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Kosten für Treibstoff und Energie

Dieselpreise wieder über 2,0 Euro: Riesige Angst vor Ölembargo

Dieselpreise.
am Dienstag, 19.04.2022 - 13:08 (4 Kommentare)

Die Rohölpreise steigen wieder. Und mit ihnen die Dieselpreise. Auch Heizöl ist deutlich teurer. Auslöser des erneuten Preisanstiegs sind die Ängste und Warnungen vor den Folgen eines europäischen Ölembargos. Für Deutschland würde dies eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten und eine Deindustrialisierung, sagen Wirtschaftsverbände.

Dieselpreise.

Diesel kostete am Dienstag (19.04) an den deutschen Tankstellen im Schnitt wieder 2,01 Euro je Liter berichtete der Onlinedienst bezinpreis.de. Die Preisspanne lag zwischen 1,96 und 2,22 Euro je Liter. Leichtes Heizöl kostete die Verbraucher am heutigen Dienstag im Bundesmittel 135 Euro je 100 Liter. Das waren 10 Euro mehr als in der vorigen Woche. Die bisherigen Preisspitzen bei Diesel und Heizöl werden trotz des Anstiegs deutlich verfehlt.

Das könnte sich bei einem europäischen Ölembargo jedoch sehr schnell ändern. „Die Heizölpreise bewegen sich wieder nach oben. Sowohl vor Ostern als auch nach Ostern meldeten die Heizölhändler deutliche Angebotsverteuerungen,“ berichtet der Branchendienst tescon.de. Für die nächste Zeit erwarten die Experten von Tescon einen weiteren Preisanstieg: „Da sich im Ukraine-Krieg keine Lösung abzeichnet und die russischen Truppen die nächste Angriffsphase im Osten beginnen, wird der Westen seine Sanktionen gegen Russland verschärfen. Auch ein Ölembargo der EU wird kommen. Die Preisvorzeichen für das Frühjahr zeigen deshalb wieder klar nach oben.“  

Brent-Rohöl notierte im laufenden Handel bis Dienstag Mittag bei 112 USD pro Barrel. Das US-Leichtöl WTI Rohöl wurde mit auf 107 USD gehandelt. Die Erdgaspreise folgten den Ölpreisen zuletzt (noch) nicht nach oben. Am wichtigsten europäischen Handelsplatz Trading Natural Gas EU Dutch TTF notieren am Dienstag bei 92,93 Euro je Mwh und damit erneut niedriger als in der vorigen Woche – als die Preise bei 102,50 Euro je MWh lagen.

Wirtschaft und Gewerkschaften warnen vor Deindustrialisierung

heizölpreise.

Der Ölgiant Shell hat bereits den Kauf von russischem Rohöl eingestellt, und Vitol, der weltgrößte Ölhändler, sagte vorige Woche, dass er den Kauf von Rohöl aus Russland bis Ende 2022 vollständig auslaufen lassen werde. Darüber hinaus haben die EU-Staaten ein mögliches Ölembargo gegen Russland diskutiert. Viele europäische Länder sind bei Ölimporten stark auf Russland angewiesen.

Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Region, könnte laut einem Bericht einer Gruppe von Wirtschaftsinstituten, die die Regierung beraten, über einen Zeitraum von zwei Jahren 240 Milliarden US-Dollar oder 6,5 % seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verlieren, wenn man die Lieferungen von russischem Gas stoppen würde.

Deutsche Gewerkschaften und Unternehmen haben sich am Montag zusammengetan, um bekannt zu geben, dass sie gegen ein Verbot der Europäischen Union für russische Erdgasimporte sind, während die Staats- und Regierungschefs der EU über weitere Sanktionen gegen Russland debattieren.

In einer gemeinsamen Erklärung befürchten die Vorsitzenden der deutschen Gewerkschaftsorganisation DGB und des Arbeitgeberverbands BDA, ein künftiges EU-Verbot werde zu Arbeitsplatzverlusten und Fabrikschließungen führen. „Ein schnelles Gasembargo würde zu Produktionsausfällen, Stillständen, einer weiteren Deindustrialisierung und dem langfristigen Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland führen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Deutschland hat russische Importe bereits reduziert

Deutschland ist sehr abhängig von russischen Rohstoffen – insbesondere Erdgas. Russland lieferte im Jahr 2021 fast ein Drittel des gesamten Energiebedarfs Deutschlands. Das macht es schwierig, die Handelsbeziehungen schnell abzubrechen, ohne dramatisch höhere Energiepreise und eine wirtschaftliche Katastrophe zu erleiden.

Die nächsten Sanktionen des Westens zielen jedoch darauf ab, die Energieimporte weiter einzuschränken, aber Deutschlands Abhängigkeit von Energieimporten stellt dabei eine große Hürde dar. Dabei hat die Bundesregierung schon einige wichtige Schritte unternommen, um sich von der russischen Energie unabhängiger zu machen.

Deutschland hat seinen Verbrauch an russischem Öl bereits von 35 % auf 25 % zurückgefahren und seine Importe russischer Kohle halbiert, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck Ende März.

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