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Schweinepreise ausgereizt?

© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
13.07.2016

Seit Anfang Mai haben sich die Schweinepreise von 1,28 EUR/kg SG auf nunmehr 1,66 EUR/kg SG empor geschraubt. Mitte Juli legten die Preismelder eine Verschnaufpause ein. Von Seiten einiger Schlachtereien werden nunmehr wieder nachgebende Schweinepreise ins Felde geführt. Es gibt mehrere Unsicherheiten, welche Fakten überwiegen?

Die Mutmaßung rückläufiger Schweinepreise ist nicht aus der Luft gegriffen. So schnell wie Schlachtschweine teurer wurden, konnten die Fleischpreise im inländischen Handel nicht Schritt halten. Eine AMI-Auswertung von Abgabepreisen der großen Schlachtereien gegenüber industriellen Großeinkäufern zeigt, dass im Teilstückverkauf keine kostendeckende Kalkulation zwischen den deutlich erhöhten Einstandspreisen und den Erlösen im Fleischverkauf gegeben ist. Bei den Schinkenpreisen fehlen sogar rund 5 Cent gegenüber den Preisen von vor einem Jahr. Bei Nacken und Lachsen fehlen im Vergleich der Schweinepreise und der dazu erforderlichen Erlöse vom Vorjahr zwischen 20 bis 50 Cent. Preiserhöhungen im Lebensmitteleinzelhandel setzen oft erst zeitversetzt und nicht im Gleichklang zu den tatsächlichen Verteuerungen ein. Zumal im Lebensmitteleinzelhandel die Schweinefleischnachfrage der Privathaushalte von Januar bis Mai des aktuellen Jahres 4 % unter Vorjahresniveau lag. Der Verkauf von Bratwurst lag im Mai sogar knapp 7% unter dem Niveau des Vorjahres. Damit trifft wieder einmal die Aussage zu: enttäuschende Grillsaison trotz anderslautender Mutmaßungen (Fußball-EM und sommerliche Witterung). Die letztgenannten Fakten sind auch Gründe dafür, warum es immer noch Großeinkäufer auf Seiten der nachgelagerten Handelsstufen gibt, die von Preiserhöhungen nichts hören wollen.

Antriebsfeder: China-Sog
Ein Produktionseinbruch der Schweinefleischerzeugung in China bescherte den Schweinepreisen dort eine neues Rekordhoch von deutlich über 3 EUR/kg SG. Seit Jahresbeginn haben sich die Schweinefleischimporte Chinas fast verdoppelt. Dies geschah im gleichem Atemzug mit diversen neuen Exportlizenzen von lieferfähigen Betrieben in Deutschland für den Versand nach China. Chinas Importeure verlangen allerdings von deutsche Lieferanten Ware mit garantiert deutscher Geburt, Mast, Schlachtung und Zerlegung in Deutschland. Damit setzte ein intensiver Wettbewerb um solche Lieferanten ein, der der eigentliche Auslöser der kräftigen Schweinepreisentwicklung war.

Wie geht es weiter?
Das derzeit relativ hohe Preisniveau am Schweinemarkt ist Rückenwind in den nächsten Preisverhandlungsrunden mit dem LEH sowohl für Schlachter und Zerleger als auch für Fleischverarbeiter. Die jüngste Preisfindung am 13. Juli legte eine Verschnaufpause ein, auch um den Fleischvermarktern etwas Ruhe zu gönnen. Urlaubsbedingt steuert die Schweinefleischnachfrage ihrem Sommerloch entgegen. Entscheidend wird vielmehr sein, wie in preislicher Hinsicht deutsche und europäische Vermarkter die ab August üblichen neuen Lieferkontrakte mit China abschließen können. Es gibt dabei teils pessimistische Mutmaßungen, die sich aber flächendeckend noch nicht bestätigen lassen. Auch wenn jahreszeittypisch ein moderater Preisrückgang nicht ausgeschlossen werden kann, so sollten die Schweinepreise im dritten und vierten Quartal das Vorjahresniveau fortgesetzt übertreffen. Warum: Das Angebot an schlachtreifen Schweinen sollte im Vorjahresvergleich noch einmal deutlicher zurück pendeln als bisher und der intensive Wettbewerb um Lieferanten wird nicht abnehmen.

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Marktexperten

Herr Matthias Kohlmüller - AMI Experte für Fleischwirtschaft

Matthias Kohlmüller

Marktanalyst Fleischwirtschaft


Tel.: (030) 8109597-12
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu europäischen Organisationen (IMPA Meeting) und Mitglied im EU-Prognoseausschuss, Mitarbeit in Fachgremien und im Bundesmarktverband. Referent auf nationalen und internationalen Veranstaltungen.