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Produktionskosten explodieren

Diesel und Heizöl immer teurer – Bauern zahlen die Zeche

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am Freitag, 02.07.2021 - 12:38 (Jetzt kommentieren)

Eins ist klar: Für Landwirte wird das Jahr 2021 sehr teuer. Die Preise für Diesel, Heizöl und Strom steigen seit Monaten steil an.

Tanken.

Und ein Ende der gewaltigen Preisexplosion ist nicht Sicht. Anfang Juli befinden sich die Preise für Diesel und Heizöl auf dem höchsten Stand seit etwa drei Jahren. Tendenz: weiter steigend!

Hinzu kommt: Auch Strom kostet so viel wie noch nie zuvor. Und als wenn das noch nicht genug wäre, müssen die Bauern für die meisten anderen wichtigen Betriebsmittel  ebenfalls mehr Geld ausgeben – wie etwa für Dünger und Pflanzenschutz.

Ein wesentlicher Grund für die Preisexplosion sind die kräftig gestiegenen globalen Energie- und Rohölpreise. Dabei wirken zwei Faktoren: Einmal die Verknappung des globalen Rohölangebots durch die OPEC nach dem Preissturz im vorigen Jahr. Zum anderen die nach den massiven Corona-Schocks wieder stark wachsende globale Wirtschaft.

So hat sich das amerikanische Leichtöl WTI allein in diesem Jahr um rund 60 Prozent auf 75 USD je Barrel verteuert. Dieser Preissprung treibt natürlich auch die Kosten für Treibstoffe und die gesamte Produktion weit nach oben.

Gleichzeitig sind die internationalen Transportkosten wegen der weiterhin nicht funktionierenden Lieferketten sehr hoch bzw. steigen sogar weiter an. Das schlägt sich ebenfalls in steigenden Preisen für alle Produkte und Rohstoffe nieder.

Hinzu kommt aber noch anderer wichtiger Grund: Dieser verteuert die Produktion speziell für deutsche Landwirte und Unternehmen: Nämlich die neue CO2-Steuer. Diese Maßnahme wirkt direkt auf alle Energieträger– und indirekt auch auf sämtliche mit Energie hergestellte Produkte. Und diese Energie-Steuer wird nach dem Willen der Bundesregierung schrittweise weiter erhöht – von jetzt 25 Euro je Tonne CO2 auf 50 Euro bis 2025.

Dieselpreise erreichen fast Rekordhoch von 2018

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Die Dieselpreise sind sowohl für Ackerbauern als auch für Tierhalter ein enorm wichtiger Kostenfaktor. Im Juni lagen die Preise im Schnitt bei 1,375 Euro je Liter – das waren fast so hohe Preise wie zuletzt im November 2018 – also vor fast 3 Jahren.

Damit mussten die Diesel-Einkäufer rund 30 Prozent mehr für den Treibstoff ausgeben als im November 2020. Am heutigen Freitag (02.07) meldet das Onlineportal Benzinpreis.de einen durchschnittlichen Dieselpreis von 1,38 Euro je Liter – in einer großen regionalen Spannbreite von 1,34 bis 1,45 Euro. Der Preisanstieg geht also weiter.

Dabei treiben nicht nur die steigenden Rohöl- und sonstigen Energiepreise die Kosten für den Diesel nach oben. Die neue CO2-Steuer hat ebenfalls einen beträchtlichen Anteil am Anstieg der Diesel- und Treibstoffpreise. Der Verband der Mineralölwirtschaft (MWV) hat aus den aktuell mit 25 Euro je Tonne CO2 bepreisten Zertifikaten folgende Preisaufschläge (mit Mehrwertsteuer) errechnet: Für Superbenzin beträgt der CO2-Aufschlag 6,9 Cent je Liter und für Diesel und Heizöl jeweils 7,884 Cent pro Liter.

Mit steigenden CO2-Preisen steigen diese Kosten unabhängig von den jeweiligen Energie und Rohölpreisen weiter an und werden sich bis 2025 etwa verdoppeln. Doch auch ohne die CO2-Abgabe sind die Steuern bei Diesel schon hoch: Bei einem Preis von 134 Cent je 100 Liter, beträgt die Mineralölsteuer immerhin 47 Cent und die Mehrwertsteuer 21,5 Cent.

Heizölpreise gehen durch die Decke – Plus 65 Prozent

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Für Heizöl sind die Preise in diesem Jahr noch stärker gestiegen als für Diesel. Anfang Juli meldet der Branchendienst tecson Heizölpreise von 72,5 Euro je 100 Liter. Das sind die höchsten Preise seit November 2018 – also ebenfalls seit knapp 3 Jahren. Im Monat Juni mussten durchschnittlich 70,5 Euro gezahlt werden – das sind 65 Prozent mehr als im November 2020.

Tescon beobachtet Anfang Juli außerdem weiter steigende Heizölpreise. In Erwartung, dass die OPEC die Ölfördermengen nur moderat erhöht, sind die Rohölpreise weiter gestiegen. Mit dieser Preisvorgabe haben viele Händler nach Einschätzung von Tescon ihre Preise um 0,25 bis bis 0,75 ct/l erhöht. Tscon sagt weiter: Mit dem sich abzeichnenden Opec-Beschluss werden die Ölpreise weiter anziehen. Zudem erwartet der Heizölhandel für den Herbst einen Bestellboom, dem man wohl besser zuvorkommen sollte.

Damit zeigt die weitere Preisentwicklung aus Sicht des Branchendienstes in den nächsten Monaten weiter nach oben. Allerdings wird diese Entwicklung sehr stark von der weiteren Entwicklung bei Rohöl abhängen. Sollte es hier zu stärkeren Ausschlägen kommen, werden die Heizölpreise rasch folgen.

Zuletzt noch zu den Steuern, die Verbraucher und Landwirte bei Heizöl auch schon ohne die CO2-Abgabe zahlen müssen: Bei einem Preis von 66,3 Cent je 100 Liter, beträgt die Mineralölsteuer 6,14 Cent und die Mehrwertsteuer 10,59 Cent.

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