Produktion und Handel global weiter auf Wachstumskurs

Produktion und Handel global weiter auf Wachstumskurs
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), Montag, 16.11.2020 - 13:36

(AMI) – Die weltweite Milcherzeugung und auch der internationale Handel mit Milchprodukten haben im Jahr 2020 weiter zugenommen, trotz der Marktstörungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Das geht aus dem aktuellen Food Outlook der FAO hervor.

Allen Widrigkeiten und Unsicherheiten im Zusammenhang mit COVID-19 zum Trotz hat der globale Milchmarkt sein Wachstum fortgesetzt. Für das Jahr 2020 erwarten die Experten der FAO einen Anstieg der weltweiten Milcherzeugung um 1,4 % auf insgesamt 860 Mio. t. Dabei gehen die Experten von steigenden Tendenzen in nahezu allen Regionen aus. Absolut betrachtet, dürften diese in Asien am deutlichsten ausfallen, gefolgt von Europa und Nordamerika. Von überdurchschnittlichen Zuwächsen wird darüber hinaus in Ozeanien und Mittelamerika ausgegangen. Südamerika wird die Vorjahresmengen dagegen voraussichtlich nicht erreichen.

Das für 2020 in etwa gleichem Umfang erwartete Wachstum wie im Vorjahr beruht auf sich abzeichnenden Produktionsausweitungen in den bedeutenden Milch erzeugenden Ländern, insbesondere in Indien, der EU und den USA. In China und Russland beflügelt der Herdenausbau in den großen Milchviehbetrieben das Wachstum, in Neuseeland und Australien die nach Hitzeperioden und Dürren wieder günstigere Witterung.

Wachstumsmotor Asien

In Asien wird 2020 ein Anstieg der Milchproduktion auf 362 Mio. t erwartet. Das entspräche einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 2,0 % oder knapp 7,0 Mio. t. Die zusätzlichen Mengen stammen laut Schätzung der FAO vorrangig aus Indien, Pakistan und China. Indien, der weltweit größte Milchproduzent, steigert seine Erzeugung voraussichtlich um 2,1 % auf 195,0 Mio. t. Das macht mehr als die Hälfte des Zuwachses Asiens aus. In China und Pakistan wird ein überdurchschnittlicher Anstieg um jeweils rund 3 % erwartet. Für das Reich der Mitte bedeutet das gegenüber 2019 zusätzliche 1,1 Mio. t Milch, die überwiegend auf Bestandsaufstockungen in den Großbetrieben zurückzuführen sind. Darüber hinaus gab es nennenswerte Ausweitungen bei der Produktion in der Türkei. Hier dürften die Milchmengen das Vorjahresniveau um 1,9% übertreffen. In den weiteren asiatischen Staaten gehen die Experten gegenüber 2019 von einer leicht stabilen bis leicht steigenden Erzeugung aus. Rückläufig wird für 2020 lediglich die Entwicklung im Iran eingeschätzt.

Deutliche Zuwächse auch in Europa

In Europa wird die Milchproduktion 2020 nach Schätzungen der FAO mit rund 228,7 Mio. t die Vorjahresmenge um knapp 2,4 Mio. t oder 1,0 % übertreffen. Dies ist im Wesentlichen die Folge der Entwicklungen in der EU, auf die knapp drei Viertel der Milchmenge Europas entfällt. In der Gemeinschaft werden rund 2,0 Mio. t mehr Milch erwartet. Dieses Wachstum wird nach Einschätzung der EU-Kommission durch einen Anstieg der Milchleistung und eine geringere Herdenreduktion aufgrund verzögerter Schlachtungen generiert. In Russland steigen die Mengen voraussichtlich um 2,0 %, was gegenüber 2019 zusätzliche 0,6 Mio. t bedeutet. Auch Belarus legt zu, mit 4,8% sogar deutlich überdurchschnittlich. In der Ukraine kommt es hingegen zu einem weiteren Rückgang der Milcherzeugung.

USA beflügelt Amerikas Milchproduktion

Für den amerikanischen Kontinent gehen die Experten der FAO für das Jahr 2020 von zusätzlichen Mengen im Umfang von knapp 1,7 Mio. t oder 1,0 % aus. In der regionalen Betrachtung wird dieses Wachstum nahezu vollständig in Nordamerika generiert. Dort dominieren die erwarteten Produktionsausweitungen in den USA um 1,8 % das Bild. Für Kanada stellt sich die Situation im Vorjahresvergleich derweil weitgehend stabil dar. In Südamerika bewegt sich die Milcherzeugung in der Summe leicht unter dem Vorjahresergebnis, allerdings bei national uneinheitlichen Entwicklungen. Zuwächsen in Argentinien und Uruguay stehen rückläufige Erwartungen in Brasilien und Columbien gegenüber.

Erholung in Ozeanien

In Ozeanien zeichnet sich mit der Entspannung der Witterungslage eine Erholung ab. Hier wird für 2020 ein Mengenwachstum um 2,2 % erwartet, nachdem die Milchwirtschaft in Down Under zuvor arg von Hitze und Trockenheit gebeutelt gewesen waren. Insbesondere in Australien hatten Defizite an Wasser und Futter zu einem massiven Bestandsabbau in den Milchkuhherden und damit zu einem deutlichen Rückgang der Milchproduktion geführt. Mit Verbesserung von Witterung und Versorgungslage der Tiere hat sich mittlerweile eine Erholung eingestellt. Neuseeland legt dabei im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich um 1,3 % auf 22,1 Mio. t zu. In Australien, wo zuvor der Rückgang stärker ausgeprägt war, wird mit einem Plus von 4,6 % auch ein deutlicherer Anstieg erwartet, was dort zu einer Produktion von 9,2 Mio. t. führen dürfte.

Die Milchproduktion in Afrika fällt in diesem Jahr voraussichtlich um 0,3 % umfangreicher aus als 2019. Bei überwiegend steigenden Tendenzen in den mengenmäßig bedeutenden Staaten sollen nach Schätzungen der FAO die umfangreichsten Anstiege auf Kenia und Ägypten entfallen.

Welthandel trotzt COVID-19

Der globale Handel mit Milchprodukten wird 2020 ebenfalls zunehmen. In Milchäquivalent werden nach Schätzungen der FAO 1,5 % mehr Milchprodukte am Weltmarkt umgeschlagen als im Vorjahr. Die Experten tragen damit der Erholung der internationalen Nachfrage im zweiten Halbjahr Rechnung, die in der ersten Hälfte in Folge der Corona-Pandemie spürbar geschwächelt hatte. Im Juni-Outlook war die FAO noch von einem Rückgang um 4,1% ausgegangen. Mit der aktuellen Schätzung entspricht der Anstieg für 2020 in etwa der durchschnittlichen Wachstumsrate der vergangenen fünf Jahre. Im Zuge der wachsenden Milchmengen blieb der Anteil der Waren, die international gehandelt werden, mit 9,1 % im Vergleich zum Vorjahr stabil.

Die weitere Belebung ist, nach Einschätzung der FAO, weitgehend auf die anhaltend hohe Nachfrage zurückzuführen, insbesondere durch das Wiederaufleben der wirtschaftlichen Aktivitäten in China. Hinzu kommt eine Zunahme des Importbedarfs in Algerien, Saudi-Arabien und Nigeria, was auf die Erholung bei den Erdölpreisen zurückgeführt wird. In Folge einer zunehmenden Binnennachfrage werden auch die Einfuhren Australiens, Kolumbiens und Russlands voraussichtlich höher ausfallen als im Vorjahr. Im Gegensatz dazu erwarten die FAO-Experten unter anderem einen starken Rückgang der Importe seitens der Philippinen, Mexiko und Japan. Als Ursache dafür werden Marktverwerfungen und wirtschaftliche Abschwünge aufgeführt.

EU und USA stärken ihre Marktposition

Auf der Nachfrageseite profitierten im laufenden Jahr in erster Linie die Exporteure auf der Nordhalbkugel vom erhöhten Bedarf. Insbesondere die USA haben deutlich mehr Milchprodukte ausgeführt. Vor allem Magermilch- und Molkenpulver verzeichneten kräftige Anstiege, aber auch die übrigen Produkte legten zumeist zu. Vorrangig Länder in Südostasien, sowie China und Japan fragten mehr Ware aus den USA nach. Nach Mexiko und Südamerika wurde hingegen weniger geliefert. Auch die EU konnte höhere Mengen auf den Weltmarkt exportieren. Neben dem wichtigsten Exportprodukt Käse verzeichnen auch Butter sowie Molkenpulver und Vollmilchpulver Zuwächse. Verstärkte Exportaktivitäten kommen wohl auch in Argentinien und Belarus zum Tragen. Dem stehen voraussichtlich rückläufige Ausfuhren von Australien und Neuseeland gegenüber. Hier war durch witterungsbedingt reduzierte Milchmengen im Vorjahr ein geringeres Angebot vorhanden. Zudem werden auch in Indien und der Türkei geringere Ausfuhren erwartet, insbesondere durch vorhandene Lagerbestände und schwächere Verläufe der Wirtschaft in den Abnehmerländern.

Preisniveau kurzfristig von Corona gedämpft

Preislich hat der Weltmarkt auf das höhere Angebot in Verbindung mit der zwischenzeitlichen Nachfrageberuhigung reagiert. Mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie kam es durch Engpässe in der Logistik, geringere Absätze im Food-Service und einer Verunsicherung der Marktteilnehmer zu einem Einbruch der weltweiten Importnachfrage. Diese zog zwischen Februar und Mai 2020 Preisrückgänge nach sich. In der zweiten Jahreshälfte setzte jedoch eine Erholung ein. Im Oktober erreichte der FAO-Index erstmals wieder das Niveau von vor der Pandemie. Beflügelnd hierfür wirkten die anhaltende Importnachfrage aus China, die Belebung der Einfuhren in einigen erdölabhängigen Ländern und die Zunahme der Binnennachfrage in Europa. Die Preise für Magermilchpulver erfuhren dadurch die stärkste Erholung, gefolgt von Butter, Vollmilchpulver und Käse.


Marktexperten

Herr Andreas Gorn - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Andreas Gorn

Marktanalyst Milch und Milchprodukte


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Intensive Kontakte zu Milcherzeugern, Molkereien und dem Handel. Mitarbeit in Fachgremien, Referent auf Fachveranstaltungen.