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Landwirtschaft und Coronakrise

Coronavirus: Schwere Krise für Italiens Bauern und Agrarwirtschaft

Italien
am Freitag, 06.03.2020 - 14:49 (Jetzt kommentieren)

Das Coronavirus hat massive Folgen für die italienischen Nahrungsmittel-Produzenten. Produktion und Absatz brechen ein.

Italien

Die explosionsartig steigende Zahl von Coronavirus-Infektionen in Norditalien wirkt sich massiv auf alle Bereiche des Agrarsektors des Landes aus. "Die Not, die der Agrarsektor durchmacht, ist offensichtlich und wir müssen alles tun, um den Druck zu mindern, der Unternehmen und Bauern zusetzt", schrieb die italienische Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova in einem Brief an die EU-Kommission.

Neben den Auswirkungen der Sperr- und Quarantäne-Maßnahmen kommen nun auch noch Forderungen nach Zertifizierungen von italienischen Nahrungsmitteln aus dem Ausland hinzu. "Wir können die von einigen ausländischen Behörden angeforderten zusätzlichen Zertifizierungen für italienische Waren nicht akzeptieren, da beim Umgang mit Lebensmitteln und Verpackungen keinerlei Infektionsrisiko besteht", sagte die Landwirtschaftsministerin Bellanova vor der Presse.

Und es zeichnet sich ein weiteres Problem ab: Einige europäische Länder wollen offenbar Vorschriften durchsetzen, die die Verfügbarkeit der in einigen Sektoren – wie dem Obst und Gemüsesektor - dringend notwendigen ausländischer Saisonarbeiter vor der nächsten Ernte spürbar verringern könnten. Italienische Bauern befürchten deshalb, dass ihre Ernten gefährdet sind, weil Saisonarbeiter aus Mittel- und Osteuropa nicht auf ihre Felder zurückkehren können.

In unserem Top-Thema können Sie alle Auswirkungen des Coronavirus auf die Agrarmärkte nachlesen.

Virus breitet sich explosionsartig aus

Corona Italien

Restriktive Maßnahmen hat die italienische Regierung bisher vor allem im Norden des Landes durchgesetzt. Südlich der Wirtschaftsmetropole Mailand hat die Epidemie dazu geführt, dass die Regierung eine „rote Zone“ definierte: Das sind elf Gemeinden, zu denen niemand Zugang hat oder die niemand verlassen kann.

Während die italienischen Behörden weiterhin große Schwierigkeiten haben, den Ausbruch des Coronavirus unter Kontrolle zu bringen und ein Unterstützungspaket für Unternehmen zusammenzustellen, warnen Industrieverbände und Vertreter des Lebensmittelsektors vor den ökonomischen Auswirkungen der Maßnahmen.

Italien hat zuletzt einen starken Anstieg der Coronafälle verzeichnet. Der italienische Zivilschutz meldete am Donnerstagabend 41 neue Todesfälle, das ist die höchste Opferzahl innerhalb eines Tages. Insgesamt starben damit seit Ausbruch der Epidemie in Italien bereits 148 Menschen. Zugleich wurden 769 neue Infektionsfälle bestätigt, insgesamt sind es in Italien nun 3.858, sagt Angello Borreli, Leiter der italienischen Zivilschutzbehörde.

Damit ist Italien das bislang am stärksten betroffene europäische Land. Und Norditalien ist das Epizentrum des Ausbruchs. Von den bestätigten Fällen befinden sich die meisten in der Lombardei, dann folgen die Regionen Venetien und Emilia Romagna.

Massive wirtschaftliche Folgen des Coronavirus

Lebensmittel Italien

Um die Krankheit einzudämmen und ihre Ausbreitung zu stoppen, haben die Behörden bislang ein Dutzend Städte gesperrt und Schulen, Universitäten und Unternehmen geschlossen. Premierminister Giuseppe Conte kündigte einen Notfallplan zur Quarantäne von Städten in den am schlimmsten betroffenen Gebieten - den „Roten Zonen“ - an. Die italienische Regierung stellt für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Wiederankurbelung der Wirtschaft 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Die Sperrmaßnahmen stellen nach Aussagen der Verbandes Lebensmittelindustrie „Federalimentare“ eine erhebliche Bedrohung für die Lebensmittelhersteller in den betroffenen Gebieten dar. In einer Erklärung warnte Ivano Vacondio, der Präsident des Verbandes, dass die „Schließung“ der nördlichen Regionen auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) massiv belasten könnte - wobei der Lebensmittelsektor besonders exponiert ist.

"Das Risiko einer Produktionsblockade der nördlichen Regionen nach dem Coronavirus-Ausbruch könnte das italienische verarbeitende Gewerbe, einschließlich des Lebensmittelsektors massiv bremsen", warnte Ivano Vacondio. Vacondio sagte weiter, es sei "noch zu früh", um das Ausmaß der Krise einzuschätzen, aber die Lebensmittelunternehmen verfolgen die Entwicklung mit "großer Besorgnis".

Vacondio warnte außerdem davor, dass die Reaktion auf das Coronavirus die wirtschaftliche Entwicklung im „produktivsten Teil des Landes“ bremsen und den „beschwerlichen Weg zur Erholung, den das gesamte System benötigt“ erheblich schwieriger machen wird. Die Lombardei und Venetien sind wirtschaftlich extrem wichtige Gebiete für Italien und machen zusammen etwa 32 Prozent des italienischen BIP aus, einschließlich der Emilia Romagna erwirtschaften die drei Regionen 41 Prozent des nationalen BIP.

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