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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreise fallen nach Rekordhoch – Aussichten aber extrem düster

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am Montag, 29.08.2022 - 11:53 (Jetzt kommentieren)

Die Erdgaspreise in Europa fielen am Montagmorgen von ihrem Rekordhoch, wegen des hohen Füllstands der Gasspeicher. Doch die Speicher decken nur ein Viertel des europäischen Bedarfs. „Die nächsten fünf bis zehn Winter werden schwierig“, hatte der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo vorige Woche gewarnt.

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Die Erdgaspreise in Europa fielen am Montagmorgen von ihrem am Freitag erreichten Rekordhoch von 340 Euro je Megawattstunde um mehr als 12 % auf unter 300 Euro pro Megawattstunde. Allein in der vorigen Woche waren die Gaspreise am Spotmarkt um fast 40 % gestiegen.

Der Preisrutsch um mehr als 40 Euro erfolgte, nachdem Deutschland angekündigt hatte, dass seine Gasspeicher bis nächsten Monat zu 85 % gefüllt sein werden. Das wäre früher als das Oktoberziel. Trotz der Erleichterung bleiben die Lieferungen vorerst sehr knapp und teuer und die Aussichten auf den Winter sind immer noch sehr ungewiss.

Russlands Gazprom will nämlich ab Mittwoch die Lieferungen nach Europa durch Nord Stream für drei Tage komplett einstellen. Derzeit ist der Durchfluss durch die Pipeline bereits auf etwa 20 % reduziert.

Und Norwegen, das Russland mittlerweile als größten Gaslieferanten für Europa überholt hat, wird seine Gasexporte im September wegen geplanter und ungeplanter Wartungsarbeiten an 13 Feldern und Verarbeitungsanlagen einschränken, berichten die Analysten von Tradings Economics.

Gazprom unterbricht am Mittwoch - Risiko einer Rezession

Am Freitag waren die Erdgaspreise an Europa wichtigstem Handelsplatz angesichts anhaltender Lieferängste noch auf 340 Euro pro Megawattstunde auf einen neuen Rekordstand nach oben geschossen.

Die russische Gazprom hatte ankündigt, Ende August die Lieferung durch die Nord-Stream-Pipeline nach Deutschland für drei Tage wegen Wartungsarbeiten zu unterbrechen, was die Besorgnis über die  weitere Lieferungen verschärft und das Risiko einer Rezession in Deutschland und Europa erhöht, wenn sich die Erdgasknappheit ausweitet.

Das staatliche Energieunternehmen Gazprom hat den Durchfluss durch die Nord Stream-Pipeline bereits auf etwa 20 % seiner Kapazität reduziert und Probleme mit Turbinen angeführt. Darüber hinaus wurden die Exporte von zwei der drei Pumpstellen des Caspian Pipeline Consortium an einem Terminal am Schwarzen Meer gestoppt, weil das Unternehmen eine beschädigte Pipeline als Ursache anführte.

Zusätzlich zu den Schwierigkeiten bei der Gaslieferung droht eine historische Dürre, die Lieferungen von Kohle und anderen Energieträgern entlang des Rheins zu beenden und gleichzeitig die Stromerzeugung aus Wasserkraft und Kernkraft einzuschränken.

Speicher decken nur ein Viertel des Verbrauchs

„Nach Abschluss der Wartungsarbeiten, sofern keine Störungen festgestellt werden, wird der Gastransport mit einer Rate von 33 Millionen Kubikmetern pro Tag wieder aufgenommen“, hatte Gazprom mitgeteilt. Diese Rate entspricht jedoch kaum 20 % der Kapazität der Pipeline, die täglich bis zu 167 Millionen Kubikmeter transportieren kann.

Die schwindenden Gas-Ströme haben Deutschland, den Hauptempfänger von Nord Stream, gezwungen, die zweite Phase seines Energienotfallplans auszulösen und Uniper, einen Importeur von russischem Großhandelsgas, zu retten. Aber noch bevor Gazprom die unerwartete Entscheidung traf, hatten die Gaspreise in ganz Europa eine Rekordjagt begonnen und Wirtschaft, Verbraucher und Politik in Angst und Schrecken versetzt.

Zusätzlich zum Gasmangel hat der Sommer, der heißer als üblich war, und die darauf folgende Zunahme der Nutzung von Klimaanlagen den Aufwärtstrend angeheizt, zusammen mit einer schweren Dürre, die den Beitrag der Wasserkraft reduziert hat und die Aktivität in Kernkraftwerken eingeschränkt hat, berichten Analysten.

Gleichzeitig beeilen sich die Regierungen, ihre Gasspeicher vor der Wintersaison aufzufüllen, da die Angst vor der Unzufriedenheit der Bevölkerung von Tag zu Tag wächst. Obwohl die Speicherung für den Winter eine Schlüsselrolle bei der Versorgungssicherheit spielt, ist sie bei weitem kein Allheilmittel für die massiven Energieprobleme der EU: Die Gemeinschaft verfügt bestenfalls über eine Speicherkapazität von gut 100 Milliarden Kubikmetern (bcm) Gas – das ist nur ein Viertel der jährlichen 400 Verbrauchsmenge.

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