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Situation in den Milchviehbetrieben weiter verschlechtert

Situation in den Milchviehbetrieben weiter verschlechtert
© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
16.09.2016

Für die deutschen Milcherzeuger hat sich die wirtschaftliche Situation im bisherigen Verlauf von 2016 weiter verschlechtert. Von Januar bis August ist die Marge aus den Erlösen und den variablen Kosten des Betriebszweiges Milchproduktion nach der kurzfristigen Erholung Ende 2015 erneut deutlich zurückgegangen. Ausschlaggebend hierfür waren im Wesentlichen die Entwicklungen auf der Erlösseite.

Hier haben die Milchpreise, die rund 90 % der Einnahmen dieses Produktionszweiges ausmachen, bis Juni um knapp 8 Ct/kg nachgegeben. Erst ab Juli kam es zu einer leichten Erholung, allerdings in kleinen Schritten und ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Die Erlöse für Altkühe, vor allem die Preise für Kälber sind im Betrachtungszeitraum leicht gestiegen, dies konnte die Verluste bei den Erzeugerpreisen jedoch nicht annähernd ausgleichen.

Bei den variablen Kosten haben sich in den ersten acht Monaten dagegen in der Summe betrachtet kaum Veränderungen gegenüber den letzten Monaten von 2015 ergeben, sodass sich der Erlösrückgang nahezu eins zu eins auch in der Marge niedergeschlagen hat.  


In der näheren Betrachtung waren die preislichen Entwicklungen bei den variablen Kosten unterschiedlich. Vom Jahresanfang bis zum August 2016 kamen für Futtergetreide und Milchleistungsfutter geringere Zukaufkosten zum Tragen. Dagegen verteuerten sich Zukauffuttermittel mit Sojakomponenten und auch bei der Position der sonstigen variablen Kosten kam es zu einer Erhöhung. Die Situation bei den Kosten für die Nachzucht und für das Grundfutter stellte sich darüber hinaus recht stabil dar.  
Die Marge aus Erlösen und variablen Kosten, die modellhaft für den Zeitraum Januar bis August 2016 mit rund 136 EUR/Kuh und Jahr ermittelt wurde, war die niedrigste in den vergangenen zehn Jahren. Selbst im Krisenjahr 2009 lag das Ergebnis, bezogen auf die ersten acht Monate, mit rund 195 EUR/Kuh und Jahr über dem aktuellen Ergebnis.

Aus der dargestellten Marge zwischen Erlösen und variablen Kosten sind in den Betrieben noch die Kosten für Arbeitserledigung, die Gebäudekosten sowie die sonstigen festen Kosten zu decken. Diese können regional und in Abhängigkeit von der Betriebsstruktur sehr unterschiedlich ausfallen. Zudem wirkt sich derzeit sehr stark aus, ob Betriebe in der jüngeren Vergangenheit investiert haben oder in abgeschriebenen Gebäuden wirtschaften. Unabhängig davon dürften aber in den ersten zwei Dritteln von 2016 die Gesamtkosten in weiten Teilen nicht vollständig von den Erlösen gedeckt worden sein. Phasenweise ist dies unter bestimmten Konstellationen wohl nicht einmal bei den variablen Kosten vollständig der Fall gewesen sein.

Die seit Juli 2016 wieder steigenden Tendenzen bei den Milcherzeugerpreisen machen Hoffnung auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den Milchviehbetrieben. Bis es zu einer vollständigen Kostendeckung oder gar einer Gewinnerzielung kommt, muss das Milchgeld jedoch noch deutlicher zulegen als dies im vergangenen Monat der Fall war. Im Laufe dieses Jahres ist diesbezüglich zwar eine weitere Verbesserung auf der Erlösseite zu erwarten, die Gewinnzone wird dabei aber flächendeckend wohl noch nicht erreicht werden können.

Weitere Informationen zur Lage und den Aussichten am Milchmarkt finden Sie in unserem Onlinedienst Markt aktuell Milchwirtschaft.

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Marktexperten

Herr Andreas Gorn - AMI Experte für Milch und Milchprodukte

Andreas Gorn

Marktanalyst Milch und Milchprodukte


Tel.: (0228) 33805-100
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu Milcherzeugern, Molkereien und dem Handel. Mitarbeit in Fachgremien, Referent auf Fachveranstaltungen.