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Produktionskosten und Betriebsmittel

Darum sind Diesel, Heizöl und Strom so verdammt teuer

Tanken.
am Montag, 27.09.2021 - 12:01 (2 Kommentare)

Landwirte müssen für Diesel, Heizöl und Energie immer mehr Geld ausgeben. Und ein Ende der Kostenspirale ist nicht in Sicht.

erdgaspreise.

Landwirte, Unternehmen und Verbraucher kämpfen mit einem explosionsartigen Anstieg der Energiepreise. Die Folge: Die Kosten für die Produktion, Transport und Heizen steigen dramatisch an. Dabei gehen nicht nur die Preise für Erdgas und andere fossile Energieträger durch die Decke. Auch Agrardiesel, Heizöl und Strom kosten so viel wie seit Jahren nicht.

Gleichzeitig haben sich die Preise für die sogenannte Verschmutzungsrechte an der EEX – dass ist Handel mit CO2-Zertrifkaten – seit Jahresbeginn auf den neuen Rekordwert von 62 Euro je Tonne verdoppelt. Offenbar eine unerwartete Folge der Verschärfung der Reduktionsziele durch die Kommission auf der einen Seite und der kräftig anziehenden Nachfrage nach knapper fossiler Energie (Gas, Öl und auch Kohle) auf der anderen Seite. Der Gaspreis am wichtigsten europäischen Handelsplatz in Amsterdam hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Ähnlich steil steigen aber auch die Großhandelspreise in Deutschland und anderen Europäischen Ländern und ziehen die übrigen Energiekosten mit.

Damit Energie wird plötzlich zum knappen und teuren Gut, nicht nur in Europa sondern weltweit. Allerdings steigen die Preise in Europa wegen der spezifischen europäischen Energiepolitik am stärkten. Im Vereinigten Königreich haben einige kleinere Energieunternehmen bereits Insolvenz angemeldet und an den Tankstellen bilden sich wegen Bezinmangels lange Schlangen. In anderen stark betroffenen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Polen versprechen die Regierungen den Verbrauchern und den betroffenen Unternehmen bereits umfangreiche staatliche Hilfen und Subventionen.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt in einem aktuellen Bericht vor möglichen großflächigen Stromausfällen in Europa im kommenden Winter. Der europäische Dünger-Gigant Yara International, kündigte an, die Ammoniumproduktion wegen der hohen Kosten um 40 Prozent zu reduzieren – und treibt damit die Düngerpreise weiter steil nach oben.

Für die deutschen Bauern befinden sich die Betriebsmittelpreise bereits ohne diesen gewaltigen Kostenschub auf einem Rekordstand.

Dieselpreise erreichen Rekordhoch von 2018

dieselpreis.

Die Dieselpreise sind für Ackerbauern und für Tierhalter ein enorm wichtiger Kostenfaktor. Mitte September mussten an den Tankstallen im Schnitt bei 1,442 Euro je Liter  gezahlt werden – das waren fast so hohe Preise wie zum letzten Rekordhoch im November 2018 – also vor etwa 3 Jahren. Damit müssen Landwirte und andere Diesel-Einkäufer etwa 36 Prozent bzw. 38 Cent mehr für den Treibstoff ausgeben als im September 2020.

Am heutigen Montag (27.09) meldet das Onlineportal Benzinpreis.de einen durchschnittlichen Dieselpreis von 1,44 Euro je Liter – in einer großen regionalen Spannbreite von 1,41 bis 1,49 Euro. Das sind etwa 6 Cent höhere Preise als zum Beginn des Monats.

Dabei treiben nicht nur die steil ansteigenden Rohöl- und Erdgaspreise die Kosten für den Diesel nach oben. Die CO2-Steuer hat ebenfalls einen beträchtlichen Anteil an den sehr hohen der Diesel- und Treibstoffpreisen. Der Verband der Mineralölwirtschaft (MWV) hat aus den aktuell mit 25 Euro je Tonne CO2 bepreisten Zertifikaten folgende Preisaufschläge (mit Mehrwertsteuer) errechnet: Für Superbenzin beträgt der CO2-Aufschlag 6,9 Cent je Liter und für Diesel und Heizöl jeweils 7,884 Cent pro Liter.

Mit steigenden CO2-Preisen steigen diese Kosten unabhängig von den jeweiligen Energie- und Rohölpreisen weiter an und sollen sich bis 2025 auf 55 Euro je Tonnen mehr als verdoppeln. An der EEX-Börse kosten die Zertifikate derzeit jedoch schon 62 Euro je Tonne – was den Preisanstieg wohl zusätzlich befeuern dürfte.  

Doch auch ohne die CO2-Abgabe sind die Steuern bei Diesel schon hoch: Bei einem Preis von 140 Cent je 100 Liter, beträgt die Mineralölsteuer immerhin 47 Cent und die Mehrwertsteuer 22,4 Cent – das sind 69,5 Cent je Liter.

Heizölpreise gehen durch die Decke – Plus 70 Prozent

heizölpreise.

Für Heizöl sind die Preise in diesem Jahr ähnlich stark gestiegen wie für Diesel. Mitte September meldet der Branchendienst tecson Heizölpreise von 78,80 Euro je 100 Liter. Das sind die höchsten Preise seit November 2018 – also ebenfalls seit knapp 3 Jahren. Im Monat August mussten durchschnittlich 70,0 Euro gezahlt werden – das waren bereits 70 Prozent bzw. 30 Euro mehr als im September 2020.

Tescon beobachtet Mitte September außerdem weiter steigende Heizölpreise. Neben den weltweit nierigen Lagerbeständen und einem Defizit in der Ölförderleistung ist es auch der Gasenergiemarkt, der die Heizöl-Preise treibt, beobachtet Tescon. Wegen der sehr hohen Gaspreise versuchen manche Unternehmen auf Öl auszuweichen, unter anderem bei der Stromerzeugung.

Derzeit ist die Situation offenbar so, dass aufgrund der hohen Gaspreise täglich eine halbe Million Barrel an Öl zusätzlich nachgefragt wird. Und es ist wahrscheinlich, dass das über die Heizsaison 21/22 hinweg so bleiben, berichtet Tescon.  

Damit zeigt die weitere Preisentwicklung aus Sicht des Branchendienstes in den nächsten Wochen weiter nach oben. Zuletzt noch die Steuern, die Verbraucher und Landwirte bei Heizöl auch ohne die CO2-Abgabe zahlen muss: Bei einem Preis von 69 Cent je 100 Liter beträgt die Mineralsteuer 6,14 Cent und die Mehrwertsteuer 11,07 Cent.

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