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Energiekrise und Gaspreise

Gaspreise fallen am Spotmarkt drastisch – Gaspreisbremse oder Markt?

Gaspreise.
am Dienstag, 11.10.2022 - 10:58 (Jetzt kommentieren)

Die Gaspreise sind am europäischen Spotmarkt kräftig gefallen. Um mehr als ein Drittel hat sich Gas am wichtigsten europäischen Handelsplatz TTF seit Mitte September verbilligt.

Gaspreise.

Am Montag fielen die Gaspreise am Spotmarkt zeitweise bis auf 140 Euro je MWh nach unten und beendete den Handel bei rund 155 Euro je MWh.

Am heutigen Dienstag notiert der TTF-Gaspreis bei rund 160 Euro je MWh – das liegt übrigens noch über dem Niveau, bei dem die Gaspreise künftig gedeckelt werden sollen – nämlich bei 12 Cent je Klowattstunde. Mitte September lagen die Gaspreise am Spotmarkt allerdings noch bei 240 Euro je MWh und Anfang Oktober mussten Einkäufer 205 Euro je MWh zahlen.

Wirklich nachvollziehbar ist der aktuelle Preisrückgang aber nicht. Zwar hat die Bundesregierung am Montag (10.10.) ein umfangreiches Entlastungspaket – die Gaspreisbremse – auf den Weg gebracht und auch die Gasspeicher sind gut gefüllt. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 94,07 %, sagt die Bundesnetzagentur. Doch Gas ist trotzdem weiter sehr knapp und die beiden Nordstreamleitungen werden wohl nie wieder (preiswertes) Gas nach Europa bringen.

Gleichzeitig sind die Preise für LNG-Gas aus den USA, aus Norwegen oder Katar sehr hoch – und zumindest der europäische Markt ist mit dem Wegfall der russischen Lieferungen auf lange Sicht knapp versorgt, auch wenn in Deutschland LNG-Terminals gebaut werden. Immerhin 50 % der deutschen Haushalte sind auf Gas angewiesen und auch die Industrie benötigt dringend Gas zur Aufrechterhaltung der Produktion.

Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden, sagt die Bundesnetzagentur. „Die Großhandelspreise schwanken stark, bewegen sich aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen“, betont die Bundesnetzagentur weiter.

Gaspreisbremse: 12 Cent für Verbraucher und 7 Cent für Industrie

Am Montag hat die Gaspreis-Kommission der Bundesregierung ein zweistufiges Modell zur Entlastung bei den Gaspreisen vorgeschlagen. Dabei soll der Staat im Dezember einmalig die jeweilige Abschlagszahlung der Gas- und Fernwärmekunden übernehmen. Diese einmalige Übernahme entspricht der Abschlagszahlung, die im September 2022 angesetzt war.  

Ab dem Frühjahr soll dann für Haushalte und kleinere Unternehmen bis mindestens Ende April 2024 eine Preisbremse für ein bestimmtes Kontingent an Gas- und Wärmeverbrauch eingeführt werden. Geplant ist für eine Grundmenge an Gas einen staatlich garantierten Bruttopreis inklusive aller auch staatlich veranlassten Preisbestandteile von 12 Cent pro Kilowattstunde.

Das wäre also nochmal deutlich weniger als der Spotmarkt aktuell mit 160 Euro je MWh (16 Cent/KWh) verlangt. Wer mehr verbraucht, muss dann die jeweiligen Marktpreise zahlen. Das Grundkontingent soll bei 80 Prozent des Verbrauchs liegen.

Für die Industrie soll die Gaspreisbremse bereits ab Januar 2023 gelten. Für die Industrie wird vorgeschlagen, dass diese für 70 Prozent ihres Verbrauchs des Jahres 2021 einen festen Beschaffungspreis von 7 Cent pro kWh und für den Verbrauch, der darüber hinausgeht, die jeweiligen Marktpreise zahlen soll.

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