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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Energiemangel und Kostenexplosion

Dieselpreise und Heizölpreise: Die explodierenden Kosten für Landwirte

Traktor.
am Mittwoch, 20.10.2021 - 10:54 (Jetzt kommentieren)

So viel Geld mussten Landwirte nie zuvor für Diesel, Heizöl und Strom ausgeben. Dabei steigen auch die übrigen Kosten explosionsartig an.

rohölpreise.

Die Inflation war zuletzt so hoch wie vor fast 30 Jahren. Im September lag der Preisauftrieb über alle Produktgruppen hinweg bei 4,1 Prozent. Doch die Kostenexplosion hat sich seitdem noch verschlimmert. Im Oktober kosteten Diesel und Heizöl so viel wie noch nie zuvor. Die Preise für Strom und Erdgas kletterten ebenfalls auf neue Rekordmarken.

Gleichzeitig verursacht die Kostenexplosion in Europa, China und anderen Ländern eine schwere Energiekrise: Die Versorgung ist gefährdet und die Folgen sind in den meisten Wirtschaftsbereichen massiv zu spüren. Landwirte müssen nicht nur für Diesel und Heizöl Rekordpreise zahlen. Die explodierenden Erdgaspreise verteuern auch die Produktion und die Kosten von Mineraldünger drastisch. Die Folge sind Produktionskürzungen und Werksschließungen in der Düngerindustrie und der Agrarchemie.

Auch erste Energieversorger kündigen in Deutschland Verträge und erhöhen die Preise für Strom und Erdgas. Und der Winter hat noch nicht einmal begonnen. Die meisten Analysten rechnen angesichts des sehr knappen globalen Angebotes mit einem weiteren Anstieg der Energie- und Treibstoffpreise und damit auch mit weiter steigenden Kosten.

Dabei müssen deutsche Landwirte und Verbraucher bereits die höchsten Strompreise in Europa zahlen. Auch die Steuern für Diesel, Benzin und Heizöl sind hierzulande am höchsten. Obendrauf kommt noch die CO2-Steuer, die nach dem Willen der Politik im neuen Jahr weiter steigen soll. Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung der Energiemärkte zeigt jedoch Brisanz der Lage.

Nicht nur in Europa steigen die Preise für fossile Energieträger immer weiter. Viele Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Polen haben deshalb bereits Schutzmaßnahmen ergriffen. Auch in den USA und in China kosten Gas und Kohle so viel wie seit Jahrzehnten nicht.

Einer der wichtigsten Indikatoren für den globalen Energiemarkt ist der Rohölpreis für die Nordsee-Sorte Brent. Diese notierte zuletzt (wie die US-Sorte WTI) mit fast 86 USD je Barrel auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren!!

Dieselpreise im Oktober auf Rekordhoch

dieselpreise.

Die Dieselpreise sind für Ackerbauern und für Tierhalter ein enorm wichtiger Kostenfaktor. Mitte Oktober mussten an den Tankstallen im Schnitt bei 1,564 Euro je Liter gezahlt werden. Das waren 5 Cent höhere Preise als zum bisherigen Rekordhoch im November 2018.

Gleichzeitig müssen Landwirte und andere Diesel-Einkäufer etwa 47 Prozent bzw. 50 Cent mehr für den Treibstoff ausgeben als im Oktober 2020. Bei einer Tankladung für von 150 Litern ist das ein Mehrpreis von 75 Euro und bei 210 Litern liegt der Kostenanstieg schon bei 105 Euro und der Gesamtpreis für eine Tankladung steigt auf knapp 330 Euro.

Am heutigen Mittwoch (20.10) meldet das Onlineportal Benzinpreis.de einen durchschnittlichen Dieselpreis von 1,564 Euro je Liter, in einer regionalen Spannbreite von 1,54 bis 1,60 Euro. Gleichzeitig sind das etwa 15 Cent höhere Preise als im vorigen Monat. Dabei treiben nicht nur die steil ansteigenden Rohöl- und Erdgaspreise die Kosten für Diesel und Benzin steil nach oben. Die CO2-Steuer hat ebenfalls ihren Anteil an den sehr hohen der Diesel- und Treibstoffpreisen.

Der Verband der Mineralölwirtschaft (MWV) hat aus den aktuell mit 25 Euro je Tonne CO2 bepreisten CO2-Zertifikaten folgende Preisaufschläge (mit Mehrwertsteuer) errechnet: Für Superbenzin beträgt der CO2-Aufschlag 6,9 Cent je Liter und für Diesel und Heizöl jeweils 7,884 Cent pro Liter. Mit weiter steigenden CO2-Preisen steigen diese Kosten unabhängig von den jeweiligen Energie- und Rohölpreisen ebenfalls weiter an und sollen sich bis 2025 auf 55 Euro je Tonne mehr als verdoppeln.

An der EEX-Energie-Börse kosteten die dort gehandelten CO2-Zertifikate bzw. sogenannten Verschmutzungsrechte für die immer weiter verknappten fossilen Energieträger zeitweise schon 64 Euro je Tonne – und damit mehr fast dreimal so viel wie vor einem Jahr mit damals etwa 23 Euro je Tonne.

Doch auch ohne die CO2-Abgabe sind die Steuern bei Diesel und Benzin schon sehr hoch: Bei einem Preis von 141,6 Cent je 100 Liter, betrug die Mineralölsteuer nach Berechnungen des MWV immerhin 47 Cent und die Mehrwertsteuer 22,6 Cent – das sind 69,6 Cent je Liter oder rund 45 Prozent des Dieselpreises.

Heizölpreise in einem Jahr verdoppelt

heizölpreise.

Für Heizöl sind die Preise noch stärker gestiegen als für Diesel. Mitte Oktober meldet der Branchendienst Tecson Heizölpreise von 90,5 Euro je 100 Liter. Das sind knapp 5 Euro mehr als zum bisherigen Preisrekord im November 2018 – also vor 3 Jahren. Im Monat September mussten nur 72 Euro je 100 Liter gezahlt werden – und der Winter steht erst noch bevor. Die im Oktober gezahlten Heizölpreise waren mehr als doppelt so wie im Oktober 2020.

„Die Preisniveau ist zwar schon sehr hoch, aber mit sich näherndem Jahreswechsel kommt dann bereits die nächste Stufe der CO2-Abgabenerhöhung hinzu. Leider spricht vieles dafür, dass die Heizölpreise in den nächsten Wochen noch weiter klettern werden“, heißt bei Tescon.

Neben den weltweit sehr niedrigen Lagerbeständen und einem großen Defizit in der Ölförderleistung ist es auch der Gasenergiemarkt, der die Heizöl-Preise weiter nach oben treibt. Wegen der sehr hohen Gaspreise versuchen manche Unternehmen auf Öl auszuweichen, unter anderem auch bei der Stromerzeugung. Derzeit ist die Situation offenbar so, dass aufgrund der hohen Gaspreise und der Mangel an Kohle täglich eine halbe Million Barrel an Öl zusätzlich nachgefragt wird.

Analysten gehen davon aus, dass das über das gesamt Winterhalbjahr 21/22 hinweg so bleiben. Damit zeigt die weitere Preisentwicklung in den nächsten Wochen weiter nach oben. Zuletzt noch die Steuern, die Verbraucher und Landwirte bei Heizöl auch ohne die CO2-Abgabe zahlen muss: Bei einem Preis von 72,4 Cent je 100 Liter im September betrug die Mineralölsteuer 6,14 Cent und die Mehrwertsteuer 11,56 Cent - also insgesamt  etwa ein Viertel des Preises.

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