramm-Päckchen im Preiseinstiegssegment 9 Ct oder 10 % mehr als im Monat zuvor.

Auch in der EU und am Weltmarkt entwickelten sich die Preise für Milchprodukte im August bei überwiegend begrenzter Verfügbarkeit fester. Somit konnten die Molkereien neben dem Inlandsgeschäft auch im Binnenhandel mit Kunden aus anderen Mitgliedstaaten höhere Verwertungen für ihre Produkte generieren. Am Weltmarkt haben sich die Preise für Milchprodukte im August ebenfalls deutlich befestigt. Im Drittlandsgeschäft war heimische Ware durch den teils deutlichen Preisabstand zu den anderen Anbietern aber nur bedingt wettbewerbsfähig.

Es konnten jedoch nicht flächendeckend alle Produkte von den festeren Preistendenzen profitieren. Dort, wo üblicherweise längere Kontraktlaufzeiten verhandelt werden, blieben die Erlösmöglichkeiten im August auf dem niedrigen Niveau eingefroren. Dies ist beim Handel im Preiseinstiegssegment beispielweise bei Konsummilch und anderen Produkten der weißen Linie oder beim Schnittkäse der Fall. Die aktuellen Kontrakte laufen hier noch bis in den Herbst hinein. Neue Preise, die hier verhandelt werden, kommen zumeist erst im vierten Quartal dieses Jahres zum Tragen. Daher haben Molkereien mit starker Ausrichtung auf diese Produkte derzeit das Nachsehen. Insgesamt gingen die Verwertungen der einzelnen Produkte dadurch stark auseinander, was größtenteils auch die im bundesweiten Vergleich unterschiedlichen Intensitäten bei den zu beobachtenden Preisanstiegen erklärt. Dies hat auch dazu geführt, dass die regionale Spreizung der Milchpreise zuletzt wieder zugenommen hat. Zwischen dem am höchsten und dem am niedrigsten auszahlenden Bundesland lagen im August 3,9 Ct.

Eine ausführliche Analysezu den Preisen für konventionell erzeugte Milch einschließlich einer regionalen Betrachtung finden Sie in unserem Onlinedienst Markt aktuell Milchwirtschaft. Daneben stellen wir Ihnen folgende Excel-Tabellen zum Download zur Verfügung:

  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis August
  • Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit natürlichen Inhaltsstoffen bis Juli
  • Preise für ökologisch/biologisch erzeugte Kuhmilch 2015/2016 mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bis August

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Marktexperten

Herr Andreas Gorn - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Andreas Gorn

Marktanalyst Milch und Milchprodukte


Tel.: (0228) 33805-100
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu Milcherzeugern, Molkereien und dem Handel. Mitarbeit in Fachgremien, Referent auf Fachveranstaltungen.