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Wertschätzung in der Fleischbranche: Thema Nr. 1

© AMI
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI),
03.06.2016

Der gesellschaftliche Wandel wirkt sich zunehmend auch auf den Konsum von Fleisch aus. Im BranchenDialog Fleisch + Wurst, das von der GS1, sowie der Lebensmittelpraxis und von der Agrarmarkt Informations GmbH am 01. Juni 2016 veranstaltet wurde, erfuhren die Teilnehmer, wie die Bereiche Wertorientierung, Kommunikation und Medizin unsere Kochgewohnheiten und den Speiseplan verändern. Zudem ist das Zusammenwachsen von virtueller und realer Welt in allen produzierenden Industrien zu beobachten und macht auch vor der Fleischbranche nicht Halt.

Sara Mruck, Public Affairs Manager von der Nestle Deutschland AG, brachte hochinteressante Zukunftsszenarien unter dem Titel „Wie is(s)t Deutschland 2030?". Impulsgeber waren Folien, auf denen ein Kochroboter zusehen war, Fruchtgummis aus dem 3 D-Drucker, ein Lolly mit essbarer Grille, sowie ein virtueller Store in einer koreanischen U-Bahn. Die spannende Frage lautet „In welcher Zukunft möchten wir leben?“. Ein wichtiger Fakt dabei ist, dass die demografische Entwicklung entscheidende Rahmenbedingungen vorgibt: Bis zum Jahr 2030 wird sich der Anteil der jungen Bevölkerung deutlich verringern, hingegen die Gruppe der über 60 jährigen um ein Fünftel erhöhen. Die Einwohnerzahl in den großen Städten wird unbeirrt steigen und auch die Anzahl der 1- bis 2-Personenhaushalte. Nicht zuletzt vergrößert sich ungebremst die Zahl der Pflegebedürftigen. In Befragungen äußerten viele Konsumenten den Wunsch nach einer ressourcenschonenden Ernährung in einer werteorientierten Gesellschaft. Dem gemeinschaftlichen Essen als Erlebnis in einer entstrukturierten Gesellschaft wird ebenso eine hohen Bedeutung beigemessen. Den Abschluss bildeten folgende Schlussfolgerungen: Die Ernährung ist auch eine Frage der Weltanschauung. Der Außer-Haus-Verzehr „out of home“ und „on the go“ wird unbeirrt wachsen. Für den Lebensmitteleinzelhandel ist es wichtiger denn je, dem Verbraucher mehr Informationen zur ressourcenschonende Ernährung zu geben und nachhaltige Werte in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.

Dr. Angela Weydringer, Doktorandin der Martin-Luther Universität in Halle-Wittenberg, referierte zum Thema : Optimierung des Handelswertes von Jungebern und Mastschweinen. Der Verzicht auf die chirurgische Ferkelkastration erfordert ein Umdenken. Dazu wird das Anreizsystem und die Bewertung der Teilstücke weiter intensiviert werden müssen. Dies wird nur möglich über verstärkte vertragliche Regelungen mit den Mästern. Die Verzahnung mit der Landwirtschaft wird zunehmen und der Lebensmitteleinzelhandel muss sich stärker denn je einbinden.

Im Forum 2 mit dem Titel: „Kein Fleisch oder anderes Fleisch?“ erläuterte Joachim Hartung vom Landwirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen den Strategieplan: „Nachhaltige Nutztierhaltung in Nordrhein-Westfalen“. Um dauerhafte und umfassende Lösungen zu finden und zu implementieren, wird der Ansatz einer „Nachhaltigen Nutztierhaltung“ mit Gleichgewichtung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Komponenten sowie des Tierschutzes verfolgt. In einer Gesamtstrategie mit Handlungsfeldern Umwelt- und Tierschutz, Tiergesundheit, Baurecht sowie Kommunikation und in Zusammenarbeit der Akteure wurden und werden weiterhin verschiedene Maßnahmen zur Entschärfung der Konflikte erarbeitet und eingeleitet.


Die Nachfrage der privaten Haushalte in Deutschland nach Fleisch und Fleischwaren hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Setzt sich dieser Entwicklung fort und gewinnt möglicherweise noch an Dynamik? Oder ist der Veggie-Boom in der öffentlichen Wahrnehmung überzeichnet und es gibt sie doch noch, die Lichtblicke für die Fleischbranche? Dazu gab es Antworten von Thomas Els, Marktanalyst Verbraucherforschung der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI).


Hintergründe, Fakten und Trends zum Vieh-und Fleischmarkt erläuterte Matthias Kohlmüller ebenfalls AMI. Knackpunkt aktuell ist die Entwicklung der Preisempfehlung für Schlachtschweine, die innerhalb von nur 6 Wochen um 25 Cent stieg, was nicht ganz ohne Reibereien in den nachgelagerten Handelsstufen vonstatten ging.

Heiner Strömer, Geschäftsführer, Tönnies Livestock GmbH, brachte die aktuellen  Herausforderungen  auf den Punkt: Bio-Fleisch, Regionalität, Qualität und Tierwohl. Aber auch: Der ökonomische Druck nimmt zu, vor allem für kleine Strukturen.


In einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema: Wertschätzung und Verschwendung von Fleisch gab es rege, teils sachliche, teils emotionale und auch gegensätzliche Diskussionen. Einig waren sich alle: Fleisch verdient mehr Wertschätzung.  Welche praxistauglichen Lösungen dazu führen; hier gingen die Meinungen sehr weit auseinander.

Interessieren Sie sich auch für die aktuelle Marktlage und weitere Details zum Schweinemarkt? Nutzen Sie dafür unseren Onlinedienst Markt aktuell Vieh und Fleisch.

Marktexperten

Herr Matthias Kohlmüller - AMI Experte für Fleischwirtschaft

Matthias Kohlmüller

Marktanalyst Fleischwirtschaft


Tel.: (030) 8109597-12
Kontakt: AMI Expertenseite

Intensive Kontakte zu europäischen Organisationen (IMPA Meeting) und Mitglied im EU-Prognoseausschuss, Mitarbeit in Fachgremien und im Bundesmarktverband. Referent auf nationalen und internationalen Veranstaltungen.