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EU-Austritt

Brexit: Preisverfall für Käse, Kartoffeln und Gemüse befürchtet

am
08.02.2019

Kommt es zu einem harten Brexit, fürchtet der niederländische Bauernverband einen Preisverfall an den Agrarmärkten. Daher muss die EU für Lösungen sorgen, fordern die europäischen Verbände.

Emmentaler Käse

Der niederländische Bauernverband (LTO) warnt bei einem „harten“ Brexit vor Preiseinbrüchen bei bestimmten Agrarprodukten in ganz Europa. Laut LTO-Brexit-Fachmann Klaas Johan Osinga würde ein massiver Rückgang der Erzeugerpreise und daraus möglicherweise resultierende Einkommenskrisen auch die Landwirte und Gemüseanbauer betreffen, die nicht für den britischen Markt produzierten.

Laut LTO könnte das Vereinigte Königreich bei einem ungeregelten Austritt gemäß den Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO) zum Beispiel Einfuhrzölle auf Zierpflanzen, Kartoffelprodukte und Käse von etwa 8 beziehungsweise 14 und 120 Prozent erheben. Beeinträchtigt werden dürften auch die für die Niederlande wichtigen Absatzmärkte für Tomaten und Zwiebeln. In der Folge würde die britische Insel als Absatzziel für viele Branchen uninteressant werden.

Landwirtschaftliche Produkte, die bis dahin auf der britischen Insel vermarktet worden seien, würden auf andere Märkte drücken. Dann sei mit ernsthaften Marktungleichgewichten auf dem Festland zu rechnen, so der Verband. Die Landwirte würden deutlich weniger für ihre Erzeugnisse erlösen.

 

Offener Brief an Brexit-Chefverhandler

In einem offenen Brief an den Brexit-Chefverhandler der EU-Kommission, Michel Barnier, fordern Vertreter der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), der EU-Dachverbände der Ernährungswirtschaft (FoodDrinkEurope) sowie des Nahrungsmittelhandels (CELCAA) vereinfachte Verfahren bei der Zollabwicklung sowie Sonderregeln zur Lebensmittelsicherheit und zum Pflanzenschutzrecht.

Parallel dazu müssten allerdings auch die Anstrengungen, doch noch einen geregelten Austritt zu erreichen, fortgeführt werden, so die Dachverbände.

So könnte vereinfachtes Exportverfahren aussehen

Konkret wird bei einem ungeregelten Austritt und der dann geltenden Bedingungen der Welthandelsorganisation (WTO) gefordert, zeitlich vereinfachte Verfahren für die Lieferung von EU-Agrarerzeugnissen nach Großbritannien zu erlauben.

So sollen die betreffenden Waren für eine Übergangszeit bereits am Ort der Erzeugung abgefertigt werden dürfen. Auf diese Weise könnten lange Wartezeiten an der Grenze zum Vereinigten Königreich vermieden werden.

Zudem wird angeregt, Produkte, die vor dem Stichtag 30. März produziert, aber noch nicht ausgeliefert worden sind, von den Zollkontrollen noch gänzlich auszunehmen.

Mit Material von AgE
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