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Kosten für Gas

Gaspreise fallen auf 10 Cent – zahlen Gaskunden bald weniger?

Gaszähler.
am Dienstag, 20.12.2022 - 10:20 (Jetzt kommentieren)

Die Gaspreise fallen in einer Woche um 34 % auf 10,2 Cent je kWh. Das sind die niedrigsten Spotmarktpreise seit knapp zwei Monaten. Dabei sind die Gasspeicher-Stände in der jüngsten Kältewelle deutlich geschrumpft und die Bundesnetzagentur hat bereits vor Mangel gewarnt und zum Sparen aufgerufen. Wie passt das zusammen?

gaspreise.

Die Gaspreise fallen im laufenden Handel am Dienstag (20.12) weiter und notieren nur noch bei 102 Euro je MWh (10,2 Cent je kWh). Das sind nochmals 6 Euro weniger als am Montag. Gleichzeitig sind das die niedrigsten Gaspreise seit fast zwei Monaten. Außerdem ist das ein Rückgang gegenüber der Vorwoche (152 Euro) von rund 34 %.

Gasneukunden zahlten Ende Dezember an ihre Versorger im Schnitt 16,4 Cent je kWh und Bestandskunden mussten im Schnitt 13,6 Cent auf den Tisch blättern, sagt das Vergleichsportal Verivox. Das ist zwar deutlich weniger als im November, als die Neukundenpreise bei 21 Cent lagen, jedoch mehr als doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Damals mussten die Neukunden 7,3 Cent zahlen und Bestandskunden gerade einmal 4,8 Cent.

Und ab Januar 2023 sollen die Preise für die meisten Gaskunden weiter steigen. Das zeigen jedenfalls die Ankündigungen vieler Versorger. Die Gaspreisbremse der Bundesregierung deckelt den Gaspreis für Verbraucher ab Januar für 80 % des Grundbedarfs bei 12 Cent.

In Regionen, in denen die Grundversorgung günstiger ist als die Sondertarife, sollten Strom- und Gaskunden überlegen, sich in die Grundversorgung fallen zu lassen, sagt Udo Sieverding, von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber Verivox. Allerdings erwartet der Experte, dass die Preise in der Grundversorgung über kurz oder lang weiter anziehen und sich dem Niveau der Sonderverträge angleichen.

Leere Speicher und fallende Gaspreise?

Eine einfache Erklärung für den scharfen Rückgang der Gaspreise am Spotmarkt gibt es jedoch nicht. Sollten die Spotmarktpreise jedoch über längere Zeit auf dem jetzigen Niveau bleiben, hätte das sicher auch Folgen auf die Gaspreise für die Verbraucher.

Dennoch ist nicht klar, wie die Preise sich am Gasmarkt weiterentwickeln – vor allem weil es jetzt eine Reihe weiterer Instrumente gibt, mit denen in den Markt eingegriffen wird. Analysten sagen, dass trotz schrumpfender Füllstände der Speicher, die Sorgen um die Gas- und Strom-Versorgung in Europa zuletzt nachließen.

Ein Grund dürfte sein, dass die erste Kältewelle mit Dauerfrost und Schneefall diese Woche zu Ende geht. Außerdem wird wohl auch die Industrienachfrage während der Weihnachtsferien deutlich schrumpfen, heißt es weiter.

Der EU-Gasspeicherstand lag zuletzt bei 84,2 % der Kapazität. Für Deutschland berichtet die Bundesnetzagentur am 20. Dezember: „Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 87,96 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 90,96 %."

Der Gasverbrauch lag in der 49. Kalenderwoche 5,2 % unter dem durchschnittlichen Verbrauch der letzten vier Jahre. Er ist gegenüber der Vorwoche aber um 11,8 % gestiegen. "Das Sparziel wurde damit deutlich verfehlt", sagt die Bundesnetzagentur.

Gaspreisbremse in der EU bei 180 Euro (18 Cent)

Die Energieminister der Europäischen Union einigten sich am Montag (19.12) nach wochenlangen Gesprächen auf eine Gaspreisobergrenze. Diese Obergrenze ist ein Versuch der 27 EU-Länder, die Gaspreise zu drücken, die die Energierechnungen in die Höhe getrieben haben und zu einer rekordhohen Inflation beigetragen haben, sagen Analysten.

Die Minister einigten sich darauf, die Obergrenze auszulösen, wenn die Gaspreise drei Tage lang den Wert von 180 Euro pro Megawattstunde am wichtigsten europäischen Handelsplatz (TTF) überschreiten. Der TTF-Preis muss zudem um 35 Euro je MWh höher sein als ein Referenzpreis, der auf bestehenden LNG-Preisschätzungen für drei Tage basiert. 

Dadurch wird der Preis, zu dem Gas gehandelt werden kann, begrenzt, während das Niveau parallel zu den globalen LNG-Preisen schwanken kann – ein System, das sicherstellen soll, dass die EU-Länder weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen Gas an den globalen Märkten kaufen können, sagen Analysten.

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